Sachsen will bei Kinderbetreuung aufholen

In der Lehrerausbildung und im späteren Einsatz gibt noch immer regionale Ungleichgewichte

Dresden.

Regelmäßig fährt Sachsen Spitzennoten für die Schulausbildung ein. Doch wenn es um die Betreuung der Kinder geht, gehört der Freistaat zu den Schlusslichtern. Die für den Familienkompass Sachsen befragten Eltern vergaben die Durchschnittsnote 3,4 für die Personalausstattung in den Kitas. Wann wird sich das bessern? Kultusminister Christian Piwarz (CDU) spricht im Interview von einem ehrlicheren Betreuungsschlüssel, zu vollen Schulklassen und den Unterrichtsausfall in der Coronakrise. Die Fragen stellte Sandro Rahrisch.

Herr Piwarz, Eltern loben das große Engagement der Erzieher, sind aber unzufrieden mit der Personaldecke in den sächsischen Kitas. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Christian Piwarz: Ich freue mich über das Lob für die qualitativ hochwertige Arbeit in den Kindertageseinrichtungen. Das ist zuallererst ein Lob für die Erzieherinnen und Erzieher. Aber in der Tat, mit der Personalsituation und dem Betreuungsschlüssel befinden wir uns deutschlandweit gesehen im hinteren Bereich.

Gibt es bald mehr Erzieher?

Wir haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen und die Betreuungsschlüssel verbessert. Darüber hinaus ist im vergangenen Jahr ein deutlicher Schritt zur Entlastung der Erzieher gemacht worden. Einen Teil ihrer Arbeitszeit können sie nun nutzen, um die Arbeit mit den Kindern vor- und nachzubereiten. Beide Maßnahmen haben allein 4000 Erzieherstellen geschaffen und die Betreuungssituation verbessert.

Woran liegt es, dass der Betreuungsschlüssel nicht weiter verbessert wird?

Wenn wir über mehr Erzieher sprechen, ist das einerseits eine finanzielle Dimension. Hier müssen alle zustimmen - auch die Eltern, die das über die Elternbeiträge mitbezahlen. Andererseits müssen wir uns fragen, ob wir die Erzieher überhaupt bekommen. Wir können den Bedarf mit aktuell etwa 2000 fertig ausgebildeten Erziehern pro Jahr geradeso decken.

Kein Wunder, die Ausbildung dauert lange und sie ist teuer für die Auszubildenden.

Wir haben uns im Koalitionsvertrag geeinigt, die Ausbildung kostenfrei machen zu wollen. Der Gesetzesentwurf wurde vom Kabinett verabschiedet und befindet sich jetzt im Landtag zur Beschlussfassung.

Es wird also auf absehbare Zeit mehr Erzieher geben?

Der Betreuungsschlüssel berücksichtigt bisher nicht, wenn Erzieher in den Urlaub gehen, krank sind oder eine Weiterbildung absolvieren. Wir wollen in dieser Legislaturperiode den Einstieg finden, den Schlüssel ehrlicher zu machen, also so zu verbessern.

Über welchen Zeitraum sprechen wir da?

Wir haben bei den staatlichen Schulen im vergangenen Jahr bereits 200 Ausbildungsplätze zusätzlich geschaffen. Diese Erzieher sind frühestens 2022 fertig.

Eine weitere Kritik ist, dass sie die Schulklassen als vollgestopft empfinden. Können die Familien hier ebenfalls hoffen?

Ich bin mit dem Begriff "vollgestopft" vorsichtig. Denn wir befinden uns mit einem Klassenteiler von 28 Schülern deutschlandweit im vorderen Mittelfeld, im großstädtischen Bereich sind die Schulen eher voll. Aber gerade im Grundschulbereich befinden sich im Schnitt 21 Schüler in einer Klasse.

Finden Sie denn inzwischen genug Lehrer, um den Unterricht heute abzudecken?

Mit der Verbeamtung ist das Fundament gelegt, damit wir deutschlandweit ein konkurrenzfähiges Angebot unterbreiten können. Die Bewerberzahlen sind besser als zuvor. Wir haben insbesondere in Dresden und Leipzig sehr viele Bewerber, die sich vorstellen können, dort Lehrer zu werden. In Ostsachsen, im Erzgebirge und in Chemnitz zum Beispiel haben wir dagegen eine unterdurchschnittliche Nachfrage.

Können Sie das auf kurze Sicht ändern?

Wir müssen dafür sorgen, dass die Lehrer, die überzählig sind, etwa im Gymnasialbereich, an den Oberschulen eingesetzt werden. Das machen eine ganze Menge. Zum Schuljahresanfang haben wir über 100 Gymnasiallehrer für andere Schulen gewinnen können.

Die Coronakrise sorgt für weiteren Lehrer- und damit auch Unterrichtsausfall. Auf der anderen Seite ist für schwangere Lehrerinnen ein Beschäftigungsverbot angeordnet worden. Was heißt das für den Schulalltag?

Wir haben noch keine verlässlichen Zahlen, aber es stimmt.

Es wird also Ausfall in niedrigeren Klassenstufen zugunsten der höheren geben?

Nein, es wird generell nicht so sein, dass die kleineren Klassen das Nachsehen haben werden.

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