Sächsische Erzieher warnen vor Überlastung bei Kita-Öffnung

Sachsen will am Montag bei der Wiederöffnung von Kitas, Horten und Grundschulen anstatt auf Abstandsregeln und kleine Gruppen auf ein Konzept der voneinander getrennten Gruppen setzen - in den Gebäuden sowie auf dem Pausenhof und in den Außenbereichen. Es hagelt Kritik.

Radebeul (dpa/sn) - Der Sächsische Erzieherverband warnt angesichts der Wiederöffnung der Kitas ab Montag vor einer Überlastung der Erzieher durch Mehrarbeit und Überstunden. Wenn die Gruppen strikt voneinander getrennt spielen, lernen und essen sollten, würden viele in den Einrichtungen in den nächsten Wochen an ihre personellen Grenzen geraten, teilte der Verband am Donnerstag in Radebeul mit.

Bei der Planung des Personaleinsatzes seien die Arbeitszeitgesetze weiter zu beachten. Gegebenenfalls müsse der Umfang der Beschäftigung befristet aufgestockt werden. Wenn dies nicht möglich sei, müssten die Einrichtungen ihre Öffnungszeiten kürzen, um ihre Beschäftigten vor Überlastungen zu schützen.

«Die komplette Trennung der Gruppen ist faktisch nicht möglich», erklärte die Verbandsvorsitzende Katja Reichel. Dazu fehle es unter anderem an den notwendigen Räumen und dem Personal. «Wenn wir alle Vorgaben einhalten wollen, dann sind wir gezwungen, in einem Schichtsystem zu arbeiten. Das funktioniert aber nur so lange, bis einer ausfällt. Dann müssen wir wieder länger arbeiten und Überstunden aufbauen.»

Die Fraktion der Linken im Sächsischen Landtag warf Kultusminister Christian Piwarz (CDU) vor, er spiele mit dem Feuer. Es sei nicht möglich, die Kita-Gruppen und Schulklassen tatsächlich auseinanderzuhalten, «das scheitert schon auf der Toilette», erklärten Susanne Schaper, Luise Neuhaus-Wartenberg und Marika Tändler-Walenta. Zudem sei wissenschaftlich nicht gesichert, dass Kinder bei der Weitergabe des Virus eine kleinere Rolle spielten als Erwachsene.

Die Abgeordneten nannten es «sinnlos, wenn die Eltern täglich dafür unterschreiben, dass ihre Kinder gesund sind». Denn für Kinder, Eltern und das Personal gelte: Selbst wer keine oder nur geringe Symptome zeigt, könne das Virus weitergeben. «Davor schützt ein Zettel nicht.» Die Hoffnung, bei Infektionsfällen einzelne Gruppen oder Klassen isolieren und so Verbreitungswege nachvollziehen zu können, sei falsch.

Die Abgeordneten sprachen sich für einen stufenweisen Wiedereinstieg aus. «Das wäre zwar schmerzlich, aber wesentlich sicherer als die Hauruck-Öffnung der Schulen und Kitas, nicht zuletzt für die vielen Beschäftigten, die zu Risikogruppen zählen», erklärten sie. Ansonsten seien steigende Zahlen zu befürchten, «die das zerstören, was in den letzten Wochen und Monaten durch Entbehrungen und Einschränkungen der Bevölkerung erreicht wurde».


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

3Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    7
    1053433
    14.05.2020

    Es geht bei der Öffnung weder um die Schüler noch um die Belange der Eltern. Es geht um die "kontrollierte" Durchseuchung unserer Kinder. Der Dresdner Infektiologe Berner, welcher an dem Konzept der Öffnung beteiligt war, äußerte diesen Weg schon an 28.04.2020 gegenüber den Medien. Wir werden als Versuchskaninchen missbraucht.
    Quelle: https://www.saechsische.de/corona-dresdner-arzt-reinhard-berner-plaediert-fuer-kita-oeffnung-5198750.html

  • 11
    11
    Pixelghost
    14.05.2020

    Und wer hat seit Jahrzehnten gefragt, wie die Erzieherinnen in den Gruppe mit bis zu 15 Kindern zurecht kommen und wie viel Personal wirklich gebraucht wird?

    40 Stunden? Pustekuchen! 20, 25 oder 30-Stunden-Verträge sind die Regel. Kostet ja alles.

    Aber bloß keine Eltern-Beiträge bezahlen. Wo das Geld dafür herkommen soll das fragt auch niemand.
    Wer Erzieherin oder Erzieher werden will, muss das erst mal vorfinanzieren, weil es keine Ausbildungsvergütung gibt.

    Die anderen Branchen, die nicht in die Notbetreuung durften? Meine sie die, die Aktenordner hin- und herschieben und die jetzt über die „Kitatanten“ urteilen?

  • 12
    8
    JKONE
    14.05.2020

    Zitat: «Wenn wir alle Vorgaben einhalten wollen, dann sind wir gezwungen, in einem Schichtsystem zu arbeiten. Das funktioniert aber nur so lange, bis einer ausfällt. Dann müssen wir wieder länger arbeiten und Überstunden aufbauen.»

    Wer fragt die Angestellten in den anderen Branchen die Minusstunden fahren mussten, da ihre Kinder nicht in die Notbetreuung durften und diese jetzt durch Überstunden ausgleichen müssen?