Sächsisches Castel Gandolfo kommt unter den Hammer

Die einstige Sommerresidenz hoher katholischer Würdenträger in Sachsen hat einiges zu bieten. Trotzdem will die Kirche sie verkaufen, was schwieriger ist als erwartet.

Schirgiswalde.

Seit 2006 sind die Lichter aus im barocken Sankt-Pius-Haus in Schirgiswalde. 14 Kilometer südlich von Bautzen gelegen, erhebt sich inmitten von 10.800 Quadratmetern Park mit altem Baumbestand die ehemalige Sommerresidenz des katholischen Domkapitels St. Petri zu Bautzen. Idylle, Abgeschiedenheit, Platz für Träume.

Die bislang keiner träumen will, obwohl das Anwesen mit Nebengebäude seit dem Auszug des katholischen Kindergartens in eine ausgebaute Scheune leersteht und die Kirche Käufer sucht, sagt Domdekan Andreas Kutschke. Die dürfte der in Branchenkreisen als viel zu hoch erachtete anfängliche Preis von 465.000 Euro angesichts der Lage und des sanierungsbedürftigen Zustands abgeschreckt haben.

Der Putz bröckelt, das Mauerwerk ist in Bodennähe feucht, an den Holzkastendoppelfenstern schlägt die Farbe Blasen. "Das ist ein Liebhaber- und kein Spekulationsobjekt, für das es eine durchdachte Nutzung braucht", so der zuständige Repräsentant der Deutschen Grundstücksauktionen AG, Günter Thielicke, beim Rundgang durchs Gebäude. An den Mann oder die Frau bringen konnte er den am Donnerstag in Dresden zur Versteigerung angebotenen Komplex auch für weniger als die Hälfte, nun 195.000 Euro, nicht. Kein Bieter fand sich.

Dass derartige Sommerresidenzen aus der Mode kommen, ist spätestens bekannt, seit Papst Franziskus die seine, Castel Gandolfo unweit von Rom, vor zwei Jahren zum Museum gemacht hat. Auch das Anwesen in Schirgiswalde ist längst keine Sommerfrische mehr. Diente es nach dem Krieg Mitgliedern des Domkapitels und dem damaligen Bischof Petrus Legge noch als Unterkunft, nachdem dessen Bautzener Haus beschossen und zerstört worden war, zog Ende der 1950er-Jahre eine Kirchenmusikschule ein. Nach dem Intermezzo eines Fürsorgeheims für Frauen und Mädchen und dem Umzug des Domkapitels von Bautzen nach Dresden brachte seit 1982 der Kindergarten Leben in das um 1700 errichtete, dreistöckige, unter Denkmalschutz stehende Haus mit wuchtigen Gewölben im Erdgeschoss und Resten der einstigen Kapelle, Stuckdecken weiter oben und einer Besonderheit von überregionaler Bedeutung, sagt Veronika Paul. Sie ist beim Domkapitel für Bauangelegenheiten zuständig.

Laurenz Tammer, viele Jahre Pfarrer in Zwickau, der in Schirgiswalde aufwuchs, kennt diese nur zu gut. Er gehörte als Kind einem Chor an, mit dem die Musikschüler im Haus das Dirigieren übten. "Als die Hauskapelle damals erneuert wurde, fand die Heilige Messe vorübergehend in einem der Tapetenzimmer statt", erinnert sich der 64-Jährige. Zwei Räume sind überreich mit in den 1820er-Jahren in französischen Manufakturen gedruckten Bildtapeten ausgekleidet, ein weiterer mit Architekturtapete unbekannter Herkunft. "Da gab es für mich als Ministranten was zu gucken während der Messe. Man musste achtgeben, den Ablauf der Liturgie nicht zu verpassen", sagt Tammer schmunzelnd.

Die Tapeten müssen erhalten werden, heißt es vom Denkmalschutz. Wegen mancher Schäden werden sie im Mittelzimmer mit farbigen Szenen von der Landnahme der Europäer in Südamerika, die Segelschiffe, Dschungel und Plantagen voller Indianer zeigen, schon mit Stützen an den Wänden gehalten. Dass sich bislang kein Käufer gefunden hat, "ist sehr schade", so Domdekan Kutschke. Er hofft nun auf die heute Mittag in einem Leipziger Hotel stattfindende zweite Versteigerung und die Nachverkaufszeit, während der sich Interessenten weiter melden können.

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