Uni Dresden will für Sachsen ein Landärzte-Studium entwickeln

Eine Förderung des Modellstudienganges ist in Berlin bereits beantragt. Auch die Region Chemnitz soll davon profitieren.

Dresden/Chemnitz.

Die Technische Universität Dresden plant einen neuen Modellstudiengang für Landärzte. Das bestätigte das sächsische Sozialministerium. Die Medizinische Fakultät der TU Dresden will demnach einen Studiengang für einen Zweitstandort am Klinikum Chemnitz entwickeln. Dort solle ein Teil der Studierenden im Studiengang Humanmedizin die Ausbildung absolvieren können, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Das Haus hatte zuvor dem Landtagsabgeordneten André Wendt (AfD) auf eine Kleine Anfrage mitgeteilt, dass die Universität bereits eine entsprechende Förderung für die Konzeptentwicklung des Studiengangs beim Bundesgesundheitsministerium beantragt hat.

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) lobt die Bemühungen der Universität, einen zweiten Standort in Chemnitz zu etablieren: "Ich begrüße außerordentlich, dass neue Ideen entwickelt werden, um die medizinische Versorgung im Freistaat Sachsen zu sichern", sagte sie der "Freien Presse". "Gerade die Sicherstellung mit Allgemeinmedizinern im ländlichen Raum ist eine der großen Herausforderungen." Die TU Dresden ließ eine Anfrage zum Thema unbeantwortet.

Das Chemnitzer Krankenhaus ist mit einer Kapazität von 1735 Betten an drei Standorten in Chemnitz sowie in Schneeberg die größte Klinik in kommunaler Trägerschaft in Ostdeutschland. Ende 2013 wurde die Einrichtung als erste nichtuniversitäre Einrichtung in Sachsen zum Krankenhaus der Maximalversorgung hochgestuft.

Der Ärztemangel ist seit Jahren ein Thema im Freistaat. Seit dem Jahr 2002 hat die Anzahl der Hausärzte abgenommen. Waren es vor 16 Jahren noch etwas mehr 53.200, praktizierten im vergangenen Jahr etwas über 49.000 Mediziner in diesem Bereich. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen bilanzierte deswegen im Frühjahr, dass über 250 Hausärzte fehlten. In über 22 Regionen - beispielsweise in Annaberg-Buchholz, in Oelsnitz, aber auch in Städten wie Chemnitz und Plauen - drohe eine medizinische Unterversorgung.

An den beiden Medizinischen Fakultäten Dresden und Leipzig werden derzeit pro Jahr 560 Studenten zugelassen. Gegenwärtig entscheiden sich pro Jahr aber gerade einmal 30 junge Mediziner für eine Weiterbildung zum Allgemeinmediziner.

Der Freistaat hat deswegen bereits im Jahr 2008 ein Stipendium für Medizinstudenten ins Leben gerufen, wenn sie sich verpflichten, nach ihrem Studium im ländlichen Raum niederzulassen. Mittlerweile können Studenten 1000 Euro pro Monat erhalten. Trotzdem hat diese Förderung bisher nur wenig konkrete Effekte im Kampf gegen den Ärztemangel gehabt. Im vergangenen Jahr haben die ersten fünf Ärzte ihre Arbeit aufgenommen, die über das Programm unterstützt wurden.

Ein spezieller Studiengang für Landärzte in Dresden und Chemnitz könnte in Sachsen zudem die Debatte um eine Landarztquote beenden, wie sie in Nordrhein-Westfalen bereits eingeführt wurde. Dort bekommt derjenige leichter einen Medizin-Studienplatz, der danach auf dem Land arbeiten möchte. Die Landesärztekammer Sachsen lehnt eine solche Lösung allerdings ab, da die Quoten-Studenten gegenüber anderen Studierenden "diskriminiert" werden könnten.

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