Vier Museen mit Schaufenster auf Schloss Freudenstein

Sie verdanken ihre Existenz einer einzigen Frau. Deren Sammelleidenschaft hat nun zu einer besonderen Kooperation angeregt.

Freiberg.

Zwischen 2008 und 2012 öffneten in Freiberg, Annaberg-Buchholz und Gelenau vier große Dauerausstellungen, die durch die Sammelleidenschaft einer einzigen Frau möglich wurden: der Schweizer Mäzenin Erika Pohl-Ströher. "Nicht nur die Sammelleidenschaft dieser Frau ist einmalig. Es ist auch einmalig in der Welt, dass auf diese Weise vier verschiedene Museen innerhalb einer Region entstanden sind", sagte die Leiterin der Terra mineralia in Freiberg, Anna Dziwetzki. Seit gestern gibt es eine weitere Besonderheit. Die vier Häuser arbeiten so eng zusammen, wie es museale Einrichtungen bisher kaum tun.

Bilateral wurde das in der Vergangenheit schon probiert, nun soll die Kooperation Standard werden. Profitieren sollen alle Partner: neben der Terra mineralia mit ihrer weltweit einmaligen, 3500 Mineralien umfassenden Sammlung auch das benachbarte Krügerhaus in Freiberg mit etwa 1000 Mineralien aus Deutschland, die Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz mit etwa 1000 Volkskunst- und Holzspielzeugexponaten sowie das seit 2010 zeitweise zugängliche Depot für weiteres Sammlungsgut von Erika Pohl-Ströher und auch aus Privathand in Gelenau (Erzgebirge).

Neben der Freude über ihre stetig wachsenden Bestände, die gar nicht alle gezeigt werden können, plagt die Museen die Frage, wie sie auf Dauer für Besucher attraktiv bleiben können. In allen Häusern gab es im ersten Jahr nach Eröffnung einen Massenansturm, der danach deutlich abebbte. In der Manufaktur der Träume hat sich die Zahl von anfangs mehr als 80.000 Gästen etwa halbiert. Für die Terra mineralia und das Krügerhaus nennt Dziwetzki für 2014 zusammen knapp 100.000 Besucher. Allein in den ersten vier Monaten nach Eröffnung kamen 93.000 Neugierige. Im Depot in Gelenau waren die Rückgänge im Vergleich dazu minimal, wahrscheinlich weil es ohnehin nur in der Weihnachtszeit und zu Ostern seine Türen öffnet. Dann konnte es aber immer mit neuen Ausstellungsbereichen und Sammlungen aufwarten. "Wir sammeln nur, machen keine wissenschaftliche Arbeit und haben in der ehemaligen Strumpffabrik auch weiterhin genug Raum für ständig wechselnde und wachsende Präsentationen", sagt Leiter Michael Schuster.

Ein paar ganz wenige Exponate aus seinem Depot - wie auch aus der Manufaktur der Träume und aus dem Krügerhaus - finden sich seit gestern im Foyer der Terra mineralia wieder. Dort wurden jene Vitrinen, die bisher als "Fenster der Wissenschaft" der Bergakademie vorbehalten waren, so umgestaltet, dass hier nun die vier kooperierenden Einrichtungen eine Art Schaufenster erhielten. Mit dem wollen sie auf sich neugierig machen.

"Die Häuser dürfen sich nicht als Konkurrenten sehen, sondern können sich mit den unterschiedlichen Ansätzen der Sammlerin und der Präsentation bestens ergänzen", meint Gabriele Lorenz, Kulturmanagerin von Annaberg-Buchholz. Sie könne sich für die Zukunft Tages- oder auch Wochenendtouren vorstellen, die man Reiseveranstaltern anbieten werde. Daneben wird der Austausch von Leihgaben zum Beispiel für Sonderschauen weiter forciert. Damit erhalten auch sehenswerte Dinge aus den Depots Öffentlichkeit. Erste gute Erfahrungen gab es anlässlich der 850-Jahr-Feier von Freiberg, für die das Depot in Gelenau einen sogenannten mechanischen Bergwerkschrank nach Schloss Freudenstein brachte.

Im Foyer der Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz und auch in Gelenau werden großflächige Plakate auf die Mineraliensammlungen in Freiberg hinweisen. Flyer und anderes Informationsmaterial über alle Pohl-Ströher-Sammlungen in der Region liegen bereits überall aus. "Ich bin davon überzeugt, dass es noch ein großes Besucherpotenzial gibt", sagt Jörg Bräuer, Kurator der Sammlung in Annaberg-Buchholz. Er erwartet 2015 den 250.000. Besucher. "Bei 350.000 Einwohnern im Erzgebirge heißt das, dass noch nicht mal jeder Hiesige bei uns war." Zumal mehr als die Hälfte seiner Gäste nicht mal aus Sachsen kam.

Die Museumskarte

Wer eines der Museen besucht hat, kann mit dem Ticket in den anderen drei Häusern kräftig sparen. Die Terra mineralia und das Krügerhaus lassen Besucher dann zum halben Preis ein, statt 8 bzw. 6 Euro sind nur 4 Euro bzw. 3 Euro (Erwachsene) fällig. In der Manufaktur der Träume zahlen Erwachsene statt 7 nur 5,50 Euro, im Depot in Gelenau gibt es auf alle Tickets fünf Prozent Rabatt. Sie sind überall unbegrenzt gültig. (gt)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...