Züge in Sachsen bekommen W-Lan - aber nicht überall

Während Reisende im mitteldeutschen S-Bahn-Netz und auf der Chemnitz-Leipzig-Linie schon bald kostenlos online surfen können, gibt es auf anderen wichtigen Strecken nicht mal einen Zeitplan.

Chemnitz.

In ICE-Zügen können sich Reisende in das bordeigene W-Lan-Netz einloggen, in Fernbussen gehört es ebenfalls zum Standard. Inzwischen bekommen aber auch immer öfter Nahverkehrszüge einen Anschluss. "Das ist im Kommen, bundesweit", schätzt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn ein. Die Verkehrsverbünde, die den Nahverkehr bestellen, hätten erkannt, dass sie etwas tun müssen. Auch in Sachsen scheint es voranzugehen - jedoch nicht überall in gleichem Maße.

Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) etwa, der für den Nahverkehr im Großraum Dresden und in Teilen Ostsachsens zuständig ist, hat man sich zum Ziel gesetzt, flächendeckend die Nahverkehrszüge mit W-Lan auszurüsten - schrittweise. "Das hängt von den Kosten ab. Es muss finanzierbar sein", erklärt VVO-Sprecher Christian Schlemper. Denn Aufrüstung und Betrieb müssen nachträglich in die bestehenden, über Jahre laufenden Verkehrsverträge eingefügt werden. Man sei mit den Bahngesellschaften im Gespräch. Auf zwei Regionalexpresslinien - Dresden-Görlitz und Dresden-Zittau - können die Reisenden bereits W-Lan nutzen. Die Länderbahn, die die Züge unter dem Namen Trilex fährt, bietet den Service seit Mai an. Und auch wenn dort Ende 2019 der Betreiber wechselt, wird sich daran nichts ändern: W-Lan ist Bestandteil des Verkehrsvertrages. Beim VVO findet keine Ausschreibung mehr ohne die Zugangstechnik statt. Bis 2027 sollen alle Linien im VVO-Netz W-Lan-fähig sein.

Auch im Vogtland ist W-Lan in Zügen ein Thema. Der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) hat unlängst einen Grundsatzbeschluss gefasst. "Wir werden das einrichten", kündigt VVV-Chef Thorsten Müller an. Details stehen noch nicht fest. Der Verbund hat aber bereits Ausleuchtungsfahrten durchgeführt, um die Netzabdeckung festzustellen. Man greife dabei auf die Erfahrungen beim Trilex zurück, sagt Müller. Die Vogtlandbahn gehört ebenfalls zur Länderbahn. In den Trilex-Zügen wird die Verbindung nicht nur über einen Mobilfunkprovider aufgebaut, sondern es werden mehrere Provider zu einem Tunnel gebündelt. Hat einer ein Funkloch, sinkt vielleicht die Bandbreite etwas, die Verbindung bleibt aber bestehen.

Auf die Tube gedrückt wird beim Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). Für einzelne Regionalbahnen wie Leipzig-Geithain und Leipzig-Döbeln gibt es laut ZVNL-Chef Oliver Mietzsch zwar keine W-Lan-Pläne. Doch die Zugflotte des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes soll bereits 2019 aufgerüstet sein. "Wir sollten zügig beginnen", sagt Mietzsch. Weil aber die S-Bahn-Linien durch mehrere Verbundgebiete und Bundesländer führen, ist der ZVNL darauf angewiesen, dass sich die Partner an der Finanzierung beteiligen. Mietzsch zufolge liegen Zusagen aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und vom Dresdner VVO vor. Eine fehlt aber noch: die des Verkehrsbundes Mittelsachsen (VMS). Die S-Bahn-Linien S5 und S5X führen durch den Landkreis Zwickau und damit VMS-Gebiet. Mietzsch wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Beim VMS hieß es, zu einer Mitfinanzierung gebe es "noch keine abschließende Entscheidung".

Im Gegensatz zu anderen Verbünden existieren beim VMS bislang keine konkreten Pläne für den W-Lan-Betrieb in den Zügen. Lediglich die ab Jahresende neu eingesetzten gebrauchten Wagen auf der Strecke Chemnitz-Leipzig sollen W-Lan-fähig sein. Es gebe aber auch selbst dafür noch keinen Zeitplan, schreibt der Zweckverband, der etwa für die Linien Dresden-Chemnitz-Hof und Chemnitz-Elsterwerda federführend zuständig ist. Es sollen jedoch auf allen Strecken Funknetz-Ausleuchtungsfahrten durchgeführt werden. Zudem werde eine Kostenschätzung vorbereitet. Gerechnet wird mit einem Euro je zurückgelegtem Kilometer. Es sei aber auch auf längere Sicht vor allem im Erzgebirge und in Teilen Mittelsachsens nicht möglich, flächendeckendes W-Lan anzubieten, da dies die Funkabdeckung etwa im Zschopau-, Flöha- und Muldental nicht zulasse.

Pro-Bahn-Sprecher Naumann sieht hier die Politik gefordert. Die Netzbetreiber selbst hätten wenig Interesse daran, die Netzabdeckung in manchen ländlichen Regionen entlang der Schiene auszubauen. Das lohne sich finanziell nicht. "Hier braucht es politischen Druck."

Kommentar: Trend nicht verschlafen

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, lautet ein Sprichwort. Was den Internetzugang per W-Lan in Nahverkehrszügen angeht, ist dieser beim Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) bislang nicht zu spüren. Während andere Verbünde und Landesgesellschaften das Thema entschlossen anpacken und teils schon realisiert haben wie in Sachsen-Anhalt, wo mehr als 60 Wagen mit W-Lan-Anschluss rollen, hat man in Mittelsachsen die Bedeutung offenbar noch nicht erkannt. Klar: Der Hinweis auf Lücken bei der Netzabdeckung ist berechtigt, aber die gibt es woanders auch. Und auch Lösungen, das Problem abzumildern. Die Länderbahn macht es in Ostsachsen vor. Vielleicht braucht der VMS einen Schubs, damit nicht ein wichtiger Trend verschlafen wird. Die Landkreise und die Städte Chemnitz und Zwickau haben es als Verbandsmitglieder in der Hand.

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5Kommentare
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    1
    Zeitungss
    07.08.2018

    @VaterinSorge: Ich bringe gelegentlich das Datum 01.01.1994 in Erinnerung und nehme das als Grenze, was es schon gab und nicht gab. Heute in den Nachrichten, zwischen Leipzig und Grimma fahren Busse wegen Lokführermangel. An frühere Ereignisse dieser Art kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Als Ausglich und Verkürzung der Wartezeit, sollte es wenigstens flächendeckend WLAN geben.
    Die Ansprüche der Menschen haben sich eben geändert, der eigentliche Grund bleibt dabei schon einmal auf der STRECKE, auch im SPNV.

  • 1
    1
    VaterinSorge
    06.08.2018

    Sicherlich wäre es für die Nutzer von Vorteil, wenn es ein komplett einheitliches ÖPNV System geben würde, das möglichst staatlich organisiert und finanziert wird. Aber ganz ehrlich: Das gab es schon, wo es hinführte, muss ich hier nicht weiter beschreiben. Sachsen ist so unterschiedlich in seinen Bedarfen, seinen Strukturen und seinen finanzschwachen und so unterschiedlichen Kommunen, starken und völlig anders gearteten 2 1/2 Oberzentren, dass es gar nicht möglich ist, ein für alle funktionierendes System von heut zu morgen sicher zu stellen. Schauen wir nach Thüringen oder Sachsen-Anhalt, dann funktioniert es dort zwar weites gehend, doch werden dort auch völlig andere Prioritäten gesetzt und der ÖPNV und SPNV gesetzlich geschützt und finanziell völlig anders ausgestattet. Das ist auch nicht das Paradies, denn oft ist das auch mit Sicherheits- oder Bedarfseinbußen verbunden, denn die Kommunen haben die Verantwortung komplett abgegeben. Es sollten aber für alle sächs. Kommunen gerechte Bedingungen geben und eine zentrale Stelle, die dies koordiniert, aktive Verbünde unterstützt und inaktiven, wie dem VMS die Zuschüsse kürzt, bis Herr Dr. Neuhaus wieder auf der Linie ist, wo er für eingestellt ist: Ein Dienstleister den Fahrgästen gegenüber und nicht umgekehrt. Egal ob Schüler, Azubi, Student, Berufstätiger oder Rentner, es sind Fahrgäste und keine Bittsteller. Daher ist das W-Lan so selbstverständlich wie pünktliche, bedarfsgerechte Linien, freundliche und kompetente Busfahrer, Angestellte und Führungskräfte und intakte, moderne Fahrzeuge.

  • 6
    4
    ingoerler
    06.08.2018

    Mir ist wichtiger das die züge pünktlich ankommt bzw. immer fährt als kopf zu machen wegen ein wlan Netz einzubauen. ????

  • 7
    2
    Zeitungss
    06.08.2018

    Herrn J.D. Franke zunächst Dank für seinen Beitrag. Zeigt er doch den erbärmlichen Zustand des Nahverkehrs auf. Wie wäre es mit der Einführung weiterer 5 Verkehrsverbünde, wo jeder sein Süppchen für sich kocht ???? Ein funktionierendes System wurde zerlegt und Kleinstaaterei aufgebaut, wenn man das nicht unter Erfolg verbuchen kann!!! Irgend wann hat auch jeder Verbund seine eigene Spurweite, es gibt demnach noch einige Möglichkeiten um die Attraktivität weiter nach vorn zu bringen. Dem Kunden muss nur noch beigebracht werden, dass es sich um Fortschritt handelt und manche erkennen den auch, die sind allerdings selber im Dienstwagen auf der BAB unterwegs und leiten solche Verbünde.

  • 3
    1
    VaterinSorge
    06.08.2018

    Toller Artikel und richtiger Hinweis an Verkehrsverbünde, Landkreise, Städte und Freistaat, den Trend nicht zu verpassen. Der ÖPNV muss gestärkt und attraktiver werden, da sind Service, Komfort und kostenloses W-LAN wirksame Mittel.



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