Zwönitz, wir haben ein Problem

Warum sich der künftige Kommandant der Internationalen Raumstation am Funkgerät gestern verhaspelt hat

Zwönitz.

Zugegeben - die Explosion 1970 an Bord von Apollo 13 war schlimmer. Dennoch - in der voll besetzten Aula des Matthes-Enderlein-Gymnasiums im erzgebirgischen Zwönitz verwandelten sich am Montag rund 100 erwartungsvolle Mienen binnen zwölf Minuten in hängende Gesichter. "Calling Braunschweig", schallte es zwischen Momenten lauten Rauschens glasklar aus dem Funkgerät auf der Bühne. Braunschweig?

Die neun Schüler der Funkamateurgruppe des Zwönitzer Gymnasiums, die sich im Gänsemarsch vorm Mikro aufgestellt hatten, um ISS-Kommandant in spe, Alexander Gerst, nacheinander Fragen zu stellen, traten von einem Bein aufs andere. Wieso Braunschweig? Das blieb zunächst Gersts Geheimnis.

Eigentlich war am Montag der Platz im Amateurfunkprogramm der Internationalen Raumstation für die Zwönitzer Schüler vorgesehen. Hatte sich Astro-Alex so verhaspelt? Wenn einem, wie auf der ISS, gleich 16-mal am Tag die Sonne aufgeht, kann man schon aus dem Tritt kommen. Laut Nasa-Auskunft hatte Braunschweig erst heute eine geplante Verbindung. Es war schlicht ein falsches Protokoll ausgegeben worden. Mensch Houston!

Die Schüler blieben geduldig, warteten anderthalb Stunden, bis die Raumstation nach einer weiteren Erdumrundung erneut über Europa flog, und versuchten es einfach noch mal. Wieder nichts. "Amateurfunk ist eben Experimentalfunk. So was kann passieren", erklärte der Leiter der Funkarbeitsgruppe, Heiko Meier. "Das Kuriose ist nur, dass es heute Raumfahrer-Profis passiert ist." Zumindest hat Meier Hoffnung, dass Zwönitz von der Nasa nun schnell einen neuen Funkplatz bekommt. Auf den muss man schließlich sonst Monate warten. Eine Mutter in der Aula nahm es mit Humor. Wann erlebt man schon mal eine komplette Erdumrundung der ISS am Bildschirm. "Anderthalb Stunden - einmal bis zum Edeka und zurück", überlegte sie. Zeit und Raum sind eben relativ.

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