Flügelflitzer will Chance nutzen

Orrin McKinze Gaines II, Neuzugang beim Fußball-Drittligisten FSV Zwickau, möchte so schnell wie möglich spielen. Coach Joe Enochs lauert jedoch auf den richtigen Moment.

Zwickau.

Vor einer Woche steckte Orrin McKinze Gaines II noch in einem Dilemma. Die Konkurrenz im Angriff des Zweitligisten SV Darmstadt 98 war mit der Verpflichtung des Ex-Auers Sören Bertram noch größer geworden. Orrins Hoffnungen auf einen zeitnahen Einsatz waren dahin. Da kam das Zwickauer Interesse zur rechten Zeit. "Ich bin ein Typ, der unbedingt spielen will. Nur so komme ich weiter. Deshalb musste ich nicht lange überlegen, als mich der FSV wollte", betont der 20-jährige Flügelflitzer.

Joe Enochs, dessen Team am Montagabend (19 Uhr) Eintracht Braunschweig empfängt, hat seinen amerikanischen Landsmann schon seit Sommer 2016 auf dem Schirm. "Damals war Orrin gerade zur U 19 des VfL Wolfsburg gewechselt. Er ist pfeilschnell und zielstrebig. Er arbeitet taktisch gut gegen den Ball und ist lernwillig", preist der FSV-Coach die Vorzüge seines in Austin (Texas) geborenen neuen Schützlings.

Orrin McKinze Gaines II - die römische Ziffer steht deshalb im Namen, weil sein Vater auch den Vornamen Orrin trägt - hat sich schnell in Zwickau eingelebt. "Ich wurde sehr gut aufgenommen. Ich will die Chance beim FSV nutzen, um mich im deutschen Profifußball durchzusetzen. Europa und vor allem Deutschland waren immer mein Traumziel", sagt Gaines, der als Vierjähriger beim Ausbildungsverein Forza Sports Academy mit dem Fußballspielen begann und später für Lonestar SC Austin auf Torejagd ging. Dort spielt heute noch sein sechzehnjähriger Bruder Julian.

2012 debütierte Gaines in der U-15-Nationalmannschaft der USA. Drei Jahre später rückte er in die U 17 auf und wurde zudem zum besten Nachwuchsspieler der "High-School-All-American" gewählt. In der amerikanischen U 17 stürmte er auch neben Haji Wright der inzwischen beim Bundesligisten FC Schalke 04 aufläuft. Mit dem Wechsel in die U 19 des VfL Wolfsburg begann ein neues Kapitel. Gaines schlug sofort ein, absolvierte im ersten Jahr 22 Punktspiele in der A-Junioren-Bundesliga (sieben Tore und neun Vorlagen).

Im Sommer 2017 holte ihn der Trainer Torsten Frings nach Darmstadt, wo er es auf ein Spiel im DFB-Pokal und zwei Einsätze in der Zweiten Liga brachte. In der laufenden Saison kam Gaines noch nicht zum Zug. "Nur Training und Freundschaftsspiele allein reichen nicht, wenn ich weiterkommen will", unterstreicht der Texaner noch einmal, weshalb er dem Ruf von Joe Enochs folgte.

Für den aktuellen Darmstadt-Trainer Dirk Schuster, der in Karl-Marx-Stadt geboren wurde und selbst einmal ein Jahr in Zwickau spielte, ist es wichtig, dass Gaines beim FSV Spielpraxis bekommt: "Aufgrund der angespannten Punktesituation im Herbst war es nicht möglich, den pfeilschnellen jungen Stürmer einfach ins Spiel zu werfen. Wir wünschen Orrin viel Erfolg mit Zwickau, dass er viel Spielpraxis bekommt, sich dabei weiterentwickelt, und werden seine Leihe aufmerksam verfolgen."

Für Joe Enochs ist Orrin McKinze Gaines II "ein Spieler, der sehr gut zu uns passt". "Er ist sehr hungrig und will spielen. Gerade auf großen Plätzen kann er bei unserer Spielweise seine enorme Geschwindigkeit ausspielen. Er wird vielleicht der schnellste Spieler der Dritten Liga." Enochs warnt aber davor, seinen Landsmann sofort unter einen zu hohen Erwartungsdruck zu setzen. Der Junge sei zwanzig und ohne Spielpraxis gekommen. Der FSV-Trainer muss nun das richtige Maß finden. "Wir müssen etwas Geduld mit ihm haben, es muss aber auch ein Prozess sein, der etwas schneller geht als üblich, weil Orrin nur fünf Monate bei uns ist", so Enochs, der den richtigen Moment abwarten will, um Gaines ins Spiel zu werfen. Am guten Willen soll es nicht liegen: "Ich bin bereit, an mein Limit zu gehen, und will dem FSV beim Klassenerhalt helfen." Sein erstes Ziel: Er will den Sprung in den 18-Mann-Kader für das Braunschweig-Spiel schaffen.

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