Alleinlebende trifft neue Müllgebühr hart

80 Prozent teurer? Eine Treuenerin bohrt immer wieder im Abfallamt nach, die Antworten bleiben dürftig. Spätestens 2020 wird es Klarheit geben.

Plauen/Treuen.

Wie wird sich das neue Abfallwirtschaftssystem des Vogtlandkreises für die Menschen finanziell auswirken? Bei dieser Frage ziehen die Verantwortlichen im Kreis ihre Köpfe ein. Sicher ist: Die Grundgebühr von 69 Euro je Wohnung - unabhängig davon, ob dort eine, drei oder acht Personen leben - wird Single-Haushalte stärker belasten. Immerhin sind das 37 Prozent aller Haushalte. Wie schwer sich die Kreisbehörde mit belastbaren Aussagen tut, zeigt ein Beispiel.

Wortmeldung aus Treuen: Regina Bartusch reagiert im Februar 2019 auf die Debatte um die Probleme bei Einführung der neuen Abfall- und Abfallgebührensatzung im Vogtlandkreis mit einem Leserbrief an die "Freie Presse". Die Treuenerin hat alles durchgerechnet und festgestellt: Für Ein-Personen-Haushalte wird's deutlich teurer. Sie kommt angesichts hoher Grund- und vergleichsweise niedriger Mengengebühren zum Schluss: "Ich werde animiert, jede Menge Müll zu produzieren." Monatelange Korrespondenz mit Landrat Rolf Keil (CDU) und dem Innenministerium in Dresden habe nichts gebracht außer wortreichen Verweisen auf Gesetze, Verfassung und zulässige Handlungsspielräume. Doch wenn 2020 die Nebenkostenabrechnungen ins Haus flattern, wird der Ärger viele Vogtländer erreichen, vermutet die 74-Jährige.


Erwiderung aus Auerbach: Ein Leserbriefschreiber aus Auerbach hält entgegen, trotz organisatorischer Pannen im Abfallamt und Verärgerung bei den Bürgern sei die Kritik teilweise nicht nachvollziehbar. Wer etwa Bioabfall selbst kompostieren will, kann sich von der Biotonne befreien lassen. Und die Festgebühr je Haushalt statt je Person zu erheben, sei völlig korrekt.

Wie war das mit der Biotonne? Nicht jeder kann die Biotonne abwählen, stellt Regina Bartusch per neuem Leserbrief klar. Ein-Personen-Haushalte ohne Grundstück von mindestens 25 Quadratmeter Größe sind laut Satzung verpflichtet, sechs Bio- und vier Restmülltonnen abzurechnen. Mindestens. Ein Vorteil für Familien und Hausbesitzer mit Garten, doch es treffe Singles in Wohnungen. Bislang zahlte sie 43,60 Euro Grundgebühr pro Jahr und 9 Euro verbrauchsabhängig. Künftig seien 69 Euro Grundgebühr und mindestens 26,16 Euro für Leerungen fällig, rechnet die Treuenerin vor. Statt 52,60 Euro künftig mindestens 95,16 Euro: Das wäre in ihrem Fall ein Anstieg um 80 Prozent.

Anfrage ans Landratsamt: Bislang wurde über künftige Müllgebühren viel gemutmaßt, doch hier wird es konkret. Die "Freie Presse" sendet daher eine Anfrage mit Regina Bartuschs Fall ans Landratsamt - mit der Bitte zu prüfen, ob die Rechnung so aufgeht.

An der Frage vorbei geantwortet: Die Kreisbehörde antwortet mit einem Beispielfall für ein Grundstück mit nur einer Wohnung und zwei Personen: Dort fallen 69 Euro Festgebühr, 1,92 und 1,44 Euro für die Bereitstellungsgebühren der Restabfall- und Biotonne, 12 Euro Leerungsgebühr für Restmüll und 10,80 Euro für Leerung der Biotonne an. Macht unterm Strich 95,16 Euro. Wie es sich bei mehreren Wohnungen rechnet und ob der Vermieter die Kosten nach Wohnfläche oder pro Kopf berechnet, wirkt sich jeweils aus. "Wie hoch die Gebührenumlage ausfällt, lässt sich nicht sagen", heißt es aus dem Landratsamt.

Konkreter Fall - konkrete Frage: Nach Rückfrage mit Regina Bartusch sendet die "Freie Presse" erneut eine Anfrage ans Landratsamt und reicht die konkreten Daten des Treuener Wohngebäudes nach. In jenem Mietshaus gibt es sechs jeweils 58,8 Quadratmeter große Wohnungen. In einer wohnen zwei Personen, in allen anderen jeweils eine. Keiner der Mieter hat ein Grundstück am Haus.

Verweis auf Rechenbeispiele: Das Landratsamt antwortet, es "kann und darf nur die Gebührenbelastung für ein Grundstück ermitteln". Umlagen nach Personen, Wohnfläche oder anderen Maßstäben zu berechnen, sei Aufgabe der Grundstückseigentümer. Die Kreisbehörde verweist auf Rechenbeispiele, die in der Broschüre "Neue Abfallwirtschaft 2019" und auf der Homepage des Vogtlandkreises dargestellt sind.

Nachtrag: Die auf der Internetseite des Kreises vorgelegten sechs Rechenbeispiele betreffen ein Einfamilienhaus, drei Mehrfamilienhäuser, ein Wohn- und Geschäftshaus sowie einen Gewerbebetrieb. In allen Beispielen ist dargestellt, wie sich die Einnahmen des Kreises zusammensetzen. Wie stark die einzelnen Gebührenzahler zur Kasse gebeten werden, bleibt offen. Das müsste jeder für sich ausrechnen. Auf Ein-Personen-Haushalte wird dort nicht näher eingegangen. Regina Bartusch und allen anderen Gebührenzahlern bleibt jetzt nur eines: abwarten. www.freiepresse.de/abfallwirtschaft

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