Brückenbau ins Nachbarland

Gäste aus Reumtengrüns künftiger Partnergemeinde Svoboda in Nordböhmen haben zur Kirmes am Wochenende erste persönliche Kontakte geknüpft.

Reumtengrün.

Es ist geschafft: Nach einem halben Jahr Vorbereitung sind am Wochenende erstmals Gäste aus der künftigen tschechischen Partnergemeinde Svoboda eingetroffen. Das Datum war sorgsam gewählt: Die siebenköpfige Delegation reiste zur Kirmes-Eröffnung am Freitagabend an und blieb bis Sonntag. Dazwischen lagen eine Ortsbesichtigung, ein Stadtrundgang in Auerbach und ein Weinfest-Besuch beim Heimatverein.

Kaum richtig angelangt, kam für Svobodas Bürgermeister Jiri Spetla schon der Hammer: Ortsvorsteher Uwe Ebert überreichte ihm das Werkzeug für den Fassanstich. Nach drei zielsicheren Schlägen floss das Bier. Obwohl die kleine Gruppe einen Dolmetscher mitbrachte, ließ es sich Ebert nicht nehmen, einige tschechische Grußworte einzuflechten.

Vorbereitungen hatte auch Pfarrer Johannes Kaufmann von der Kirchgemeinde Rebesgrün/Reumtengrün getroffen. Auf Tschechisch und Deutsch erzählte er, was ihn mit dem Riesengebirge verbindet. Svoboda mit seinen knapp 2100 Einwohnern liegt an dessen östlichen Ausläufern. Die Verbindung bestehe schon länger, erzählte Pfarrer Kaufmann. Der Anlass für seine erste Reise vor etwa 40 Jahren war sportlicher Natur. Damals startete er dort bei einem 70-Kilometer-Mannschaftslauf.

Sportlich wird es beim Gegenbesuch der Reumtengrüner im kommenden Jahr möglicherweise auch zugehen. Weil die Gastgeber das zeitige Frühjahr ins Auge gefasst haben, bot Svobodas Bürgermeister ein Gaudi-Skirennen als Rahmenveranstaltung an. Bei einer kleineren Delegation wird es dann wohl nicht bleiben. Denn es ging auch ein Angebot an den Auerbacher Skisportverein, beim Rennen zu starten. Reumtengrün wird wohl zum Familienfest im Spätsommer wieder Besuch aus Böhmen bekommen. Vielleicht mit einer böhmischen Blaskapelle. Die steht weit oben auf Uwe Eberts Wunschliste.

Vom Reumtengrüner Bürgermeister ging die Partnerschafts-Initiative aus. Schließlich gibt es im Ort einen Einwohner, der enge Beziehungen zu der 500 Kilometer entfernten Gemeinde mit dem deutschen Namen Freiheit pflegt: Herbert Gall vom Bund der Vertriebenen gehörte zu jenen deutschen Einwohnern, die 1945 ihrer Heimat beraubt wurden. Da war er sieben Jahre alt.

Herbert Gall findet die Austausch-Idee klasse und vermittelte zwischen beiden Gemeinden. Denn zu den Aufgaben des Bundes der Vertriebenen gehöre eine gemeinsame grenzüberschreitende Geschichtsaufarbeitung, betonte er. Und die werde jetzt praktiziert. Genauso denkt Jiri Spetla. Er hatte früher in Österreich als Monteur gearbeitet, spricht und versteht also etwas Deutsch. Sein erster Eindruck am Freitagabend: "Die Leute sind hier sehr offen und freundlich."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...