Die Atmosphäre färbt die Sonne gelb ein

Gäste des Astronomietages haben in Rodewisch Himmelskörper beobachtet. Dabei gab es Interessantes zum Zentralgestirn.

Rodewisch.

Fünf Teleskope standen am Samstagnachmittag auf dem Dach der Rodewischer Sternwarte. Alle waren zur Sonne ausgerichtet und hatten den 150 Millionen Kilometer entfernten Stern in scheinbar greifbare Nähe gerückt. Viele Besucher machten zum bundesweiten Astronomietag für Amateure von der Gelegenheit Gebrauch, manche blieben bis zum Abend. Auch dann gab es einiges zu sehen. Wenn auch nicht so viel wie sonst, so Sternwartenchef Olaf Graf.

"Momentan haben wir leider keine sehr attraktiven Objekte am Abendhimmel. Keinen Mond, keine spektakulären Planeten außer dem Mars, vielleicht einige Doppelsterne und den Orionnebel", sagte der Hausherr. Deshalb organisierte er die zusätzliche Sonnenbeobachtung am Spätnachmittag. Aber auch da mussten er und seine Gäste Abstriche machen. "Wir befinden uns gerade in einem Sonnenflecken-Minimum", erklärte Graf. Was den Besuchern draußen vorenthalten blieb, kompensierten er und drei Mitarbeiter mit Vorträgen zum Frühlingssternhimmel und der Show "Europas Weg zu den Sternen". Einer von ihnen ist der jüngste ehrenamtlich in der Sternwarte Beschäftigte. Danilo Janisch hat sich vor anderthalb Jahren ein Teleskop zugelegt. Ihn faszinieren nicht nur Astronomietechnik und Planeten. "Ich finde es auch interessant, wie groß das Universum ist", sagte der 14-Jährige.

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Bei Sonnenbeobachtungen war Beeilen angesagt. Denn nach maximal fünf Minuten war der Stern von der Bildfläche verschwunden und die mobilen Teleskope mussten neu ausgerichtet werden. Sabine und Carsten Lehmann kamen extra aus Plauen mit ihren Enkeln nach Rodewisch. "Die Sonne ist ganz langweilig heute", meinte Physiker Carsten Lehmann. Den Blick durch die Linse fanden Victor (8) und Theodor (6) trotzdem spannend. Bei Fragen konnten sie sich auch an ihren Opa wenden. "Mein Mann kennt jedes Sternbild", sagte Sabine Lehmann. Sie selbst hatte für die Sonne eine praktische Beschreibung. "Das sieht aus wie eine Orange am Himmel."

Bei Experimenten an einer alten, mit Spiegelfolie beklebten Satellitenschüssel führten Mitarbeiter vor, wie viel Kraft im strahlenden Energieversorger steckt. "Die Schüssel lag kurz im Auto in der Sonne, und das hat schon gereicht, um einen braunen Fleck am Autodach zu produzieren", so Graf. "Mit den Experimenten wollen wir auch Leute dafür sensibilisieren, dass Sonnenbeobachtungen Profis überlassen werden sollten und nicht ungeschützt in die Sonne geguckt werden darf", sagte er. Ins Staunen kamen die Zuhörer, als Graf von einer ungeahnten Tatsache berichtete: "Eigentlich ist die Sonne grün." Gelblich erscheine sie durch die Einwirkung der Erdatmosphäre. "Von der Sonne kommen aber alle Farben. Das Maximum liegt im grünen Spektralbereich."

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