Dienstpflicht soll Wehren Nachwuchs sichern

Die Freiwilligen Feuerwehren im Vogtland verlieren pro Jahr etwa 50 Kameraden. Bei einem Austausch mit Politikern haben sie nach Gründen und Gegenmaßnahmen gesucht.

Ellefeld.

Nachrücker fehlen, die Anerkennung in der Bevölkerung lässt zu wünschen übrig. Und weil Lücken in den Reihen klaffen, ist es um die Tageseinsatzbereitschaft wochentags schlecht bestellt. Wie gegensteuern, wenn vogtländische Feuerwehren pro Jahr 40 bis 60 Mitglieder verlieren? Über diese Probleme macht sich der Kreisfeuerwehrverband Vogtland nicht erst seit heute Gedanken. Auf der Suche nach Lösungen setzten sich diese Woche Vertreter von denen, die feuerwehrpolitische Entscheidungen auf Landesebene treffen, und denen, die das regional umsetzen, in Ellefeld an einen Tisch.

Obwohl es sich bereits um die vierte Diskussionsrunde "Dialog - Feuerwehren im Vogtland" handelte und eine Arbeitsgruppe Feuerwehr 2020 existiert, sind einige Baustellen die gleichen wie am Anfang. Zwar verfügen mit Abstand die meisten Wehren im Kreis über eigene Kinder- und Jugendabteilungen. Aber man wünscht sich mehr Zuspruch und benötigt unbedingt mehr Zulauf. Potenzielle Mitstreiter lassen sich offensichtlich nur schwer aus der Reserve locken. Mit Blick auf ein Informationsblatt, von dem sich die Kameraden in Grünbach Erfolg erhofften, zog Ex-Wehrleiter Thomas Geigenmüller ernüchternde Bilanz. "Aus Grünbacher Sicht kann ich sagen, das bringt es nicht", erklärte er.

Von Desinteresse berichteten viele. "Wir werden zu wenig bis gar nicht wahrgenommen", klagte Jens Jacob, Stadtwehrleiter aus Oelsnitz. "Und wenn, dann häufig falsch." Man vermisse in der Öffentlichkeit zunehmend ein Bewusstsein für Feuerwehrbelange und die Unverzichtbarkeit dieses Ehrenamtes.

Eine Forderung lautet, Bildungseinrichtungen verstärkt ins Boot zu holen, also ein Netzwerk aus Feuerwehr, Schulen und auch Eltern zu bilden. Projektarbeit könne da der Ansatzpunkt sein, fand Jens Jacob. "Etwas, wo sich die Schüler hineindenken müssen." Andere spannen den Gedanken noch weiter.

"Wie wäre es, wenn wir zum alten System zurückkehren?" fragte Sören Voigt, CDU-Landtagsabgeordneter aus Falkenstein und Dialog-Mitinitiator. Soll heißen: zurück zur Wehrpflicht. "Wir geben eine Menge Geld aus, brauchen aber auch Leute, die Dienst leisten", sagte er. Erst vor kurzem stockte Sachsen sein Förderbudget von 21 auf 40 Millionen Euro jährlich für Feuerwehr-Ausrüstung auf. Der Vogtlandkreis bekommt davon 2,6 Millionen Euro.

Günther Schneider, Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, fand den Vorschlag alles andere als abwegig. "Wir brauchen eine allgemeine Dienstpflicht", sagte er. "Junge Leute müssen daran erinnert werden, dass sie nicht allein sind auf der Welt." Er riet auch zu Doppelmitgliedschaften bei Feuerwehrleuten, die auswärts arbeiten, und zu Kooperationen zwischen den Kommunen. Allerdings müssen dann auch Arbeitgeber mitziehen - und die betreffenden Kameraden der Mehrfachbelastung zustimmen.

Günther Schneider kündigte an, Handlungsempfehlungen aufzusetzen und an den Kreisfeuerwehrverband weiterzuleiten. Sie sollen Eingang in das sächsische Brand-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz finden. Dessen Überarbeitung ist für 2019 vorgesehen.

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