Drei Hinweise zum Rätsel um Ärztin

Im Fall der Medizinerin Lotte Hoffmann, deren Dokumente in Oberlauterbach aufgetaucht sind, haben sich einstige Kollegen und eine frühere Nachbarin gemeldet.

Grünbach/Oberlauterbach.

Die Falkensteinerin Renate Wittig (85) denkt gern an Landärztin Lotte Hoffmann zurück: "Sie war eine gute Chefin, wir hatten eine sehr, sehr schöne Zeit", sagt die ehemalige Sprechstundenhilfe. Von 1951 bis 1954 hat sie in der Grünbacher Praxis der Ärztin gearbeitet. Lotte Hoffmann sei nach kurzer Ehe geschieden gewesen und habe deshalb ihren Mädchennamen wieder angenommen. "Sie hat mich in vieles eingeweiht und mich auch Sachen machen lassen, die ich eigentlich gar nicht hätte machen dürfen - so habe ich viel gelernt", erinnert sich Renate Wittig.

Jens Reiher, neuer Besitzer des Gutsverwalterhauses in Oberlauterbach, hatte den Studentenausweis von Lotte Hoffmann in einem alten Schrank entdeckt. Dieser war ausgestellt von der Uni Marburg in den 1920er-Jahren. Außerdem lag dort der Ausweis von Ernst Hoffmann von 1947, ausgestellt in Auerbach. Beide Hoffmanns sind demnach in Königsberg geboren, Ernst bereits 1870. Das Geburtsdatum von Lotte war bisher unklar.

Gemeldet hat sich auch Günther Neupert aus Auerbach, der bis 1991 im Gesundheitswesen tätig war und Lotte Hoffmann dadurch kennenlernte. Sie habe zuletzt als ärztliche Gutachterin in Auerbach gearbeitet und sei zur Sanitätsrätin ernannt worden. Neupert hat auch eine Theorie, wie die alten Ausweise nach Oberlauterbach gelangt sein könnten: Im zweiten Rittergut des Ortes hätten regelmäßig ärztliche Sprechstunden stattgefunden - vielleicht habe die Ärztin die Dokumente bei dieser Gelegenheit dort in einem Schrank deponiert, der später ins Rittergut Adlershof gelangte.

Günther Neupert schildert Lotte Hoffmann als "sehr rührige Frau", seinerzeit habe sie im Hotel Kronprinz im Auerbacher Zentrum gewohnt: "Warum, weiß ich auch nicht." Gut befreundet gewesen sei sie mit der Grünbacherin Leonore Klotz, die als Talentemutter und Mundartkönigin über die Region hinaus bekannt wurde.

Christel Griebel (77) hat in den letzten DDR-Jahren und während der Wendezeit über zehn Jahre lang mit Lotte Hoffmann in einem Haus in der Rodewischer Goethestraße gewohnt. "Sie ist am 9. Juli 1907 geboren, hätte also gerade 111. Geburtstag gehabt", sagt sie. Das Datum hat sie sich in ihrem Geburtstags-Kalender notiert. "Es war eine schöne Zeit, Lotte Hoffmann war immer lustig drauf und für einen Spaß zu haben - bis heute erinnern sich die Leute gern an sie", sagt die ehemalige Nachbarin. Sie habe sehr auf sich gehalten: "Es duftete wunderbar nach Parfüm, wenn sie durchs Haus schwebte."

Schließlich sei die Medizinerin an Krebs erkrankt und 1992 verstorben. Sie habe zwei Töchter und zwei Enkelkinder gehabt, eine Tochter habe sie zuletzt gepflegt und sei kurz danach selbst verstorben.

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