Dulig-Vorstoß kreuzt Pläne für Busverkehr

Die Konsequenzen für den gesamtem Nahverkehr im Vogtland sind noch nicht absehbar. Beifall kommt nur von der SPD.

Auerbach/Plauen.

Die am Donnerstag verkündeten Pläne von Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig, für den Schienennahverkehr und das neue Plusbus-System eine Landesverkehrsgesellschaft gründen zu wollen, stoßen im Vogtlandkreis auf Verwunderung.

"Für uns kam der Vorstoß völlig überraschend. Welche Konsequenzen das für unsere gerade europaweit laufende Ausschreibung zum Bus-Vogtlandnetz 2019+, inklusive Plusbus-Linien, haben wird, ist Stand heute noch nicht klar. Zudem haben wir beim Schienennahverkehr einen Vertrag bis 2027", sagte Thorsten Müller, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vogtland.

Der Plauener CDU-Landtagsabgeordnete Frank Heidan erklärte: "Das ist Verkehrspolitik mit dem Holzhammer!" Er kritisiert, dass vom Verkehrsminister jahrelang kein Konzept vorgelegen habe. Die Gespräche mit den Landräten seien dagegen zuletzt auf gutem Stand gewesen. Vogtland-Landrat Rolf Keil (CDU) verweist darauf, dass in die Neuausschreibung eines komplett neu vertakteten Busnetzes fast alle Forderungen der vom Landtag eingesetzten Strategiekommission für ein modernes Plusbus- und Taktbusnetz eingeflossen seien. Als Keil im Juli Staatsminister Dulig gebeten habe, den Vogtlandkreis bei der Einführung zu unterstützen und auch die zusätzlich dafür von der Strategiekommission vorgeschlagenen Mittel bereitzustellen, sei die Antwort jedoch "alles andere als befriedigend" gewesen. Statt konkreter Zahlen habe es, so Thorsten Müller, nur geheißen, das sei im Rahmen des Doppelhaushaltes 2019/20 zu klären. Laut Rolf Keil beanspruchen die kompletten Vorschläge der Strategiekommission einen jährlichen Finanzbedarf von 500 Millionen Euro im Endausbau. Im Landesetat seien für die nächsten zwei Jahre aber erst 70 Millionen vorgesehen. "Eine Landesgesellschaft kann das Problem der Unterfinanzierung nicht lösen", urteilt er. Keil sieht den Vogtlandkreis in Sachsen als Vorreiter für ein 10-Euro-Schülerticket und Motor für den digitalen Vertrieb. Auch für das von Dulig als Knackpunkt benannte Azubi-Ticket hätten die Landräte Lösungen angeboten, "vielleicht noch nicht optimal, aber kurzfristig umsetzbar".

Beifall kam gestern indes von Duligs Parteifreundin, der Plauener SPD-Landtagsabgeordneten Juliane Pfeil-Zabel. Sie schloss sich der Forderung nach einer Landesverkehrsgesellschaft an. Die Landräte als Vorsitzende der ÖPNV-Zweckverbände hätten "das Bildungsticket, den Plus-Bus und einen einheitlichen Sachsentarif verhindert" und "wichtige Verbesserungen für die Menschen ausgebremst", erklärte sie. Was eine S-Bahn-Anbindung des Vogtlandes an Leipzig angeht, so würde eine Landesverkehrsgesellschaft "endlich die Möglichkeit dazu bieten, dies voranzutreiben".

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