"Eine Amtszeit reicht nicht"

Wahlen 2019 Selbst Kritiker zollen Kerstin Schöniger dafür Respekt, wie sich Rodewisch unter ihr als Bürgermeisterin entwickelt hat. Die CDU-Frau stellt sich am 26. Mai zur Wiederwahl. Ein Fazit.

Rodewisch.

Kerstin Schöniger kann beides: ihrem Gegenüber zuhören und sich trotzdem durchsetzen. Mit Überzeugungsarbeit. Das attestiert ihr auch einer ihrer häufigsten Kritiker im Stadtrat: Horst Schubert von den Linken.

Mitunter waren ihm die Pläne der CDU-Bürgermeisterin zu progressiv; dann nahm er kein Blatt vor den Mund, sagte dies und stimmte entsprechend ab. Doch auch Horst Schubert sagt: "Sie macht eine sehr gute Arbeit." Auch wenn er nicht immer mit allem konform gehe, die Entwicklung, die die Stadt während Schönigers ersten Amtszeit genommen habe, sei unübersehbar und sollte fortgesetzt werden. Er zählt auf sie auch weiterhin. Am 26. Mai stellt sie sich für eine zweite Amtszeit zur Wahl. "Eine Amtszeit reicht nicht", sagt sie.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Das denkt auch die scheidende SPD-Rätin Gudrun Severin. Auch sie eine, die bei der Stadtchefin immer kritisch nachfragte. "Ich ziehe den Hut vor ihr, sie hat eine Vision für die Stadt", sagt Severins und traut Schöniger auch noch eine dritte Amtszeit zu. Postplatz, Schlossinsel, Rißbrücke, Park, Rowi-Park, Busbahnhof, neue Kita: Die ganze Innenstadt befindet sich im Umbau, von den Pflichtaufgaben wie Straßenbau oder Hochwasserschutz einmal abgesehen. Manches ist abgeschlossen, manches mitten in der Umsetzung, einiges steht noch bevor. Severin ist überzeugt, dass Schöniger damit nachhaltig ihre Handschrift hinterlassen wird.

Die 50-Jährige selbst will damit "das Feld bereiten, damit die Innenstadt zum Selbstverständnis wird". Die Leute, die hier leben, sollen bleiben, Weggezogene zurück-, Neu-Rodewischer hinzukommen. Das Gegenteil vom ostdeutschen Nachwende-Traumata also. Doch dafür braucht es attraktiven Wohnraum - in Rodewisch nach wie vor ein Knackpunkt, weil zwar viele hier arbeiten, aber pendeln.

Kerstin Schöniger weiß, dass Bauflächen rar sind und übergeordnete Behörden bei der Erschließung neuer Flächen knausrig sind. Sie will hier dran bleiben. Die städtische Wohnbaugesellschaft - bis vor kurzem noch ein überschuldeter Problemfall. Auch hier hat Schöniger mit einem neuen Geschäftsführer den Weg aus der Krise aufgezeigt. Frisch sanierte Wohnungen mit großzügigen Grundrissen seien gefragter denn je. Und nach dem Ausbau der alten Post sollen weitere Projekte folgen.

Wie Horst Schubert zollen ihr auch Gudrun Severin und der ebenfalls scheidende CDU-Rat Tino Dutzky großen Respekt für die Fähigkeit, trotz der umfassenden Veränderungen breite Zustimmung für die Neugestaltung der Innenstadt zu erhalten. Wenn auch Dutzky hier anmerkt, künftig - wo möglich - etwas sensibler vorzugehen. Kerstin Schönigers Rezept: Bürgerbeteiligung. Mit seinen Kinder- und Jugendwerkstätten wurde Rodewisch zu einem bundesweit beachteten Forschungsfeld. Was daraus entstehen kann, läuft am heutigen Donnerstagabend im Ratskellersaal über die Bühne: Der Jugendclub veranstaltet ein Kommunalwahlforum. Schöniger hat zugesagt, die zweite Bürgermeisterkandidatin, Claudia Roßmann-Kansorra (DSU) noch nicht.

Die Entwicklung Rodewischs mit seinen 6400 Einwohnern - die befragten Stadträte halten sie für "beispielhaft". Allerdings sind sich alle bewusst, dass das intensive Jonglieren mit Bau- und Fördermittelanträgen in Millionenhöhe der kleinen Verwaltung viel abverlangt, so Severin beispielsweise. Kerstin Schöniger spricht von einem "schlagkräftigen, kleinen Räderwerk", das Zahn für Zahn ineinander greife.

Frag den Kandidaten: Das Kommunalwahlforum des Jugendclubs Regenbogen findet am heutigen Donnerstag, ab 18 Uhr im Ratskeller Rodewisch statt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...