Eisenbahn-Juwel soll wieder mehr glänzen

Das historische Adorfer Bahnbetriebswerk gilt unter Kennern als weit und breit einzigartig. Der scheidende ÖPNV-Chef wünscht sich deshalb mehr Dampf - und sorgt auch selbst für welchen.

Adorf.

Wenn Thorsten Müller über das Adorfer Bahnbetriebswerk spricht, dann glänzen seine Augen. "Ein Kleinod", schwärmt er. "Es gibt nichts Vergleichbares in der Umgebung." Bevor der Chef des ÖPNV im Vogtland die Region verlässt, will er den Vogtländern deshalb noch etwas mit auf den Weg geben: Macht hier etwas draus! Seine Vision: ein Museum. Als Vorbild nennt er Neuenmarkt-Wirsberg in Oberfranken. Dort gibt es in einem ehemaligen Bahnbetriebswerk seit über 40 Jahren das Deutsche Dampflokmuseum. Als "Eisenbahnerdorf" hat die Gemeinde einen Namen.

Ein Weg, den auch Adorf einschlagen könnte, findet Müller. "Lebendiger soll es hier werden, das wünsche ich mir." Der ÖPNV selbst will dazu beitragen. Für nächstens Jahr hat er fünf Verkehrstage auf der Strecke Gera - Eger organisiert. Adorf kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, weil es hier noch die Infrastruktur für Dampfbetrieb gibt.

Müllers kühne Vision steht dabei im Gegensatz zur Entwicklung der jüngeren Vergangenheit. Von "einer schwierigen Situation" spricht Adorfs Bürgermeister Rico Schmidt (SPD). Das Bahnbetriebswerk gehört dem Vogtländischen Eisenbahnverein Adorf. Als Mieter hält Maik Pester mit seinen historischen "Ferkeltaxen" der Eisenbahnnostalgie Vogtland dort die Fahnen hoch. Ein Teil des Areals ist in Besitz der Bahn. Zuletzt hinterließ das Mai-Hochwasser Schäden auf dem Gelände. Schon diese würden den Verein finanziell überfordern, sagt Vorsitzender Klaus Krebeck auf Anfrage. An weitere Ideen will er deshalb gar nicht denken. "Alles steht und fällt mit der finanziellen Machbarkeit." Gleichwohl sei auch der Verein daran interessiert, dass das Gelände nicht in Vergessenheit gerät, so Krebeck.

Und dafür gibt es jetzt eine neue Initiative. Sie wird getragen von mehreren Eisenbahnfreunden aus der Region, darunter Peter Grunenberg, der Vorsitzende des Bahnsozialwerks in Adorf, Christoph Kopp aus Zwotental als Vorsitzender des Fördervereins Obervogtländische Eisenbahn und Autor Steffen Kluttig aus Plauen. Auch Maik Pester ist mit im Boot. Gemeinsam will man zunächst kleine Schritte unternehmen. Der erste: Es geht um ein Gebäude auf dem Gelände, das der Bahn gehört. "Eine Mietanfrage ist gestellt", sagt Peter Grunenberg. "Mit diesem Gebäude steht und fällt das Projekt", sagt er. Denn das Haus verfügt über die notwendige Infrastruktur für Besucher wie Toiletten und Strom.

Wichtige Etappe soll der Tag der Vogtländer werden. Dann steht das Bahnbetriebswerk von 14 bis 18 Uhr offen. Drehscheibe und nostalgische Schienfahrzeuge werden vorgeführt, Verkehrsverbund und Vogtlandbahn präsentieren sich. Der Tag werde eine "Ouvertüre" für alles Weitere, hoffen die Initiatoren.

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