Erneuter Anstieg von Krätze-Fällen

Nicht jede Infektion wird gemeldet. Trotzdem registrierte das Gesundheitsamt im Vogtlandkreis nach dem sprunghaften Anstieg vom Vorjahr erneut ein Hoch.

Auerbach/Plauen.

Mehr als 185 Meldungen über Skabies-Infektionen, wie Krätze unter Medizinern heißt, gingen beim Gesundheitsamt des Vogtlandkreises dieses Jahr bis Anfang Dezember ein. Das teilte die Behörde auf Anfrage mit. Nach dem sprunghaften Anstieg seit 2017 bedeutet das ein erneutes Hoch.

"Die Zahlen bilden nicht das Vorliegen der Erkrankung in der Gesamtbevölkerung ab", betonen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Nur für Gemeinschaftseinrichtungen besteht laut Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht für den Befall mit Krätzmilben. Unter anderem Kindergärten, Horte, Schulen, Ausbildungseinrichtungen, Heime, Ferienlager sowie Pflegeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber müssen Fälle anzeigen. Ende vorigen Jahres war ein Fall in einer Plauener Grundschule bekannt geworden.

Zu den Ursachen des erneuten Anstiegs könne das Gesundheitsamt keine Auswertung treffen, erklärt die Behörde auf Nachfrage und verweist auf das Robert-Koch-Institut. Die Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten kommt nach Sichtung der Daten aus den Gesundheitsämtern der Kreise zu der Einschätzung, dass es sich beim Auftreten der Fälle "um ein lokal uneinheitliches Bild" handelt. "Die lokale Häufigkeit der Skabies unterliegt laut mehreren Autoren langjährigen Zyklen, deren Ursachen jedoch unklar sind", gibt das Institut in einem Bericht zur Erkrankung auf seiner Internetseite an.

Im Vogtland registrierte das Gesundheitsamt bereits im Vorjahr knapp 140 Fälle der Hautkrankheit. Ein Plauener Dermatologe hatte im Gespräch mit "Freie Presse" bestätigt, dass die Zahl der Erkrankungen in der Region wohl weit höher liegt. Er sprach sogar von einer Endemie.

Juckreiz, Bläschen, gerötete Haut: Hinter dem Krätze-Erscheinungsbild stecken winzige Parasiten, sogenannte Krätzmilben. Die Haut entzündet sich an infizierten Stellen, es juckt. Trotzdem sei es für Betroffene schwierig, die Krankheit zu erkennen. Denn unter guten hygienischen Verhältnissen, wie sie heute Standard sind, entwickelt sich nicht das Vollbild der Erkrankung. Selbst für Hautärzte sei es schwierig, Krätze in Abgrenzung zu Neurodermitis oder Ekzemen zu erkennen, gab der Plauener Hautarzt an. Da sich mithilfe von im Handel frei erhältlichen Salben Linderung erreichen lasse, entschließen sich nicht wenige Betroffene erst für einen Arztbesuch, wenn weitere Mitglieder der Familie Symptome zeigen.

Aufgrund der hohen Einrichtungs- und Bevölkerungsdichte erreichen das Gesundheitsamt mehr Meldungen aus Plauen als aus anderen Gebieten des Vogtlandkreises. Der Anstieg der Krätze-Infektionen wird immer wieder mit der Zuwanderung in Verbindung gebracht. Skabies-Meldungen gingen aber auch schon vor dem Höchststand der Flüchtlingszuwanderung im Gesundheitsamt ein. Krätze tritt in langen Zyklen auf, wie auch das Robert-Koch-Institut angibt. Auch die allgemeine Immunitätslage der Bevölkerung spiele dabei eine Rolle.

Das Gesundheitsamt berät Betroffene. Weitere Informationen zu erforderlichen Maßnahmen gibt es im Internet: www.freiepresse.de/skabies

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