Feuer in Müllfirma hält Wehren in Atem

Ein erneutes Feuer bei Glitzner hat 100 Einsatzkräfte voll gefordert. 350 Tonnen Textilreste, Müll und Gewerbeabfall gingen aus bisher unbekannter Ursache in Flammen auf. Das Sonderabfalllager war nicht betroffen.

Schneidenbach/Treuen.

Für Manja Tröger steht fest: "Dieses Ding muss jetzt endlich hier weg. Wenn es das Sondermülllager mit erwischt hätte, dann würde mir vielleicht endlich mal jemand zuhören", sagte die Pferdewirtin gestern, als dicke, von der einen Steinwurf entfernt liegenden Müllfirma Glitzner Entsorgung herüberwehende Rauchschwaden das Atmen erschwerten. Doch was wegkam, das waren die etwa 30 Pferde, die Manja Tröger auf amtstierärztliche Anordnung hin auf eine weiter entfernte Weide führte. Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger und Landrat Rolf Keil (beide CDU) sprachen von einer Vorsichtsmaßnahme, da der Qualm über Koppeln wehte. In ein, zwei Wochen sollen alle Untersuchungsergebnisse vorliegen - dann ist klar, ob Gift im Spiel war. Der Großbrand bei der kreiseigenen Firma war - abgesehen von kleineren Bränden - das dritte Großfeuer seit 2007.

Um 10.30 Uhr war der Brand in der Produktionshalle für Ersatzbrennstoffe aus bisher ungeklärter Ursache ausgebrochen und hatte schnell um sich gegriffen. Anwohner berichteten von einem lauten Knall, der dem Feuer vorausgegangen sein soll - diese Wahrnehmung bestätigten die Behörden nicht. Feuerwehren aus Reichenbach, Lengenfeld, Ellefeld, Mylau, Pausa, Plauen und Rodewisch rückten an den Einsatzort, den eine riesige Rauchfahne markierte. Im Einsatz waren mehr als 100 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Sieben Glitzner-Mitarbeiter wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Kliniken gebracht. Gegen 12.30 Uhr waren die Flammen unter Kontrolle - der Feuerwehr war es mit Hilfe schwerer Technik gelungen, Löcher in die glühend heiße Hallenwand zu reißen. "So konnten wir über zwei Drehleitern schneller löschen", sagte Einsatzleiter Thomas Weck von der Reichenbacher Wehr.

Aufgrund der starken Rauchentwicklung hatte das Landratsamt gegen 11.30 Uhr eine Warnung für Einwohner in Reichenbach, Mylau, Netzschkau und Heinsdorfergrund herausgegeben. Bewohner sollten sich in geschlossene Räume begeben, Fenster und Türen schließen. Wie der Landrat sagte, wurden Luft-, Boden-, Lebensmittel- und Futter-Proben genommen. "Wir haben alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt", sagte Keil mit dem Hinweis, sich bei Fragen an das Bürgertelefon (03741 30044444) zu wenden.

Verbrannt ist in der Produktionshalle ein Mix aus Textilresten, Hausmüll und Gewerbeabfall - insgesamt 350 Tonnen, wobei die von Firmen bei Glitzner verwerteten Textilabfälle mit 270 Tonnen das Gros stellen. Eines dieser Unternehmen ist der Automobilzulieferer C. H. Müller. "Wir müssen jetzt sehen, wo wir unsere Abfälle verwerten. Ist das nicht kontinuierlich möglich, droht Produktionsausfall. Wir sehen den Kreis jetzt in der Verantwortung", sagte Geschäftsführer Thomas Porst.

Wie es am Müllstandort weitergeht, ist noch unklar. Der Landrat sagte, man habe bei Glitzner immer wieder in viel Sicherheit investiert. "Dennoch kann man solche Brände nicht ganz ausschließen. Wir warten jetzt das Ergebnis zur Brandursache ab, daraus ziehen wir dann unsere Schlussfolgerungen." Auch zur Schadenshöhe lagen gestern noch keine Angaben vor.

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