Finanzspritze für die obere Stadt: Treuen will Goethehalle sanieren

Abbruch und Neubau, Teilabriss und Umbau - um Goethehalle und Bürgerhaus zu erhalten, wurden in der Trebastadt schon viele Pläne geschmiedet. Jetzt wird im Rathaus auf ein Konzept, gesetzt, das schon in Auerbach und Falkenstein funktioniert hat.

Treuen.

Gemessen an den Gesamtkosten, die im Rathaus Treuen für die Sanierung des Komplexes aus Goethehalle und Bürgerhaus kursieren - die Rede ist von drei bis fünf Millionen Euro, je nach Variante - sind die Fördermittel nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein: Einen Bewilligungsbescheid über 424.000 Euro für den Stadtumbau übergab Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) am Montagabend an die Stadt Treuen.

Das Geld kommt aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau, von dem Treuen seit 2012 mit dem Gebiet der oberen Stadt profitiert. "Bis 2018 wurden der Stadt Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 1,7 Millionen Euro bewilligt", rief Wöller bei dem Ortstermin in Erinnerung.


Bürgermeisterin Andrea Jedzig (CDU/Einzelkandidatin) stimmte deshalb auch keine Klage an, über mangelnde Finanzen etwa. Vielmehr versuchte sie den Minister dafür zu sensibilisieren, wie wichtig den Treuenern ist, dass für das Gebäudeensemble Goethehalle/Bürgerhaus eine Lösung gefunden wird, die den Fortbestand sichert. "Hier trifft sich halb Treuen nach der Arbeit", verwies Jedzig auf Sport- und Kulturvereine, die die Räumlichkeiten nutzen. Das reicht von Umkleide- und Sanitärräumen für Fußballer, Kickboxer und American-Footballer bis zu Veranstaltungen wie "Party zu zweit" oder Jugendweihe, die die Kulturbanausen organisieren.

"Wir sind mittlerweile bei den Varianten 5 und 6 angelangt", verwies die Bürgermeisterin darauf, dass der Kampf um die Sanierung des in der Nazizeit als Jugendheim erbauten Komplexes vor allem ein Ringen mit dem Denkmalschutz ist. Dessen Fachleute wollen die Gebäude möglichst originalgetreu saniert wissen, was laut Jedzig schon aus Kostengründen illusorisch sei.

Unter den Varianten kamen auch Komplett- und Teilabriss in die engere Wahl. Aktuelle Vorzugsvariante ist die Sanierung der Goethehalle, wobei besonders das Problem der miserablen Akustik behoben werden soll. Vom Bürgerhaus, das aktuell als Sportlerheim, Sanitär- und Umkleidetrakt sowie als Vereinsdomizil dient, soll lediglich die Fassade erhalten bleiben. Die böte dann die Hülle für den Neubau zeitgemäßer Vereins- und Sanitärräume, gegebenenfalls um einen funktionalen Zweckbau erweitert. "Aus unserer Sicht ist das die wirtschaftlichste, und damit die beste Variante - auch in Hinblick auf die Folgekosten, beispielsweise für die Unterhaltung", argumentierte Andrea Jedzig gegenüber dem Minister.

Unterstützung für Treuens Position kam vom Landtagsabgeordneten Sören Voigt. "Wie haben in meinem Wahlkreis Beispiele, wo das genau so gehandhabt wurde: das Stadtarchiv Auerbach, für dessen Neubau von einer ehemaligen 'Textilfabrik nur die Fassade stehen blieb, oder der neue Einkaufsmarkt in Falkenstein. Vom Falgard-Geschäftshaus kündet ebenfalls nur noch die Fassade", sagte der CDU-Politiker und verweis darauf, dass Einigung mit dem Denkmalschutz möglich ist.

Weil nicht nur der Bereich Städtebau im Innenministerium angesiedelt ist, sondern auch das Fachgebiet Denkmalschutz, soll Innenminister Wöller offenbar dafür sorgen, dass Treuens Ansinnen in Dresden wohlwollend behandelt wird, bekannte Bürgermeisterin Jedzig. Noch gebe es keinen Gesprächstermin, so die Rathauschefin, aber: "Aber Treuen lässt nicht locker."

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