Floßplatz wird für Pechsieder zur großen Bühne

Am Himmelfahrtstag startet in Muldenberg traditionell das zweitägige Flößerfest. An ein ausgestorbenes Handwerk erinnerte ein Verein aus Gunzen.

Muldenberg.

Er sieht aus wie ein Erdmeiler und funktioniert genauso. Einziger Unterschied auf den ersten Blick: Das rauchende Bauwerk ist mit etwa 70 Zentimeter Höhe nicht mal halb so groß. Was völlig ausreicht, denn statt Holzkohle wie die Köhler ernten Pechsieder Harz. Und anstelle von rauen Mengen maximal eine Fingerhut-Füllung.

Wie das historische Gewerbe einst aussah, zeigt der Verein Gunzen 1409 bei Veranstaltungen wie dem Flößerfest in Muldenberg. Mit Handwerkermarkt, Schauflößen und anderen Vorführungen alter Gewerke, Musik, rustikaler Versorgung, Musik und einer vierstelligen Gästezahl ging am Himmelfahrtstag rund um den Floßplatz die Post ab.


Diesmal war die Meiler-Präsentation der Gunzener Familiensache: Mike Weller standen mit Louis (13) und Fynn (10) seine Söhne zur Seite. Seit einem Jahr gehören sie dem Verein an - aus Überzeugung. "Es macht Spaß und war schon immer mein Kindheitstraum mit Schlamm rumzuhantieren", sagte Louis. Der jüngere Bruder kann diesem Teil der Harzgewinnung ebenfalls viel abgewinnen. Bis das "Matschen" an die Reihe kommt, müssen Kiefernscheite aufgeschichtet und eine Grasschicht samt lehmhaltiger Erde beschafft werden. "Der Rasen kommt aber nach innen, damit das Harz verhältnismäßig sauber bleibt", erklärte Mike Weller. Dann folgt der Zündvorgang, und es wird ein Wasserdampf-Zugloch nach dem anderen gebohrt. Harz sammelt sich in der Mulde eines Steines, auf dem das Bauwerk steht. Gute acht Stunden schwelte der kleine Turm gestern. Im Gegensatz zu jenen Menschen, die das Handwerk einst als Zuverdienst betrieben, spielt der Ertrag für die 40 Vereinsmitglieder heute keine Rolle. Man will an ein ausgestorbenes Handwerk erinnern. Besonders oft schauen Familien bei den Pechsiedern vorbei. "Die Kinder fragen oft, warum der Dreckhaufen qualmt", sagte Mike Weller. Ansonsten fänden nur junge Menschen mit persönlichem Bezug zu Handwerksberufen die Vorgänge spannend.

Während der feucht-fröhlichen Vorführungen vom Vogtländischen Flößerverein Muldenberg stauten sich die Festbesucher am Floßgraben. Zuvor stand für die Hobbyflößer eine andere Tradition auf dem Programm: Nach anderthalb Wochen Schwelen war ihr Meiler bereit für eine erste kleine Holzkohle-Entnahme. "Morgen wird er richtig geöffnet", kündigte Vereinschef Bernd Kramer an. Das heißt: Fast 200 Kilogramm können am Samstag Abnehmer finden.

Programm Flößerfest Muldenberg am Samstag 9.30 Uhr geführte Flößerwanderung (6 km), ab 12 Uhr Festzeltbetrieb und Handwerkermarkt, 13.30 Uhr und 15.30 Uhr Schauflößen. Eintritt für Erwachsene 3 Euro.

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