Frau bremst 40-Tonner auf Straße zwischen Eichigt und Bergen aus

Eine Transporter-Fahrerin zwang einen Lkw-Fahrer zur Vollbremsung und brachte sich selbst und andere in Lebensgefahr. Die Verantwortung dafür übernahm sie nicht.

Zwickau/Eichigt.

Eine Abbiegespur hat an jenem 31. Mai 2018 Schlimmeres verhindert - so die Aussage eines Lkw-Fahrers (48) am Donnerstag vor dem Landgericht Zwickau. "Das hätte Menschenleben kosten können", erklärte der Zeuge. Er war an jedem Tag mit seinem 40-Tonner auf der Staatsstraße zwischen Eichigt und Bergen unterwegs, hinter seinem Fahrzeug hatte sich bergauf eine lange Auto-Schlange gebildet. Bergab habe er die Autos dann überholen lassen, berichtete der Lkw-Fahrer. Dann habe sich ein weißer Transporter direkt vor ihn gesetzt - und eine Vollbremsung hingelegt. Der 40-Tonner kam nicht mehr zum Stehen, musste auf die erwähnte Abbiegespur ausweichen. "Sonst hätte ich den Transporter zusammengeschoben", so der Fahrer.

Lkw und Transporter fuhren weiter, doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Drei- oder viermal habe der Transporter ihn erneut ausgebremst, schilderte der Zeuge. Und zum Schluss bekam er noch den "Stinkefinger" zu sehen - wohl als "Abschiedsgruß", wie er sarkastisch meinte.

Der geschockte Trucker nutzte die nächste Chance, um die Polizei anzurufen und das Kennzeichen des Transporters durchzugeben. Die fand Überraschendes heraus: Am Steuer des Fahrzeugs saß offenbar eine 50-jährige Chemnitzerin, die für ein Unternehmen aus Adorf arbeitete. Die Frau, die sich selbst und andere in Lebensgefahr gebracht hatte, war bis dahin nie auffällig geworden - weder durch Verkehrsdelikte noch durch andere Straftaten. Was sie an diesem Tag geritten hatte, bleibt im Dunkel: Sie erklärte im ersten Prozess vor dem Amtsgericht Plauen im Juli, sie könne sich nicht erinnern, wo sie zur fraglichen Zeit unterwegs war, und die als Nötigung und Beleidigung angeklagte Tat entspreche nicht ihrem Fahrverhalten. Gegen ihre Verurteilung zu einer Geldstrafe von 600 Euro und zwei Monaten Verlust der Fahrerlaubnis legte die inzwischen arbeitslose Frau Berufung ein.

Zum Berufungsprozess vor dem Landgericht Zwickau erschien die Angeklagte nicht, sondern ließ ihren Anwalt sprechen. Dieser verwies darauf, dass niemand seine Mandatin gesehen habe - deshalb lasse sich die Tat nicht zweifelsfrei nachweisen. Die Staatsanwältin sah dies völlig anders: Selten sei die Beweislage so eindeutig, befand sie. Dies bewertete Richter Torsten Sommer genauso, der die Berufung verwarf und das Urteil des Amtsgerichts bestätigte. Die Angeklagte solle froh sein, dass es ein "Verschlechterungsverbot" gebe, sie also nicht höher verurteilt werden könne als in der ersten Instanz: "Sie ist sehr gut davongekommen."

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