Haustechnik Ficker feiert unter Frauenregie runden Geburtstag

Otto Ficker gründete 1930 eine kleine Klempnerei in Arnoldsgrün. Heute hält Enkelin Doreen Liebold die Fäden der inzwischen breit aufgestellten Werdaer Firma in der Hand.

Werda.

Vielen Betrieben im Vogtland hat Corona ordentlich zugesetzt. Die Werdaer Firma Ficker Bad-Heizung-Dach blieb davon verschont. Sie steht wie eine deutsche Eiche im rauen Wind, und das seit 90 Jahren. Am längsten, nämlich 37 Jahre, hielt Ex-Chef Karl Heinz Ficker die Zügel in der Hand. Sein Rezept für ein langes Betriebsleben: Qualität und fairer Preis. Und nie die Bodenhaftung verlieren.

Seit 2014 führt Karl Heinz Fickers jüngste Tochter Doreen Liebold, was drei Generationen vor ihr begann und entwickelte es weiter. Auch sie geht mit der Zeit. Das Leistungsspektrum umfasst Heizung, regenerative Energien, Lüftung, Sanitär, Bad, Dachklempnerarbeiten, vollbiologische Kleinkläranlagen, dazu Planung und Wartung. Neun Frauen und Männer kümmern sich um alles. Was fehlt, sind Auszubildende. In der Vergangenheit hatte die vogtlandweit älteste Klempnerei nie mit solchen Sorgen zu kämpfen. Etwa 40 Schulabsolventen lernten dort bislang ihr Handwerk. "Mittlerweile haben sich aber auch junge Monteure wunderbar integriert, worüber das Team sehr froh ist", sagt Doreen Liebold.

Die heutige Inhaberin saß schon als Kind neben dem Vater im Firmenfahrzeug. Nach Schulabschluss führte kein Weg daran vorbei, in die Fußstapfen ihrer Eltern, Großeltern und des Urgroßvaters zu treten und sich beim Vater zur Gas- und Wasserinstallateurin ausbilden zu lassen. 2003 folgte der Meisterbrief.

"Es wäre schade gewesen, wenn es so eine alteingesessene Firma nicht mehr geben würde", sagt die 41-Jährige.

Karl Heinz Ficker ist zwar offiziell im Ruhestand. Abstand halten kann der 72-jährige Meister und Diplom-Ingenieur mit Spezialisierung auf Wärme- und Klimatechnik trotzdem nicht. "Wenn ich gebraucht werde, bin ich schon noch da", erklärt er. Schließlich gibt es reichlich zu tun. Im Gegensatz zu früher besteht das Auftraggeber-Spektrum fast ausschließlich aus Vogtländern. "Die Monteure wollen geregelte Arbeitszeiten und hier bleiben bei ihren Familien", weiß Doreen Liebold. Entsprechend lang ist die regionale Referenzen-Liste. Unter anderem an der Schwarzberg-Schanze in der Klingenthaler Vogtland Arena haben die Fickers und ihre Angestellten mitgearbeitet, dem Falkensteiner Rathaus vor zwei Jahren und der Werdaer Kirche voriges Jahr denkmalgerechte Kupferblech-Turmdeckungen angebaut.

Doreen Liebolds Uropa Paul Ficker war noch Einzelkämpfer. Sechs Jahre nach der Gründung 1910 musste seine Arnoldsgrüner Klempnerei schließen, weil der Inhaber im 1. Weltkrieg starb. 1930 eröffnete sein Sohn Otto die Werkstatt neu und zog 1934 nach Werda um. Dann kam der Zweite Weltkrieg und mit ihm eine zweite zwangsweise Schließung. Otto Ficker hatte indes mehr Glück: Er kam von der Front zurück und konnte 1946 den Betrieb wieder aufnehmen.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.