Herero-Schmuck mit Kolonial-Geschichte

Das Museum Burg Mylau erkundet die Herkunft der Objekte seiner ethnologischen Sammlung. Eine besondere Rolle spielt dabei Namibia.

Mylau/Reichenbach.

Kontakte zur Museums-Vereinigung von Namibia hat das Museum Burg Mylau aufgenommen. Beide trennen mehr als 8000 Kilometer. Was beide verbindet, ist Teil der Weltgeschichte.

Die neue Kultur des Bereisens fremder Kontinente brachte, befördert durch den Bau der Eisenbahn, Mitte des 19. Jahrhunderts auch eine neue Kultur des Sammelns mit sich. Das Bürgertum entdeckte die Welt. Das schlägt sich auch in Objekten nieder, die in die Sammlungen der Naturkundevereine von Mylau und Reichenbach einflossen, die heute zum Bestand des Museums Burg Mylau gehören. "Sie stammen aus aller Welt, vor allem aus ehemaligen deutschen Kolonien", sagt Museumsleiterin Sina Klausnitz.

Im Zentraldepot in Reichenbach werden die Objekte der ethnologischen Sammlung gelagert. Dazu gehören zum Beispiel Pfeil und Bogen, Speere und Flaschenkürbisse. "Die Objekte waren bislang relativ unbeachtet geblieben. 2014 entschieden wir uns, den Bestand museologisch zu erfassen und eine Provenienzforschung zu betreiben, sprich die Geschichte der Herkunft zu ergründen", erklärt die Museumsleiterin.

Anfang Juni nahm Sina Klausnitz an einem vom Deutschen Historischen Museum organisierten Symposium in Berlin teil. "Die Säule von Cape Cross: Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit" lautete das Thema. Die Herrschaftssäule mit dem portugiesischen Wappen war 1893 ins Deutsche Kaiserreich gebracht worden, zu einer Zeit, als das heutige Namibia unter deutscher Kolonialherrschaft stand. Wissenschaftler, Philosophen und Museumsleute aus Europa und Afrika diskutierten, was mit der Säule geschehen soll. Das Objekt steht dabei stellvertretend für die Frage, wie künftig mit Kunstwerken aus ehemaligen Kolonien umzugehen ist.

"Das heutige Namibia hat großes Interesse an der Rückführung seiner Kulturgüter und ebenso daran, Kenntnis zu erlangen, wo in Deutschland sich solche Kulturgüter finden", sagt Sina Klausnitz. Seit 2010 fragt Nambia ab, was wo in der Welt in Museen liegt.

Und hier kommt die ethnologischen Sammlung des Museums Burg Mylau ins Spiel. "Aus Namibia, das 1884 bis 1915 Kolonie Deutsch-Südwestafrika war, haben wir sechs Objekte im Bestand: zwei Kopfhauben von Herero-Frauen mit zwei Aufsätzen und zwei Speerspitzen", erklärt die Museumsleiterin. Laut den Inventarlisten muss es auch Bein- und Halsschmuck gegeben haben. Dieser sei aber nicht auffindbar. "Gut möglich, dass er heute in Dresden liegt. Das wollen wir gern herausfinden", sagt sie. Denn: 1977 waren 370 Objekte von Mylau nach Dresden abgegeben worden, an das Museum für Völkerkunde im Japanischen Palais.

Sina Klausnitz meldete sich inzwischen beim namibischen Museums-Verband und informierte, dass ihr Museum Objekte habe, die aus der Zeit nach 1910 stammen, nach dem Völkermord, den deutsche Truppen an den Herero und Nama verübt hatten. "Die Reaktion der Museumsleute war ausgesprochen positiv, mit unwahrscheinlichem Interesse und wohlwollend. 'Schön, wenn wir es wissen', hieß es." Projekt-Manager Jeremy Silvester sei sehr an Kontakten und Forschungsaustausch interessiert.

Die Idee ist, so blickt Klausnitz voraus, nächstes Jahr eine kleine Sonderausstellung im Museum auf Burg Mylau zu gestalten: mit Aussagen zur Tracht der Herero, zur deutschen Kolonialpolitik und ihrer Aufarbeitung und dazu, wie die Stücke den Weg ins Museum fanden.

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