"Hitler hat nicht geputscht - er ist gewählt worden"

Peter Giersich aus Auerbach ist ein unermüdlicher Kämpfer für das antifaschistische Vermächtnis. Jetzt ist der 70-Jährige dafür ausgezeichnet worden.

Auerbach.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg - so lautete die Losung der nach dem Krieg gegründeten Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Weil die Vereinigung - VVN - im geteilten Deutschland unterschiedliche Wege nahm und nach der Wiedervereinigung wieder zusammengefasst wurde, trägt sie heute den sperrischen Namen Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten - kurz VVN-BdA. Peter Giersich ist dort im Landesverband Sachsen seit 1990 aktiv, seit zehn Jahren im Vorstand. Im März feierte der Verband sein 70-Jähriges Bestehen. Und zu dessen Anlass erhielt der ebenfalls 70-jährige Auerbacher eine Ehrenurkunde. "Für besondere Verdienste bei der Bewahrung des antifaschistischen Erbes", teilte der Verband mit. Insgesamt sieben Mitglieder erhielten eine solche Ehrung, darunter auch der letzte sächsische Auschwitzüberlebende Justin Sonder und die Plauenerin Erna Walter.

Peter Giersich berichtet, dass es in seiner Familie keine von den Nazis Verfolgte gab. Trotzdem habe es in seiner Kindheit Schlüsselerlebnisse gegeben. Zum Beispiel den Satz, den die Mutter immer wieder sagte: "Das alles hast du dem Scheißkrieg und Hitler zu verdanken", so Giersich. Gemeint war, dass sein Vater nach dem Krieg verhaftet wurde und nie wieder aufgetaucht ist. Giersichs Familie hatte bis dahin in Schlesien gelebt, das heute in Polen liegt.

Sorgenvoll blickt der überzeugte Linke - Giersich war 20 Jahre Geschäftsführer der Linkspartei in Südwestsachsen - deshalb auf die aktuellen politischen Entwicklungen. "Die Begründung für die Ablehnung des NPD-Verbotes ist ein Skandal", sagt er beispielsweise. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Januar die NPD zwar inhaltlich als verfassungsfeindlich eingestuft, ein Verbot angesichts ihrer Bedeutungslosigkeit im politischen Geschehen aber als nicht gerechtfertigt eingestuft. Giersich warnt deshalb mit Blick auf die Entwicklung der AfD, die seiner Meinung nach die gutbürgerliche Nachfolgepartei der NPD ist: "Hitler hat nicht geputscht, Hitler ist gewählt worden."

Deshalb ist der Auerbacher unermüdlich im Aufrechterhalten der Erinnerungskultur - zum Beispiel, in dem er Zeitzeugengespräche an vogtländische Schulen vermittelt. Ende Januar fand eine solche an der Trias Oberschule in Elsterberg statt. "Leider ist das Interesse an den Schulen nicht allzu groß", so der frühere Ingenieur-Pädagoge, der auch eine Publikation über den bekannten vogtländischen Arbeiterführer Max Hoelz herausgebracht hat.

Giersich stellt fest, dass das generelle Interesse an den Themen des VVN-BdA abnimmt. "Wir sind sachsenweit nur noch 450 Mitglieder, 1990 waren es einmal 1700." Die Mitglieder würden sprichwörtlich wegsterben und Neuzugänge mangels Interesse ausbleiben.

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