Mehrere Jahrgänge pro Klasse: Grundschule geht neue Wege

Ab 2020 sollen in Grünbach Schüler verschiedener Altersstufen gemeinsam unterrichtet werden. Das Modell ist im Vogtland nicht neu und hat zum Teil überraschende Folgen.

Grünbach.

"Wir gehen neue Wege!", verkündet Reimar Seifert, Leiter der Grünbacher Grundschule, via "Falkensteiner Anzeiger". Und lädt die Eltern zu einer Info-Veranstaltung zum "jahrgangsübergreifenden Unterricht" für nächsten Dienstag in die Turnhalle des Ortes ein. Dort will er das Unterrichtskonzept erläutern, das ab 2020 in Grünbach eingeführt werden soll. Hintergrund ist die Tatsache, dass es 2020 im Einzugsgebiet der dortigen Schule nur elf Abc-Schützen gibt -zu wenig für eine reguläre Klassenbildung. Und in den Folgejahren sieht es nach Auskunft von Arndt Schubert vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) auch nicht viel besser aus.

Der jahrgangsübergreifende Unterricht, in Sachsen seit 2014 offiziell möglich, bietet einen Ausweg: Dadurch ist es möglich, Klassen zusammenzulegen. "In Sachsen gibt es derzeit neun Schulen mit diesem Konzept, zwei davon im Vogtland - in Bad Brambach und in Hauptmannsgrün", erläutert Arndt Schubert. Interessanterweise gebe es sogar in Leipzig zwei Schulen mit dieser Form des Unterrichts: "Dort gibt es genügend Kinder, man hat sich aus rein pädagogischen Gründen dafür entschieden." Im Vogtland hat Bad Brambach das Modell schon 2014 eingeführt und damit eine Vorreiter-Rolle übernommen, in Hauptmannsgrün läuft es seit 2016. Und in beiden Fällen gibt es nach Angaben von Arndt Schubert generell positive Erfahrungen. In Hauptmannsgrün sei diese Art des Unterrichts sogar so gut angekommen, dass auf Grund zahlreicher Anmeldungen wieder regulärer Unterricht möglich wäre: "Aber natürlich geht es dort jahrgangsübergreifend weiter."

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Wenn in einer Schule jahrgangsübergreifender Unterricht eingeführt wird, wird laut Schubert zugleich der Schulbezirk aufgehoben. Dies gebe Eltern die Gelegenheit, ihre Kinder anderswo einzuschulen. "Es bringt aber niemand deswegen sein Kind anderswo hin", versichert der Lasub-Sprecher. "Stattdessen kommen Kinder von auswärts in die betreffende Schule." Warum dies so ist, habe seine Behörde noch nicht untersucht, das wolle man jedoch nachholen.

Einstellen müssten sich Kinder und Eltern durch die neue Unterrichtsform auf wechselnde Klassenverbände, weil regelmäßig jüngere Schüler in bereits bestehende Klassen nachrückten. Und manche Fächer werden laut Schubert "jahrgangstreu" unterrichtet: "Natürlich müssen die Zweier nicht noch einmal Lesen und Schreiben lernen, das machen die Schulanfänger allein." Ein Vorteil sei, dass jüngere Schüler von den Älteren lernen könnten. Die Lehrer müssten sich veränderten Anforderungen stellen, und eine völlig neue Konzeption sei notwendig. Im Zweifelsfall sei der jahrgangsübergreifende Unterricht die beste Variante für von Schließung bedrohte Schulen, meint Schubert: "Ich würde immer dazu raten."

Schulleiter Reimar Seifert wollte sich vor der Veranstaltung am Dienstag nicht zu Details äußern. Der Falkensteiner Stadtrat hat das Thema am Donnerstag auf der Tagesordnung und wird dazu einen Beschluss fassen.

Die Informationsveranstaltung zum Thema "Jahrgangsübergreifender Unterricht" findet am Dienstag, 14. Mai, 18 Uhr, in der Turnhalle Grünbach statt.

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