Neumarkt: Alkoholverbot und Videoüberwachung im Gespräch

Fast täglich kommt es rund um die Auerbacher Trinkerszene zu Zwischenfällen. Die Stadträte wollen das nicht länger dulden, auch ein Personalwechsel im Rathaus gerät in den Fokus.

Auerbach.

Erst am Dienstagabend war die Polizei am Neumarkt im Einsatz - Rettungskräfte hatten um Hilfe beim Versuch gebeten, einen Betrunkenen in einen Krankenwagen zu bekommen. Beim Eintreffen der Beamten war der Krankenwagen weg, der Trunkenbold kippte inzwischen Bänke in der Nicolaistraße um. Am Montagabend gab es ebenfalls Rabatz, nach einem Schlag aufs Auge musste ein Mann ambulant behandelt werden. In unschöner Regelmäßigkeit gibt es speziell an Neumarkt und Breitscheidstraße Ärger mit einer Szene, in der einige Personen offenbar nicht nur die legale Droge Alkohol konsumieren. Auf diverse Beschwerden von Händlern und Anwohnern reagieren jetzt die Kommunalpolitiker: Sowohl die CDU als auch die Linke wollen das Thema am nächsten Montag in den Stadtrat bringen.

CDU-Fraktionschef Joachim Otto erklärte, man brauche dabei "keinen Aktionismus, sondern ein langfristiges Konzept für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit". Dazu könnten sowohl ein Alkoholverbot in Teilen der Innenstadt als auch eine Videoüberwachung des öffentlichen Raumes zählen - beides möchte seine Fraktion formell prüfen lassen. Otto sieht einen "allgemeinen Sittenverfall" und sinkende Hemmschwellen, gerade in Sachen Ordnung gehe es nicht nur um den Neumarkt, sondern auch um Dreck, Zigarettenkippen und alte Kaugummis überall im Stadtgebiet.

Otto warnte zugleich davor, das "Kind mit dem Bade auszuschütten" - man könne durchaus mit etlichen Leuten am Neumarkt reden und sie für das Problem sensibilisieren, er habe dies mehrfach getan. "Es wäre schön, wenn das Ordnungsamt dabei auch mitmacht", so der Fraktionschef. Er setzt in diesem Zusammenhang auch auf den anstehenden Wechsel im Ordnungsamt: Momentan wird ein Nachfolger (oder eine Nachfolgerin) für den scheidenden Amtsleiter Frank Berger gesucht. Man könne die Kandidaten für den Posten gleich dazu befragen, welches Konzept sie für eine "neue Qualität von Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit" hätten, regt Otto an. Auf jeden Fall müsse das Ganze "Chefsache" werden, so der Fraktionschef in Richtung OB. Bei einem Alkoholverbot müsse man die Interessen der Pavillon-Betreiber berücksichtigen: "Denen dürfen wir nicht das Geschäft kaputt machen."

Volker Mieth, Fraktionschef der Linken, ist enttäuscht von der bisherigen Reaktion der Stadtverwaltung auf das Geschehen. "Man kann sich doch nicht einfach hinstellen und sagen: Tut uns leid, gefällt uns auch nicht - aber wir können nichts machen", meint Mieth. "Darüber habe ich mich geärgert." Er hat kein Verständnis für die Auskunft aus dem Rathaus, ohne Anzeigen habe man keine Möglichkeit, hier einzugreifen. "Wenn es ständig Hinweise gibt, dann muss gehandelt werden." Seine Fraktion wird heute über das Thema beraten - auf jeden Fall wolle man es im Rat am Montag zur Sprache bringen, sagt Mieth. Auch er plädiert dafür, ein Alkoholverbot zu prüfen. Außerdem könne man darüber nachdenken, für eine gewisse Zeit die Bänke wegzuräumen, auf denen sich die Szene niederlässt.

Unternehmerin Beate Barthel (Mode-Siegel) hatte in einem Brief an Rathaus und Stadtrat appelliert, sich des Problems anzunehmen. Inzwischen ist sie nach ihren Worten optimistisch, dass bald eine Lösung gefunden wird, "mit der wir alle gut leben können".

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