Poker ums Versorgungszentrum Bendelstein: Wer darf bauen?

Im Rathaus ist man zuversichtlich, dass eine Versorgungslücke im Neubaugebiet vermieden wird. Beteiligte vor Ort sind deutlich weniger optimistisch. Und ein Investor schießt gegen die Stadt.

Auerbach.

Verwirrung um die Zukunft des Nahversorgungszentrums Bendelstein: Zwei Immobilienfirmen pokern offenbar darum, wer dort einen Supermarkt bauen darf. In Auerbachs Neubaugebiet ist derweil die Angst um die Lebensmittelversorgung groß, seit bekannt ist, dass Rewe zum Jahresende schließt. Zuletzt hieß es: Investor Rainer Dorn (Chemnitz) kauft das gesamte Areal inklusive des benachbarten "Feldschlösschens" und errichtet einen Markt; bis der öffnet, bleibt wohl eine Versorgungslücke.

Am Dienstagabend jedoch verkündeten Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos) und Bauamtsleiter Patrick Zschiesche eine andere Botschaft: Man habe mündliche Zusagen, dass der alte Rewe-Markt offen bleiben kann, bis ein neuer Supermarkt ihn ablöst. "Der neue Eigentümer hat die Kündigung gegenüber Rewe zurückgenommen", so Zschiesche. Der neue Markt solle nun nicht mehr an Stelle der benachbarten Halle entstehen, sondern direkt am alten Rewe-Gebäude. Alle Gewerbetreibenden könnten ohne Einschränkung weiterarbeiten. Man sei sehr froh über die gefundene Lösung, die die Lage hoffentlich entspannen werde, sagt OB Deckert.


Die Überraschung: Bauen soll das neue Gebäude nicht mehr Investor Dorn, sondern die Unternehmensgruppe FIM aus Bamberg. Denn dieser gehört seit 1. Juli das Gelände des ehemaligen Versorgungszentrums (siehe auch Kasten). Dorn hat dagegen schon vor längerer Zeit die Nachbarfläche erworben, auf der die ehemalige Lagerhalle und das "Feldschlösschen" stehen. Laut Zschiesche gibt es seit 2017 einen gültigen Bauvorbescheid für den Bau eines neuen Rewe-Markts, der an das Areal des Nahversorgungszentrums gekoppelt ist. Diesen könne FIM nun nutzen.

Zschiesche betont: "Natürlich können wir keine zwei Supermärkte am Bendelstein erlauben." Deshalb habe man Investor Dorn keinen Bauvorbescheid erteilt.

Rainer Dorn sieht die Sache völlig anders: Er sei mit FIM bisher nicht einig geworden über den Kaufpreis für das Nahversorgungszentrum, man stehe jedoch weiter in Verhandlungen. Er wolle selbstverständlich immer noch einen Supermarkt am Bendelstein errichten: "Die Stadt muss mir endlich einen Bauvorbescheid erteilen - oder meine Anfrage ablehnen. Jedenfalls muss sie aktiv werden." Da aus dem Rathaus nichts komme, habe er Untätigkeitsklage gegen die Stadt eingereicht. FIM könne gar nicht bauen, weil der alte Vorbescheid unter Bedingungen gelte, die jetzt nicht mehr eingehalten werden: "Deshalb ist der Vorbescheid ungültig." Er selbst habe längst einen anderen Nahversorger unter Vertrag: "Ich will die Versorgung machen."

René Zahovsky, Betreiber des Rewe-Markts am Bendelstein, weiß nach eigenen Worten offiziell nichts davon, dass die Schließung abgesagt ist. Er brauche klare Aussagen, ob und wie es weitergehe - versprochen worden sei zuletzt einiges. Ähnlich sieht es Apotheker Detlef Löscher. "Ich würde mich freuen, wenn es weitergeht", sagt er. "Doch aus Erfahrung bin ich skeptisch - wir haben zu viel erlebt."

Rewe erklärt auf Anfrage, es gebe "sehr konstruktive Gespräche" mit dem neuen Eigentümer. Man strebe eine Lösung "im Sinne der Anwohner" an.


Akteure am Bendelstein

Eigentümer des Nahversorgungszentrums war bisher Walter Winkler (Firma Witron) aus der Oberpfalz. Er hat ein ganzes Immobilienpaket an die Gruppe FIM aus Bamberg verkauft.

FIM wollte eigentlich sofort weiterverkaufen an Dorn & Partner aus Chemnitz. Dieser Deal platzte. Rainer Dorn entwickelt seit 25 Jahren Immobilien, in vielen Fällen siegte er im Rechtsstreit gegen Kommunen. (bap)

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