Rätsel um den Blick von Oberlauterbach

Woher Felix Regetzki 1946 kam und wohin er ging - Peter Fischer weiß es nicht. Das Einzige, was von ihm blieb, war ein Bild. Fischer hat es jetzt verschenkt - an den Ort, wo es einst entstanden ist.

Oberlauterbach/Falkenstein.

Viele Jahre hatte es seinen Stammplatz im Arbeitszimmer. Jetzt hängte Peter Fischer das Gemälde ab und verschenkte es - obwohl daran viele seiner persönlichen Erinnerungen hängen. Allerdings ist das Bild nicht in irgendwelchen Händen gelandet, sondern dorthin zurückgekehrt, wo es einst entstand: nach Oberlauterbach.

Zu sehen ist ein Teil des Unterdorfes, 1946 von einem Flüchtling gemalt. Dieser Flüchtling, ein Mann namens Felix Regetzki, machte es Peter Fischers Mutter zum Geschenk.

Ein Jahr nach Kriegsende kam der Künstler in dem heutigen Falkensteiner Ortsteil an. "Mit seinen Maluntensilien", weiß Fischer. Woher genau er stammte, ist ihm nicht geläufig. Auf jeden Fall aus Schlesien. Auch wie lange er blieb, entzieht sich Fischers Kenntnis. "Ich war damals zwölf Jahre alt", sagt er.

Felix Regetzki fand in jenem Haus eine Herberge, in dem Peter Fischer und seine beiden Geschwister ihre früheste Kindheit erlebten. Damals diente das Gebäude als Schule und Wohnhaus, viel später auch als Kindergarten. Der junge Grafiker und Maler sei eher zurückhaltend gewesen, versucht sich Fischer zu erinnern. Kurz nach dessen Ankunft schlossen die Mutter und der Maler eine Art Pakt: "Meine Mutter wollte, dass er für sie den Blick aus dem Haus malt", erzählt Fischer. Als Gegenleistung bekam der Auftragnehmer jeden Tag ein Mittagessen. Einquartiert war Felix Regetzki auf dem Dachboden. "Dort hatte meine Mutter einen kleinen Raum frei, das war quasi ein Fremdenzimmer", sucht Peter Fischer nach noch mehr Erinnerungen.

1946 habe Oberlauterbach verstreut über den Ort viele Flüchtlinge aufgenommen. Von ihrem schlesischen Untermieter hörte die Familie nie mehr etwas, nachdem sich ihre Wege getrennt hatten. Peter Fischer unterrichtete später selber: Mathematik, Physik, Chemie und Astronomie.

Das wahrscheinlich mit Wasserfarben gemalte Erbstück seiner Mutter innerhalb der Familie weiterzugeben, kam für den Besitzer nicht in Frage. "Meine Enkelkinder haben keine Beziehung zu Ober- und Unterlauterbach", sagt Peter Fischer. Also wandte er sich an die Gemeinde. Weder der Ortschaftsrat als Empfänger, noch die Falkensteiner Stadtverwaltung hatten von der Existenz des Gemäldes gewusst. "Vielleicht findet sich jemand, der den Maler kennt", hofft Hauptamtsleiterin Kerstin Leonhardt. Seinen endgültigen Platz bekam das gerade noch handliche Bild an einer Wand im Bürgersaal.

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