Schläge und Drohung: Anklagen nicht bestätigt

Alkohol war bei beiden Delikten im Spiel, die am Amtsgericht verhandelt wurden. Ein Verfahren wurde vorläufig eingestellt, im anderen gab es Freispruch.

Auerbach/Treuen.

Über kurze Prozesse mit für sie positivem Ausgang konnten sich gleich zwei Angeklagte am Mittwoch im Auerbacher Amtsgericht freuen. In beiden Fällen bestätigten sich die Anklagen nicht, in beiden Fällen ging es um Gewalt beziehungsweise deren Androhung. Und Alkohol spielte jeweils eine wichtige Rolle.

Viel auf dem Spiel stand für einen 37-jährigen Auerbacher, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war: Er stand unter Bewährung, hätte bei einer Verurteilung längere Zeit hinter Gitter gemusst. Vorgeworfen wurde ihm, im Mai einen Bekannten in dessen Wohnung in Auerbach mehrfach mit der Faust geschlagen und außerdem mit einem Messer verletzt zu haben. Hintergrund sollte ein Streit über angeblich verschwundenes Geld sein.

Allerdings erwiesen sich die Aussagen des mutmaßlichen Opfers als hochgradig unzuverlässig - gegenüber Zeugen soll der Mann erklärt haben, er könne sich sowieso an nichts mehr erinnern. Seinen Strafantrag hat er zurückgezogen. Und offenbar hatte er nach heftigem Alkoholgenuss den Angeklagten immer wieder provoziert. Interessantes Detail: Als der Belastungszeuge seine Anzeige gegen den 37-Jährigen erstattete, fuhr er betrunken zum Auerbacher Polizeirevier - und bekam dort prompt den Führerschein abgenommen.

Am Ende blieb von der Anklage nicht viel übrig: Ein Messer war offenbar nicht im Spiel. Statt zahlreichen Faustschlägen gab es vielleicht nur eine Ohrfeige - richtig rekonstruieren ließ sich das nicht. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft stellte Richter Helmut Böhmer das Verfahren vorläufig ein. Wenn der Angeklagte 300 Euro an einen Hospizdienst gezahlt hat, wird es endgültig abgeschlossen.

Über einen Freispruch konnte sich ein 69-Jähriger freuen, der wegen Bedrohung angeklagt war. Dabei hat er vermutlich genau das getan, was ihm vorgeworfen wurde. Er soll im Juli gegenüber Dritten gedroht haben, seinen Vermieter in Treuen "totzumachen". Ein Baseballschläger spielte eine Rolle - der Rentner musste ihn seinem Vermieter aushändigen, damit er in der besagten Wohnung geduldet wurde. Dazu war eine Übereinkunft geschlossen worden. Doch auch danach gab es Zoff zwischen den beiden Männern: Die Polizei wurde gerufen und machte eine sogenannte "Gefährderansprache".

Der Angeklagte widersprach allen Vorwürfen und wurde dabei immer wütender. "Ich merke schon, Sie geraten schnell in Rage", so Richter Stefan Schubert. Er sprach den Mann frei, weil die Staatsanwaltschaft die Anklage auf die Angaben von zwei Frauen stützte, die die Drohung gegenüber dem Vermieter gehört haben wollen. "Das reicht nicht: Eine Bedrohung muss direkt ausgesprochen werden, oder es muss eine Aufforderung geben, sie dem Bedrohten auszurichten", erläuterte Schubert. Der verdutzte Vermieter versicherte, er sei doch auch direkt bedroht worden: "Warum hat die Staatsanwaltschaft das nicht angeklagt?" Das wusste weder der Richter noch der Staatsanwalt vor Ort, der zuvor nicht mit dem Fall befasst war.

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