Schlafsäcke aus dem Vogtland: Näherinnen dringend gesucht

Die Firma Tinatex startet eine neue Produktionslinie in Plauen. Die Westend-Fabrik ist damit nahezu komplett ausgelastet.

Plauen.

Neudeutsch nennt man so etwas eine Win-Win-Situation. Das Oelsnitzer Textilunternehmen Tinatex ist jetzt in die Produktion von Baby-Schlafsäcken eingestiegen, hat sich damit breiter und krisensicherer aufgestellt und einen weiteren Produktionsstandort geschaffen. Das neue Standbein befindet sich im Plauener Westend. Tinatex ist dort in Lohnarbeit für den international agierenden Schlafsack-Anbieter Schlummersack tätig, erläuterte Geschäftsführer Jürgen Schuster beim offiziellen Start am Freitag vor Gästen das neue Konstrukt. Ein glücklicher Zufall habe die Partner zusammengeführt.

Kein Zufall ist der Standort: Tinatex-Näherei und -Zuschnitt sitzen dort unter einem Dach mit Schlummersack-Chefin Karina Grassy und ihrer Mannschaft. Nach all der Brexit-Unsicherheit hatte die deutsche Unternehmerin ihren Rückzug aus London beschlossen und etabliert das Zentrum ihres noch immer international tätigen, aber neu aufgestellten Unternehmens in Plauen. Vor drei Wochen startete die Produktion in den eigens zu diesem Zweck gemieteten Räumen an der L.-F.-Schönherr-Straße.

Der Markt für die hochwertigen Bio-Schlafsäcke für Babys ist da, die Produktlinie steht, die Akteure sind sich einig, doch das größte Problem ist inzwischen geeignetes Fachpersonal. In der einstigen Textil-Hochburg Plauen gibt es kaum noch versierte Näherinnen. Zur offiziellen Eröffnung konnte Jürgen Schuster nach einigen personellen Klimmzügen eine siebenköpfige Mannschaft präsentieren. So kam eine Mitarbeiterin aus Sonneberg ins Vogtland. Die Suche geht derweil weiter.

Der Tinatex-Chef rührte zur Eröffnung die Werbetrommel und sprach von krisensicheren Jobs und von "Gelegenheiten und Perspektiven für junge Menschen, die Interesse haben". Denn Schlafsäcke für Babys: Da gebe es unabhängig von Mode und sonstigen Trends eine stabile Nachfrage. Das Zusammenfügen der aus mehreren Lagen bestehenden Schlafsäcke erfordert allerdings flinke Finger und ein Gefühl für Textilien. Die Personalsuche wird weiter forciert. Aus gutem Grund war zur Eröffnung das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (BSW) vertreten. "Wir arbeiten an Lösungen", sagte der Plauener BSW-Leiter Marko Graupner.

Die Frau, deren Ideen diesen in Plauen unerwarteten textilen Aufschwung möglich machen, hielt sich bei der Tinatex-Eröffnung im Hintergrund. Karina Grassy sprach von vielen Herausforderungen und gab sich zuversichtlich, dass die notwendige Effizienz erreicht wird. Am neuen Tinatex-Standort werde nun ausschließlich für Schlummersack gearbeitet, sagte die vor zwei Jahren über London nach Plauen gekommene Thüringerin. Aufträge dafür gehen auch an zwei Nähereien außerhalb des Vogtlandes. Sonst wäre die Nachfrage nach Baby- und Kleinkind-Schlafsäcken nicht zu decken.

Ein weiterer Gewinner dieser Rochade ist die Vivet Immobilien AG. Denn mit den hinzugewonnenen Mietern ist die Westend-Fabrik nun nahezu komplett ausgelastet. Die Gewerbeimmobilie verfügt über 12.000 Quadratmeter vermietbare Flächen. 4000 Quadratmeter mietete Schlummersack an und 500 Quadratmeter Tinatex. "Bis auf das Dachgeschoss in Haus 5 sind wir jetzt voll", sagte Vivet-Vorstand Oliver Götte am Rande der Eröffnungsveranstaltung. Das Mieterspektrum in der Westend-Fabrik reicht vom Fitnessstudio über die Fortbildungsakademie FAW, einen Industrielampen-Anbieter und Rechtsanwälte bis zu einem Insolvenzbüro.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...