Soldaten verschießen weniger Pulver

Hoch hergegangen ist es zum 15. Treuener Schlossfest. Wegen der Trockenheit mussten die Kämpfer aber einen Gang zurückschalten.

Treuen.

Wer nah dran sein wollte am Kampfgetümmel zum Treuener Schlossfest, musste rechtzeitig da sein. Denn die Plätze am Absperrband zum Schlachtfeld waren heiß begehrt. Kämpfer aus 16 deutschen, tschechischen und niederländischen Historienvereinen lieferten sich am Samstag vor dem Herrensitz und einen Tag später auf freiem Feld handfeste Auseinandersetzungen: schwedische, schottische und kaiserliche Truppen, ausgerüstet mit Piken, Musketen, Lanzen und Kanonen. Von Freitag bis Sonntag versetzten sie den Herrensitz Baujahr 1610 in dessen Entstehungszeit zurück.

Obwohl sich Schätzungen zur Besucherzahl schwierig gestalten, da kein Eintritt verlangt wird, ging Ulrich Leipoldt vom Schloss-Förderverein fast von einem neuen Meilenstein aus. Wie in den Vorjahren bildeten Historie und Gegenwart eine Einheit. Außer Schlachten, Exerzieren und Lagerleben mit Tross wie im Dreißigjährigen Krieg erwarteten Gäste Musik aktuellen Datums, Ausstellungen und Puppentheater.

Helfen geschichtliche Darstellungen wie diese der Vorstellungskraft tatsächlich auf die Sprünge? "Die Vereine machen das schon alles sehr realitätsnah, von der Bekleidung bis zur Bewaffnung", sagte Leipoldt. "Ob es aber in Treuen so abgelaufen ist, weiß keiner." Aufzeichnungen sind nicht vorhanden. "Bekannt ist nur, dass die Schweden 1642 die Burg nebenan niedergebrannt haben."

Auf jeden Fall muss es damals deutlich lauter zugegangen sein. Im Vergleich zu anderen Festen wurden Besucher-Ohren diesmal etwas geschont. "Wir hatten die Order, so wenig Pulver wie möglich zu nehmen", berichtete Dietmar Lichner von MacKays Regiment of Foote. "Dadurch sind die Waffen auch leiser." Angesichts der Trockenheit wollte man kein Risiko eingehen. "Es fliegen immer mal glühende Teile mit raus", erklärte der Freizeit-Musketier. "Deswegen ist auch das Feuerwerk abgesagt worden." Lichner stammt aus der Nähe von Braunschweig und fütterte eine schwere Muskete mit Schießpulver. Wie seine Mit-Kämpfer braucht er dafür eine Lizenz. Wer mit Waffen arbeite, müsse eine Sprengstoffprüfung ablegen. "Wir nennen das den kleinen Pulverschein."

Mit dem Fest kamen gute Nachrichten für die Gastgeber. Treuens Bürgermeisterin Andrea Jedzig kündigte zur Eröffnung am Freitagabend an, dass der Verein nun schuldenfrei sei. Dafür sorgte die Stadt mit einer Tilgung der Kredit-Restschuld in Höhe einer fast fünfstelligen Summe. 40.000 Euro hatten die Hausherren 2003 für ihre Schloss-Ersteigerung benötigt. "Das ist schon toll", sagte Ulrich Leipoldt. "Jetzt kann die persönliche Bürgerschaft zweier Vereinsmitglieder erlassen werden."


Weshalb Teilnehmer inTreuen ihr Lager aufschlagen

Allan Donald (61) kämpfte für die niederländische Vereniging Krijgshistorie Vesting Bourtange mit der Pike in der Hand. Einst Soldat bei der britischen Rheinarmee in Deutschland, fand er vor elf Jahren zum Historienverein. "Es ist toll hier", urteilte er. "Der Ort, das Schloss, die netten Leute. Viele fragen auch, was das für Waffen sind und wie sie funktionieren." Zur Ausrüstung gehören Helm und Rüstung - bei jedem Wetter. "Das ist nichts für jeden", so Donald. "Manchmal kann man Spiegeleier auf dem Harnisch braten."

Ernest Cekan (41) vom Matthias Gallas Regiment aus Prag war zum vierten Mal in Treuen "stationiert". Sein Eindruck: "Ich mag das Fest und die Atmosphäre. Es ist ein kleines Schlachtfeld und Lager mit kurzen Wegen zwischen den Leuten." In seinen Zuständigkeitsbereich als Hobby-Jesuit fallen nicht ganz ungefährliche Dinge wie die Betreuung von Kämpfern während der Gefechte. Er versorgt sie mit Wasser und Ausrüstung und schafft Verwundete vom Platz.

Peter Lorz (52) ist Hauptmann der Stadtwache Franken und reiste mit seinem Tross aus Höchstadt an der Aisch an. "Das Historische hier hat Hand und Fuß", sagte er und fand sowohl Stimmung als auch Herrensitz super: "Toll, dass ein Verein so ein Kulturdenkmal wieder herrichtet." (dien)

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