Start an der Eisenbahnschule

Die Länderbahn bildet ihre Lokführer seit gestern am Vogtlandbahn-Standort aus. Als Schlüssel zur Personalsicherung - denn Lokführer, Zugbegleiter und Wagenmeister werden "inzwischen wie Goldstaub gehandelt".

Neumark.

Patrick Biller hat Koch gelernt. Doch irgendwann schlug bei dem 25-Jährigen offenbar das väterliche Erbe durch. "Mein Vater war 20 Jahre Lokführer, er hat mich schon als kleinen Bub ab und zu mitgenommen", erzählte der Plauener bei einem Medientermin in Neumark über seinen Weg in die gestern eröffnete Eisenbahnschule der Länderbahn am Standort der Vogtlandbahn. Über eine Ausbildung für den Kontroll- und Servicebereich der Bahn kam Patrick Biller schließlich seinem Traumberuf Lokführer näher. "Bei dieser Ausbildung habe ich neue Einblicke und die Überzeugung gewonnen, dass es genau das Richtige für mich ist. Und jetzt setze ich die väterliche Tradition fort."

Dieser Quereinstieg in den Beruf darf bei allen 15 Teilnehmern des ersten Lokführer-Lehrgangs in Neumark als exemplarisch genommen werden - vom Kfz-Meister über den Radiotechniker bis zum Sozialbetreuer ist alles dabei: Eine Voraussetzung für die zehnmonatige Ausbildung ist neben der medizinischen und psychischen Tauglichkeit ein Mindestalter von 21 Jahren sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Bisher hat die Länderbahn ihre Lokführer von externen Dienstleistern ausbilden lassen. Die "angespannte Personallage", wie Pressesprecher Jörg Puchmüller gestern sagte, ließ die Bahn umdenken.

Gründe dafür, dass Lokführer, Wagenmeister und auch Zugbegleiter "inzwischen wie Goldstaub gehandelt werden", wie es gestern Eisenbahn-Betriebsleiter Jens Jäger formulierte, liegen indes auch im Wettbewerb verschiedener Eisenbahnunternehmen. Geht ein Anbieter bei einer Netz-Ausschreibung leer aus, orientieren sich unter Umständen auch Lokführer um. "Mit der eigenen Ausbildung stärken wir auch die Bindung ans Unternehmen. Wir haben da viel Kompetenz aufgebaut", sagte der Betriebsleiter. Allein die Ausbildung der betriebseigenen Ausbilder dauerte ein Jahr.

Und so sorgt die 1000 Mitarbeiter starke Länderbahn mit ihren Töchtern wie Vogtlandbahn, Alex oder Oberpfalzbahn nun für Eigengewächse. Für das große Interesse der Bahn an einer eigenen Lokführerschmiede spricht auch der Einsatz einer Integrationsbeauftragten - Maria Glisic spricht sieben Sprachen und kümmert sich um die ausländischen Kurs-Teilnehmer. Das Gros des ersten Kurses kommt aus allen Ecken Deutschlands, künftig rechnet die Schule verstärkt auch mit Schülern aus dem südosteuropäischen Raum.

Auf dem Weg zur eigenen Schule spielte Neumark als möglicher Schulstandort von Beginn an eine zentrale Rolle. Anders als am zweiten Länderbahn-Werkstatt-Standort Schwandorf können die angehenden Lokführer im Vogtland rangieren und bremsen, ohne dass sich ein Nachbar beschwert. Ausbildungsleiter Kay Steiner sprach von "idealen Bedingungen" mit Werkstatt, Gleisfeld oder mobilem Fahrsimulator.

Bis März bimst der Premieren-Lehrgang jetzt Theorie in Form von Signal- und Fahrzeugkunde, Netzspezifik oder Wagenprüfung, dann schließt sich die fachpraktische Ausbildung an. "Theoretisch könnten wir im April mit einem neuen Lehrgang beginnen, spätestens aber im Herbst", so Dozent Thomas Resch. Was Bewerber mitbringen müssen? "Interesse für die Bahn, eine hohe Konzentrationsfähigkeit und eine gute Auffassungsgabe. Dann haben sie einen der schönsten Berufe, den es auch in vielen Jahren noch gibt."

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