Talsperre Muldenberg im Sommer 1988 fast ausgetrocknet

Den vogtländischen Talsperren hat die Trockenheit im vergangenen Jahr stark zugesetzt. Solche Probleme gab es auch schon früher.

Muldenberg.

Der trockene Sommer des vergangenen Jahres hatte dafür gesorgt, dass die Wasserstände in den vogtländischen Talsperren weit abgesunken waren. Das passierte aber nicht zum ersten Mal: Bereits im Jahr 1988 war eine lang anhaltende Trockenheit dafür verantwortlich, dass die Stauseen in der Region sehr wenig Wasser führten. Zum Beispiel die Trinkwassertalsperren in Muldenberg war fast leer. Der Ellefelder Fotograf Joachim Forkel hat das dokumentiert.

Während derzeit nur knapp 70Zentimeter am Stauziel des Muldenberger Stausees fehlen, sorgte die Trockenheit damals dafür, dass das Trinkwasser bedrohlich knapp wurde, erinnert sich Forkel. Die Talsperre war fast leer. "Man konnte auf ihrem Grund den früher gebauten Damm sehen, der für notwendige Reparaturarbeiten an der einst stark beschädigten Sperrmauer notwendig war", so Forkel (großes Foto). Die Beschädigung stammte von einer gewaltigen Explosion, die beim Versenken von Munition direkt an der Sperrmauer ausgelöst wurde. Bei der von amerikanische Soldaten nach Kriegsende ausgelösten Aktion kamen am 13. Mai 1945 zwölf Soldaten ums Leben. Ein Mahnmal in der Nähe des Ereignisses erinnert noch heute an die Opfer.


Um die Trinkwasserknappheit zu entschärfen, sei 1988 kurzerhand der Bau einer provisorischen Notwasserleitung beschlossen worden. Mithilfe dieser etwa zehn Kilometer langen Leitung sollte in der Nähe von Jägersgrün die Zwickauer Mulde sozusagen angezapft und Wasser nach Muldenberg geleitet werden. Bevor es jedoch soweit war, begann es zu regnen, und innerhalb kurzer Zeit konnte man aufatmen: Die Trinkwasserknappheit war Vergangenheit, erinnert sich Forkel.

Neben der Trockenheit gab es vor der Wende noch einen zweiten Grund für das starke Absinken des Wasserspiegels in den Trinkwassertalsperren bei Trockenheit: der Wasserverbrauch. Forkel hat recherchiert, dass der damals deutlich höher war als heute. "135 Liter täglich wurden pro Kopf verbraucht, zumindest in unserer Region in den Jahren vor 1988." Laut dem vogtländischen Trinkwasserzweckverband Zwav verbraucht heute ein Vogtländer am Tag etwa 85 Liter. Damit liegt die Region unter dem sächsischen Durchschnitt mit etwa 93 Litern und dem bundesweiten, der laut Zwav-Pressesprecher Jürgen Hadel bei etwa 120 Litern pro Kopf und Tag liegt.

Der hohe Wasserverbrauch von vor 1989 überrascht einerseits, weil damals viele Haushalte nicht einmal eine Dusche oder Badewanne hatten. Die gab es meist nur in Neubauten. Aber aufgrund der geringen Wasserkosten wurden die Bürger auch nicht zum sparsamen Umgang mit dem kühlen Nass angehalten. "Meine Familie hatte damals lediglich fünf Mark monatlich dafür aufzubringen. Das ist auch ein Beispiel für die Blüten, die die mitunter recht danebenliegende Stützungspolitik in der DDR trieb", so Joachim Forkel.

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