Treuener sorgen für Glanz im Dresdner Residenzschloss

Kein Auftrag wie jeder andere: Jens Wirth und seine Mitarbeiter helfen dabei, dass die Porzellansammlung von Sachsenkönig August III. in Elbflorenz zur Geltung kommt.

Treuen.

Noch haben Jens Wirth und Sandra Finsterbusch nicht gesehen, wie die goldglänzenden Konsolen an den roten Wänden des Turmzimmers im Dresdner Schloss wirken. Aber lange kann es nicht mehr dauern: Am 28. September wollen die Sächsischen Kunstsammlungen Dresden das rekonstruierte Porzellankabinett im Turmzimmer des Residenzschlosses eröffnen. "Bis dahin dürfen wir noch ein paar Arbeitsschritte vor Ort erledigen", sagt Jens Wirth (44) voller Vorfreude. Denn die Hauptarbeit für diesen Auftrag haben der Vergoldermeister, seine Mitarbeiterinnen und extra für den Auftrag engagierte Kollegen im Restaurierungsatelier in Treuen erledigt, das in einem der Krötenbachhäuser untergebracht ist.

130 Konsolen umfasst der Auftrag für das Porzellankabinett, das nach der Zerstörung des Schlosses 1945 in barocker Pracht wiederauferstehen soll. Auf den Konsolen werden Meisterwerke aus der Meissener Porzellanmanufaktur präsentiert. "Zahlreiche leer bleibende Wandkonsolen werden an den Verlust eines Großteils der vor dem Krieg ausgelagerten Porzellane erinnern", kündigen die Sächsischen Kunstsammlungen an.

Angefertigt haben die Holzkonsolen Schnitzer aus Bayern. "Jede ist ein Unikat, von Hand gefertigt", sagt Sandra Finsterbusch (40), die Partnerin von Wirth und wie er Vergoldermeisterin. Im Treuener Atelier haben die Holzkonsolen ihren goldenen Glanz erhalten. "Im Verfahren der Polimentvergoldung. Man kann es die höchste Form des Vergoldens nennen: Dabei wird das hauchdünne Blattgold auf einen Untergrund aus Kreide aufgebracht, mit dem das Holz zuvor versehen wurde", erläutert Jens Wirth. Rund 20 Arbeitsschritte sind dazu erforderlich: Schicht für Schicht wird eine Mischung aus Kreide und Leim aufgebracht, die immer wieder trocknen muss, ehe zum Schluss in Handarbeit das Blattgold aufgetragen wird. "Das Polimentverfahren kommt nur in Innenräumen, auf Holz oder Stuck, zur Anwendung. Und nur mit ihm wird dieser hochglänzende Effekt erzielt, wodurch vergoldete Teile von massivem Gold kaum zu unterscheiden sind", erklärt Wirth.

Das Vergolden der Konsolen ist bereits der zweite Auftrag, der die Treuener ins Dresdner Schloss führt. Beim Wiederaufbau des Grünen Gewölbes, der Schatzkammer der sächsischen Könige, wurden die Restauratoren zum Vergolden von Leisten herangezogen.

Aber nicht nur in Elbflorenz hinterlassen Jens Wirth und Sandra Finsterbusch als Vergolder und Kirchenmaler Spuren: Im Treuener Schloss haben sie die Stuckdecke restauriert, nächstes Jahr werden sie an der Innensanierung der Stadtkirche St. Bartholomäi mitwirken. Auf dem Hauptfriedhof Zwickau arbeiten sie an der Umgestaltung einer alten Feierhalle zum Kolumbarium (Gebäude zur Aufnahme von Urnen) mit. Und eine Langzeit-Baustelle war die Kirche Kloschwitz, deren Sanierung dem Ende zugeht.

Daneben hat das Paar noch sein eigenes Projekt: Von den zwei 2007 erworbenen ehemaligen Weberhäusern im Zentrum von Treuen ist erst Haus Nr. 10 als Werkstatt hergerichtet. Das zweite der heutigen Krötenbachhäuser wartet noch darauf, als Ferienhaus Gäste zu beherbergen.

www.kroetenbachhaeuser.de


Denkmaltag in der Region

Der zweite Sonntag im September wird deutschlandweit als Tag des offenen Denkmals begangen. Das Motto in diesem Jahr lautet "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur". "Freie Presse" gibt einen Überblick, wo man sich umschauen kann.

Auerbach: Wegen Erkrankung des Referenten erwartet Besucher des Stadtarchivs Auerbach zum Tag des offenen Denkmals ein geändertes Programm: Heinz Paulus beschäftigt sich in seinem Vortrag ab 10 Uhr mit dem Leben der Tempelritter. Der Vortrag anhand historischer Postkarten entfällt. Das Stadtarchiv ist am Sonntag von 9 bis 13 Uhr geöffnet, das Museum Auerbach von 13 bis 16 Uhr.

Ein technisches Denkmal ist der Rebesgrüner Wasserturm an der Alten Falkensteiner Straße, der von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden kann. Mitglieder des Fördervereins geben Auskunft zu den technischen Anlagen und versorgen die Besucher.

Falkenstein: Im Ortsteil Oberlauterbach, Neustädter Straße 2, kann von 10 bis 17 Uhr das Umgebindehaus mit Scheune besichtigt werden, das von einem Förderverein gerettet und ab 2006 schrittweise saniert wurde. Demonstriert werden alte Handwerkstechniken. Vereinsmitglieder bewirten die Besucher.

Rodewisch: Schüler führen von 10 bis 15 Uhr Besucher durch das unter Denkmalschutz stehende Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch, Straße des Friedens 5. Im Gebäude sind auch nach etlichen Umbauten und Modernisierungen noch zahlreiche Elemente des Bauhausstils zu finden.

Treuen: "Von der Bürgerschule zum Rathaus" heißt es von 10 bis 13 Uhr im Rathaus Treuen. 10.45 und 12 Uhr läuft im Stadtarchiv ein Vortrag zur Geschichte des Rathauses. Außerdem ist ein filmischer Rückblick "Die Stadt Treuen vor 100 Jahren" zu sehen. Außerdem Turmführung, Ratssaalbesichtigung, Diaschau mit alten Postkarten und Ausstellung "Treuens schönste historische Gebäude".

Der Förderverein Schloss Treuen öffnet das von ihm gerettete und wieder aufgebaute Denkmal von 10 bis 16 Uhr. 17.30 Uhr gibt es im Schlosskeller ein Konzert mit Ludwig Müller, der Lieder von Reinhard Mey singt.

Ins Rittergut Pfaffengrün wird von 10 bis 17 Uhr eingeladen. Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Holzbachtal/Gruppe F 173 erläutern die Geschichte des Herrenhauses, demonstrieren alte Handwerkstechniken und sorgen fürs leibliche Wohl der Besucher - unter anderem mit Nikolaschka und Mocca Edel, so die Ankündigung. Die Anfang des 19. Jahrhunderts als Weberhäuser erbauten Krötenbachhäuser an der Albecht-Dürer-Straße 10 und 12 können ab 10 Uhr auf Anfrage besichtigt werden.

Quelle: Infos der Veranstalter, kein Anspruch auf Vollständigkeit. (how)

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