Virtuose entfacht auf Geige ein teuflisches Spiel

Michael Grube unterhielt die Gäste im Rodewischer Schlösschen. Zum oberen Vogtland hat er eine besondere Beziehung.

Rodewisch.

Sie sind eins, der Sologeiger Michael Grube und seine Amati. Wo immer sie auftreten, verzaubern sie das Publikum. Am Sonntag durften die Besucher des Rodewischer Schlösschens dieses einzigartige Duo erleben. Unter dem Titel "Form, Phantasie und Leidenschaft" entführte der Geiger aus Ecuador in die Violingeschichte aus vier Jahrhunderten.

Aus dem 17. Jahrhundert stellte er den böhmischen Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber vor, der den vierstimmigen Stil für Violine erfunden und damit den großen Barockkomponisten Johann Sebastian Bach beeinflusst hat. Bevor Grube seinen Bogen zu Bachs Sonate Nr. 1, g-moll ansetzte, widmete er dem Meister eine Schweigeminute. Das 18. und 19. Jahrhundert prägten Geigenvirtuosen, wie Niccolo Paganini, Henri Vieuxtemps und Jacques Mazas. Den Teufelsgeiger, wie Paganini genannt wurde, gab Grube mit seiner Person und seinem Spiel, dem "Teufelslachen" aus Caprice Nr. 13. Er strich nicht den Bogen, sondern hackte und hüpfte mit ihm auf den Saiten seiner Geige. Er entfachte ein wahrhaft teuflisches Spiel, in dem er gänzlich aufging. Dabei drohte er nach vorn zu stürzen oder nach hinten zu kippen. Seine Fliege verrutschte und das Hemd wollte nicht im Hosenbund bleiben.

Torsten Kleditzsch

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Das 20. Jahrhundert widmete Grube seinem Vater, dem Geiger Max Ludwig Grube anlässlich seines 25. Todesjahres. Seine Violine jubilierte bei dem Allegro aus der Sonate Nr. 4. Zu seinen Lebzeiten habe ihm der Vater das Spielen seiner Kompositionen verwehrt. Aber er spielte sie doch, erzählte er. Wie der Titel ankündigte, verlieh Grube seinem Spiel auch Fantasie. Gefühlvoll und mit geschlossenen Augen trug er das Stück "Friendship" des zeitgenössischen Komponisten Gerhard Track vor. Der 1934 in Wien geborene Musikerkollege hat es Michael Grube gewidmet.

Michael Grube ist deutscher Abstammung, wurde am Bodensee geboren und wuchs in einer Musikerfamilie auf. Der Vater stammt aus Hamburg und war Violinist. Die Mutter, eine Schweizerin, war Pianistin. Vierjährig griff der Sohn zur Geige. Seine Ausbildung absolvierte er in der Schweiz und in Wien, unter anderem bei Henryk Szeryng. Grube heiratete nach Ecuador, lebt in der Hauptstadt Quito. Seine aktuelle Tournee hat er am Sonntag in Rodewisch begonnen. Warum gerade hier? "Ich liebe das Vogtland und fühle mich mit der Region verbunden, besonders mit dem Musikwinkel und den Geigenbauern." Seine Geige stammt aus der Werkstatt von Klaus Schlegel in Erlbach. Seine Geigenbögen sind Anfertigungen der Firmen Pfretzschner und Dölling aus Markneukirchen. In Erlbach hat der 65-jährige Geiger gute Freunde. Freundschaftliche Beziehungen bestehen auch zum Kultur und Heimatverein Rodewisch. Grube hat schon mehrmals in Rodewisch konzertiert: "Das Renaissanceschlösschen ist ein wunderschönes Juwel. Es begeistert mich immer wieder."

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