Vogelstimmentour auf Friedhof

Gärten aller Art rücken stärker in den Fokus des Naturschutzes. Dort gibt es auch abends viel zu hören. In Treuen gab es jetzt eine Führung an einem eher ungewöhnlichen Ort.

Treuen.

Zwischen Gräbern und hohen Bäumen lauschten am Montagabend rund 30 Besucher den Vogelstimmen auf dem Treuener Friedhof und den Erklärungen von Ornithologe Michael Thoß. Der Leiter der Auerbacher Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz, die dem Verein Sächsischer Ornithologen angehört, hatte zu diesem besonderen Ort eingeladen. Der Grund: "Friedhöfe und Parkanlagen sind besonders für das Anbringen von Nistkästen geeignet. Deshalb haben wir Kontakt mit Kirchgemeinden und Gemeindeverwaltungen aufgenommen", so Thoß.

Seit zwei Jahren hängt ein Dutzend Nistkästen an Bäumen des Friedhofs, darunter solche für Meisen, Stare, Fledermäuse und einer für den Waldkauz. "Falls ein Waldkauz einmal bei uns auftaucht, findet er gleich eine passende Nistgelegenheit", erklärt Friedhofsverwalter Frank Päßler. Er hat sich dazu bereit erklärt, die Nistkästen regelmäßig zu reinigen. Nachdem etliche Vögel die Nistkästen schon im ersten Jahr für sich entdeckt hatten, war es für Thoß naheliegend, bei einer Vogelstimmenwanderung interessierte Treuener für das Thema Vogelschutz und Naturschutz allgemein zu sensibilisieren. Wohngebiete rücken immer mehr in den Fokus des Naturschutzes. Dort kann jeder einen Beitrag leisten. Thoß empfiehlt, nicht alle Wiesenflächen auf Streichholzlänge zu stutzen, sondern das Gras auch einmal wachsen zu lassen. "Hier ist Überzeugungsarbeit notwendig. Sobald die Kommune einen Streifen nicht mäht, empfinden das viele Menschen als Unordnung", erklärt der Ornithologe. Vogelstimmenwanderungen am Abend sind oft nicht so ergiebig wie am Morgen, dafür fällt den Teilnehmern das Kommen leichter, weil sie nicht so zeitig aufstehen müssen. Für den Laien gibt es trotzdem genug zu hören und zu sehen. Zilpzalp, Sommergoldhähnchen, Buchfink, Ringeltaube und Mönchsgrasmücke meldeten sich zu Wort. Rauchschwalben und Wacholderdrosseln flogen über den Köpfen der Besucher hinweg. Die Teilnehmer hatten viele fragen: Wie hilft man einem aus dem Nest gefallenen Jungvogel? Warum hängen Nistkästen für Fledermäuse so dicht beieinander. Welche Vögel sind in der Lage, andere Melodien nachzuahmen? Hat ein entflogener Wellensittich draußen eine Überlebenschance? Michael Thoß hatte tüchtig zu tun, um sie zu beantworten und die Stimmen den gefiederten Bewohnern des Friedhofs zuzuordnen. Hilfreich ist ihm dabei sein Bestimmungsbuch mit Hörstift. Das ermöglicht es ihm, Vogelstimmen vorzuspielen. Das macht das Wiedererkennen für den Laien einfacher und manchmal wird durch den vermeintlichen singenden Konkurrenten ein anderer Vogel angelockt.

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Einen Überblick über das Zug- und Brutgeschehen in der vogtländischen Vogelwelt gab es am Montag obendrein. Thoß: "Die Amseln, Stare und Singdrosseln sind bereits mit der ersten Brut fertig, während die letzten Zugvögel wie der Neuntöter oder Mauersegler noch gar nicht bei uns angekommen sind." Auch zum Thema Nestbau kannte der Ornithologe ungewöhnliche Details. "Der Buchfink ist ein hervorragender Baumeister. Ich habe einmal ein Nest gesehen, das hatte er mit Fetzen eines Papiertaschentuchs regelrecht tapeziert." Der Mauersegler dagegen zimmert ein recht unspektakuläres Nest zusammen. "Er trägt gerade so viel Nistmaterial herbei, dass die Eier nicht wegrollen." Besonders schwer habe es die Feldlerche. Als Bodenbrüter baue sie ihr Nest gern auf Fahrspuren im Feld, weil dort der Bewuchs nicht so dicht ist. "Das ist ihr Todesurteil", so Thoß.

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