Wachsende Trinkerszene sorgt für Zoff

Der Supersommer hat das Problem der täglichen Saufgelage auf und am Neumarkt massiv zugespitzt. Händler und Anwohner sind frustriert, der Stadt sind angeblich die Hände gebunden.

Auerbach.

Beate Barthel ist wütend, über das, was sich jeden Tag vor ihrem Geschäft an der Ecke Neumarkt/Breitscheidstraße abspielt. "Früh um zehn sind die ersten schon hinüber", berichtet sie über die Trinkerszene aus bis zu 20 Leuten, die sich dort trifft. Pausenlos kreisten Bierflaschen, es werde an Hauswände und Bäume uriniert, "angeblich auch mal durchs Hosenbein", man streite sich, führe lautstark vulgäre Reden. Drogen seien vermutlich auch im Spiel, die Polizei werde genauso ausgelacht wie alle Leute, die einer Arbeit nachgingen. Und dies "an jedem Tag in diesem Wahnsinnsommer", wie die Unternehmerin feststellt. "Es ist ja jedes Jahr was los - aber was diesmal abgeht, spottet jeder Beschreibung. Wir haben hier ein Riesenproblem mit den Verlierern der Gesellschaft." Die engagierte Unternehmerin will sich mit den Zuständen nicht abfinden: "So geht es nicht weiter, Stadtrat und Bürgermeister müssen handeln. Ich werde Druck machen."

Frank Seifert vom Fahrradladen gegenüber sieht es genauso. "Es kann nicht sein, dass es hier keine Handhabe gibt. Wir brauchen eine Lösung für dieses Problem." Die Polizei sei zwar oft vor Ort, es tue sich aber letzten Endes nichts. "So ex-trem war es noch nie, es geht schon früh los und hört den ganzen Tag nicht auf. Leute werden angepöbelt." Und die Stadt Auerbach unternehme gar nichts.

Eine Hauseigentümerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet: "Der Höhepunkt wird erreicht, wenn die Läden geschlossen sind." Dann würden Flaschen geworfen, man streite und schlage sich, pinkele in Kellerfenster und kacke auch schon mal in Hauseingänge. "Klar, das Klo am Neumarkt ist dann ja zu", sagt sie. "Wenn die Stadt die Szene duldet, sollte sie wenigstens ein Dixi-Klo aufstellen." Auch der Krankenwagen komme des Öfteren zum Einsatz: "Letztens musste hier eine Frau ärztlich versorgt werden - kurz drauf holte sie schon wieder Bier für alle."

Die Stadtverwaltung sieht indes keine Möglichkeit des Eingreifens - im Gegensatz zur Situation vor einigen Jahren, als Jugendliche am Neumarkt "in den späten Abendstunden und der Nacht durch Lautstärke und Vandalismus empfindlich störten". Damals habe es konkrete Hinweise und Anzeigen gegeben. "Die Stadt entschied den Einsatz eines Sicherheits-Unternehmens - welches durch seine Präsenz präventiv wirkte und auch zum positiven Erfolg führte", teilt Stadtsprecher Hagen Hartwig in Absprache mit dem Ordnungsamt mit. Aktuell sei die Situation eine andere: "Die gegenwärtige Neumarkt-Szene besteht überwiegend aus Erwachsenen, die ,nur' trinken." Bisher gebe es "keine Anzeigen oder konkrete Hinweise auf Ruhestörungen, Gewalttätigkeit oder Zerstörungen. Die Leute sitzen dort in ihrer Gruppe - das dürfen sie - und lassen ihre Flaschen kreisen - auch das dürfen sie. "Was sie nicht tun: betteln oder Passanten belästigen", so der Stadtsprecher.

Die Stadt könne erst handeln, wenn konkrete Hinweise mit Datum, Zeit, Vorkommnis und Personenbeschreibung vorliegen. "Hier ist also auch Zivilcourage gefragt. Bürger oder Geschäftsleute, die sich konkret belästigt fühlen oder ähnliches beobachtet haben, sollten Anzeige bei der Polizei oder dem Ordnungsamt stellen." Erst dann könnten Konsequenzen, wie Platzverweise, ausgesprochen werden. Selbstverständlich beobachte auch das Ordnungsamt die Lage, doch bisher halte sich das Ganze - außer der nicht zu "bestrafenden" schlechten Außenwirkung - im Rahmen.

Anders liege der Fall zum Beispiel in Plauen. Dort habe es am Tunnel konkret dokumentierte Straftaten gegeben: "Die Stadt konnte dann für diesen Bereich ein Alkoholverbot aussprechen", so Hartwig. In Auerbach sei dies bislang nicht möglich.

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