Was von der Anstaltskirche übrig blieb

An den Klang der Orgel in Untergöltzsch kann sich Günter Helbig gut erinnern. In Mügeln, wo das Instrument seit 1966 steht, hat man dem Auerbacher jetzt ein besonderes Geschenk gemacht.

Rodewisch/Auerbach/Mügeln.

Günter Helbig erinnert sich genau. "Der Klang der Orgel war sehr gut und die Kirche verfügte über eine wunderbare Akustik." Doch eines Tages war Schluss. Er könne nicht mehr spielen, die Orgel sei ausgebaut worden, hieß es. Das war 1966.

Die Geschichte der Anstaltskirche von Untergöltzsch ist eine traurige. Der Sakralbau war 1893 mit der gesamten Krankenhausanlage in Rodewisch errichtet worden und nach dem 2. Weltkrieg der antikirchlichen DDR-Politik zum Opfer gefallen. Denn anders als normale Kirchgemeinden unterstand die Krankenhauskirche nicht der Landeskirche, sondern dem Staat. Die Folge: 1966 wird die Kirche entweiht, der Glockenturm abgerissen und eine verbliebene Glocke an die Rodewischer Kirchgemeinde verkauft.

Auch die Orgel wurde verkauft, wie in der Jubiläumsschrift zur 125-jährigen "Geschichte der gelben Häuser" in Rodewisch erwähnt wird. Dort sind auch Günter Helbigs Erinnerungen eingeflossen. Sein Vater hatte Mitte/Ende der 50er-Jahre als Heizer und Gärtner in der Heilanstalt gearbeitet und so dem Sohn das Üben auf dem Kircheninstrument ermöglicht. Die Kirche sei schon damals nicht mehr genutzt worden, erinnert sich der 1941 Geborene.

Helbig hatte als Kind Schifferklavier und Klavier gelernt, sich damit aber nicht zufrieden gegeben. "Ich wollte unbedingt auch das Orgelspiel lernen", erzählt er. Nach dem er die Schule abgeschlossen hatte, wurde der Wunsch erfüllt und die Orgel in Rodewisch über mehrere Jahre zum Übungsinstrument.

Später lernte der heute 77-Jährige Polsterer, 1995 nahm er sogar noch mal ein Studium zum Religionspädagogen auf. Viele Jahre wirkte er beispielsweise in Ellefeld als stellvertretender Kantor; er kennt sämtliche Orgelinstrumente der Gegend, auch heute spielt er noch gelegentlich, wenn Not am Organisten ist. Der Orgelklang, das sei "etwas ganz Herrliches, Himmlisches", schwärmt Günter Helbig von der spirituellen Wirkung des Instruments auf ihn.

Um so erfreuter war der Senior, als er im Jubiläumsjahr des Krankenhauses von dort erfuhr, was mit der einstigen Untergöltzscher Orgel passiert ist. Sie wurde an die Kirchgemeinde in Mügeln (Landkreis Nordsachsen) verkauft. Die Dresdner Firma Jehmlich, die die Orgel schon 1894 in Rodewisch eingebaut hatte, transportierte das Instrument und erweiterte es in Mügeln von 14 auf 18 Register.

Auch heute noch ertönt die Untergöltzscher Orgel dort in der St. Johanniskirche, hat Günter Helbig erfahren. Nur im Moment mache sie eine mehrmonatige Pause, weil sie aktuell wieder einmal saniert werde, heißt es im Mügelner Pfarramt. Und weil Helbig noch immer vom Klang des Instrumentes schwärmte, hatten die Mügelner eine Idee: Sie bespielten eine CD mit vier auf der Orgel gespielten Chorälen und schickten sie nach Auerbach. "Wunderbar", schwärmt Musiker Helbig wieder, er habe den Klang sofort wieder erkannt ...

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