Wenn der Verehrer zum Alptraum wird

Zwei Jahre lang hat ein Auerbacher einer Frau aus Treuen nachgestellt - derart besessen, dass er jetzt zu einer Strafe verurteilt wurde.

Auerbach/Treuen.

Es begann mit harmlosen Gesprächen: Im Sommer 2017 lernte ein heute 58-jähriger Auerbacher eine wesentlich jüngere Busfahrerin kennen - er arbeitet für ein Entsorgungsunternehmen, man plauderte vor allem über die Arbeit hinterm Steuer. Was für die Treuenerin eine beiläufige Begegnung war, ließ den Mann nicht mehr los - er entwickelte eine derartige Besessenheit zu der Gesprächspartnerin, dass er am Freitag vom Amtsgericht Auerbach wegen Nachstellung verurteilt wurde. Bald fuhr er ihr nach, winkte ihr regelmäßig zu, wenn sie an seinem Haus in einem Vorort vorbei fuhr. Er wartete am Bahnhof auf sie, versuchte immer wieder, mit ihr zu reden - obwohl die glücklich verheiratete Frau ihm schnell signalisierte, dass sie keinerlei Kontakt wünschte.

Im Dezember mischte er sich laut Anklage plötzlich in ein Gespräch ein, als sie vor einem Markt mit einem Bekannten sprach. Sie fand Postkarten in ihrem Briefkasten und ein Päckchen mit Schokolade, Kaffee und einem Brief unterm Scheibenwischer ihres Privatautos. Im Januar 2018 erstattete die Frau erstmals Anzeige gegen den aufdringlichen Verehrer. Die Polizei reagierte schnell und lud ihn umgehend zur "Gefährderansprache", er wurde auf mögliche rechtliche Folgen seiner permanenten Belästigung hingewiesen.

Es half alles nichts - der Mann ließ sich nicht stoppen. Er versuchte, sich in ihrem Bus mit ihr zu unterhalten, verfolgte sie auf Touren nach Asch und Bad Brambach, tauchte auf, als sie dort von der Toilette kam. Erneut schrieb er einen Brief: Er sei von ihr fasziniert und es sei ihm egal, dass sie nichts von ihm wissen wolle, so wurde der Inhalt vor Gericht wiedergegeben.

Die Konsequenz war ein Strafbefehl über 40 Tagessätze zu je 35 Euro, also 1400 Euro, der dem Auerbacher im August 2018 ins Haus flatterte. Auch davon ließ der Mann sich nicht beirren. Gegen den Strafbefehl legte er Widerspruch ein, nahm sich einen Anwalt und machte ansonsten weiter mit dem Stalking. Die Frau sei in ihrer Lebensgestaltung nicht mehr frei gewesen, habe immer damit rechnen müssen, dass der Mann erneut auftauche, so trug es der Staatsanwalt am Freitag vor: "Er hat ihr beharrlich nachgestellt und ihre räumliche Nähe gesucht, ihren Wunsch nach einem Ende der Belästigung respektierte er nicht." Die Treuenerin erstattete weitere Anzeigen, die in Anklagen mündeten. Mehrfach wurden Hauptverhandlungen am Amtsgericht angesetzt, die jedoch scheiterten, weil der Angeklagte mehrfach seine Anwälte wechselte.

Sein dritter Anwalt nahm am Freitag in Vertretung seines Mandanten das Urteil des Amtsgerichts entgegen: Unter Einbeziehung des Strafbefehls und drei weiterer Anklagen sprach Richter Bernd Fischer gegen den Auerbacher eine Haftstrafe von einem Jahr aus, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre, in dieser Zeit darf der Mann keinerlei Kontakt zur Geschädigten aufnehmen. "Er soll sich von der Frau fernhalten", so der Richter. Außerdem verhängte er eine Geldstrafe von 1000 Euro. Wenn der Angeklagte die Bewährungsauflagen nicht einhält, muss er hinter Gitter. Zumindest in den letzten Monaten soll es mit dem Fernhalten geklappt haben, so berichtete es der Anwalt des Angeklagten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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