Wenn die Friseurin zur Kauffrau wird

Auch Menschen mit Handicap sind leistungsfähig - bei einer Neuorientierung gibt die Arbeitsagentur Hilfestellung.

Rodewisch.

Langes Stehen bereitet Mandy Gräßler (31) Probleme, auch permanentes Armheben fällt ihr inzwischen schwer - beides musste die junge Falkensteinerin als Friseurin ständig tun. Sie leidet unter Gleitwirbeln und zudem unter einer Blutkrankheit, musste deswegen vor drei Jahren ihren Beruf aufgeben. Und bekam von der Arbeitsagentur nahtlos eine Umschulung vermittelt, im Sommer schloss sie ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen ab. Jetzt arbeitet sie in der Rodewischer Filiale des Sanitätshauses Alippi, zur größten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten. Sie kümmert sich um Rechnungslegung, Kostenvoranschläge und ähnliches - "eine Disponenten-Tätigkeit", sagt Filialleiter Thomas Huß. Für Mandy Gräßler ein völlig neues Gebiet, aber es mache viel Spaß, sagt die zweifache Mutter.

Die Kosten der Umschulung, inklusive Fahrtkosten, hat die Arbeitsagentur komplett übernommen. "Als Agentur sind wir der zuständige Reha-Träger, solange der Beschäftigte weniger als 15 Jahre gearbeitet hat", erläutert Anett Warg, Leiterin des Teams für Rehabilitanden und schwerbehinderte Menschen. Ab 15 Jahren ist dann der Rentenversicherungsträger zuständig. Wenn die Vermittlung in ein Unternehmen gelingt, dann zahlt die Arbeitsagentur einen Eingliederungszuschuss, auch im Fall von Mandy Gräßler ist das so.

"Dieser Zuschuss ist zwar schön, spielt für uns aber keine große Rolle", meint Karsten Alippi, Geschäftsführer der Alippi GmbH. Entscheidend sei, ob der Mitarbeiter Engagement zeige und Verständnis für seine Rolle als Mittler zwischen den Patienten als Kunden des Sanitätshauses und den Krankenkassen entwickle. "Das zeigt sich am besten bei einem Praktikum, und bei Frau Gräßler hat das prima funktioniert." Er will andere Arbeitgeber ermutigen, ebenfalls die Chancen zu nutzen, die die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung bietet. Und die Arbeitsagentur weist auf eine "Riesen-Bandbreite" von Möglichkeiten zur Hilfestellung hin, die gegeben werden können - von speziellen Stühlen für Menschen mit Rückenleiden bis zu Umbauten, die finanziert werden können, um die Beschäftigung etwa von Rollstuhlfahrer zu gewährleisten.

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