Wetterfahne ist eine harte Nuss

Liegen in dem Schützenhausrelikt nun alte Dokumente - oder nicht? Nach der Öffnung der Kugel gab es vorerst lange Gesichter.

Auerbach.

Gestern Vormittag, 10 Uhr in der Werkstatt von Dietmar Schmalfuß in Rempesgrün: Der Metallbauer setzt den Winkelschleifer an die Wetterfahnenkugel an. Die Funken sprühen. Vier Vertreter der Stadt stehen gespannt drumrum. Und dann: lange Gesichter. Als Schmalfuß den Edelstahl aufgeschnitten hat, offenbart sich: Die Wetterfahnenkugel ist leer. "Ein großes Ätsch", so Museumsleiterin Regina Meier.

Hintergrund: Beim kürzlich beendeten Abriss des Schützenhauses in Auerbach wurde die Wetterfahne sicher gestellt. Nachdem die Stadtverwaltung zahlreiche Anfragen wegen dieser hatte, entschied der Stadtrat, sie für einen guten Zweck zu versteigern. Das Mindestgebot: 1000 Euro. Vorher sollte geprüft werden, ob die Wetterfahne alte Dokumente aus der Zeit ihrer Entstehung in den 80er-Jahren enthält.

Dass sie Dokumente enthält, dessen ist sich Matthias Steudel sicher. "Eine Planzeichnung und eine Zeitung sollten es sein", so der Architekt. Er hatte 1984/85 die Sanierung des 1885 erbauten Schützenhauses projektiert. Steudel, der damals 30 Jahre alt war und heute noch ein Architekturbüro in der Stadt betreibt, hatte der Museumsleiterin kürzlich den Hinweis gegeben.

Doch wo sind die Dokumente? "Die liegen meines Wissens in der Rohrhülse, nicht in der Kugel", so Steudel gestern auf telefonische Anfrage nach dem leer ausgegangenen Werkstatttermin. Und auch Dietmar Schmalfuß habe, als er die Wetterfahne wieder wegräumen wollte, festgestellt, dass das Rohrstück zwischen Kugel und Turmaufsatz doppelt ummantelt sei, berichtete Stadtsprecher Hagen Hartwig, nachdem er gestern nochmals mit dem Metallbauer gesprochen hatte. Schmalfuß wisse bloß noch nicht, wie er die Rohrhülse öffnet, ohne den Inhalt zu beschädigen. Die Stadt vertröstet auf nächste Woche. Unabhängig davon nimmt die städtische Bauabteilung bis 31. Januar Gebote für die Wetterfahne entgegen.

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