Wie geht es weiter mit Gewerbegebieten?

Eine Debatte um die Zukunft der Industrie- und Gewerbegebiete im Vogtland läuft. Doch viele Bürger haben genug.

Treuen/Plauen.

Autobahnnah sind im Vogtland nur noch kleinteilige Ansiedlungsflächen frei. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) fordert in einem Papier zu den regionalpolitischen Positionen bis 2025, wieder das 1990er-Jahre-Ziel von 100 Hektar Freiflächenpuffer an der A 72 zu erreichen - begrüßt deshalb die Ausbauvorhaben für das Industriegebiet Oberlosa und Erweiterungspläne für das Areal nahe Reichenbach, Pia III.

Doch vielerorts gibt es Gegenwind aus der Bevölkerung. Immer mehr Bürger stemmen sich gegen solche Projekte. Allein gegen die Erweiterung in Oberlosa gibt es 500 Einwände, Proteste gegen ein mögliches Industriegebiet in Pöhl. Auch das Bekanntwerden von Erschließungsplänen für ein Gewerbegebiet bei Posseck sorgte für Unmut bei Anwohnern.

Torsten Kleditzsch

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Um die Entwicklung der Industrie- und Gewerbeflächen im Vogtland entspann sich unter Vertretern aus Politik und Wirtschaft bei einem Termin der Plauener IHK vor dem Hintergrund der Proteste eine Debatte. "Wir nehmen die Bevölkerung nicht mehr mit. Das ist das Problem", sagte FDP-Kreisrätin Kerstin Knabe, selbst Unternehmerin der IT-Branche und Mitglied des regionalen IHK-Präsidiums. Kreistagskollege und AfD-Landtagskandidat Ulrich Lupart sieht die Ursache für fehlendes Verständnis bei mangelnder Transparenz: "Dem Kreistag liegen weder zum Gewerbegebiet Posseck, noch zu den Plänen für Pöhl Informationen vor", kritisierte er. "Es muss eine Ansiedlungspolitik her, die für jeden verständlich ist."

Im Oelsnitzer Industriegebiet Taltitz entsteht auf dem letzten großen Filetstück aktuell das Logistikzentrum der Firma Böllhoff mit einem Hochregal über mehrere Etagen. Lupart äußerte jetzt Zweifel, ob diese von Stadtrat und Kreistag getroffene Entscheidung das Verständnis in der Bevölkerung wachsen lasse. Goldbeck-Geschäftsführer Lars Luderer, der mit seiner Treuener Baufirma auch Logistikzentren wie dieses hochzieht, vertrat die Gegenseite: "Das ist ein hochmodernes Unternehmen. Die Logistikbranche gilt als vermeintlich dreckig, aber da wird sich viel verändern, Roboter kommen zum Einsatz, der Flächenverbrauch ist heute verringert", sagte er. "Die Ballungszentren sind voll. Unternehmen schauen jetzt auch in Regionen, wo vorher für eine Ansiedlung kein Interesse bestand. Das ist eine Chance fürs Vogtland."

SPD-Kreisrat Benjamin Zabel sieht ein Problem im Vogtland in mangelnder Zusammenarbeit der Städte. "Wir brauchen dringend einen regionalen Plan, was die Gewerbegebiete und eine künftige Ansiedlungsstrategie betrifft. Ob Reichenbach, Oelsnitz oder Plauen, jeder macht seins." Das halte er für nicht zielführend, so der Vertreter des Landesvorstands der sächsischen Sozialdemokraten. Zumal mit der wachsenden E-Mobilität unsichere Zeiten auf die Automobilzuliefererbranche im Vogtland zukämen. "Es muss schnellstens eine gemeinsame Strategie her, um eine drohende Krise abzufangen", so Zabel.

CDU-Landtagsabgeordneter Frank Heidan verwies auf die Dringlichkeit der besseren Anbindung des Vogtlands an den Schienenfernverkehr, um die Region für Unternehmer und Fachkräfte gleichermaßen attraktiver zu machen.

Gerhard Liebscher, ehemaliger Vosla-Chef und Landtagskandidat für die Grünen, forderte die Interessensvertretung der Unternehmer auf, die Innovationskraft im Vogtland auszuschöpfen, junge Gründer mit Patentanmeldungen anzusprechen. "Es nützt nichts, sich nur an die traditionelle Wirtschaft zu klammern."

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