Wolf im Vogtland gesichtet?

Dass ein Isegrim durch heimische Wälder streunt, da ist sich eine Vogtländerin ganz sicher. Gut möglich, heißt es auch von der sächsischen Fachstelle Wolf.

Kobitzschwalde.

Das Tier, welches Peggy Bergler da kürzlich über den Weg getrottet ist, hat die Vogtländerin mehr als nur an einen Wolf erinnert. "Ich denke, dass es einer gewesen ist", sagt die Frau selbstsicher - und musste sich für diese Einschätzung im Freundeskreis fast ein bisschen auslachen lassen. "Und wenn schon, Wildschweine sind viel gefährlicher", lautete der Tenor. Sie habe keine Angst, aber sei dennoch erstaunt, dass es die Tier wohl so langsam auch ins Vogtland zieht, sagt Bergler.

Als sie den mutmaßlichen Isegrim am Kobitzschwalder Waldesrand unterhalb der Firma Zaumseil entdeckte, sei sie gerade mit ihrem Hund, ein Airdale-Terrier, spazieren gewesen. "Er ist ein Jagdhund, deshalb habe ich ihn sofort angeleint", erinnert sie sich. Klar, es könne theoretisch auch ein großer Hund gewesen sein, aber es sei kein Halter dabei gewesen. Außerdem habe sich das Tier in typisch schnüffelnder und witternder Haltung wie auf Nahrungssuche bewegt, so Bergler. Sie wollte ein Foto machen, sei dann aber doch aufgeregt gewesen und habe das Handy nicht sofort parat gehabt. Der Vorfall ereignete sich nur etwa vier Kilometer von Plauen entfernt.

Doch trauen sich Wölfe wirklich wieder bis in unsere Region? Eine Anfrage von "Freie Presse" im Landratsamt brachte zunächst die Erkenntnis, dass man dort nur noch für Abschussgenehmigungen zuständig sei. Verantwortlich sei jetzt vielmehr die Fachstelle Wolf des sächsischen Umweltamtes in Nossen bei Dresden. Dort ist die Schnittstelle zwischen Wolfsbeobachtern, Tierhaltern und der Öffentlichkeit.

"Wir nehmen prinzipiell jeden Hinweis ernst", heißt es seitens Referentin Vanessa Ludwig. Ihre Behörde meldet die Sichtungen an das Lupus-Institut in Spreewitz/Oberlausitz. Dieses Institut ist eine Einrichtung für Wolfsmonitoring und -forschung. Biologin Ilka Reinhardt, Sachsens Wolfsbeauftragte, ist dortgemeinsam mit Kollegin Gesa Kluth tätig. Sie betreuen und fördern nach Vorgaben des Bundesamtes für Naturschutz die Wiedereinwanderung der Wölfe nach Deutschland.

"Das kann gut sein, dass sich ein Wolf auch so weit nach Südwestsachsen verirrt", so Vanessa Ludwig. Immerhin hat es in diesem Jahr insgesamt sechs Sichtungen im Vogtland gegeben, wenn auch mehr in Richtung Erzgebirge. In Muldenberg sei 2018 einer in die Fotofalle getappt. In Sachsen seien die Tiere seit Ende der 1990er Jahre wieder dauerhaft heimisch. Sie verließen im Alter von ein bis zwei Jahren das elterliche Rudel. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium könnten sie weite Strecken zurücklegen. Deshalb könne es grundsätzlich überall im Freistaat zur Begegnung mit einem durchziehender Wolf kommen - "in der Regel für Menschen ungefährlich", so Ludwig.

Wölfe würden Spaziergänger meist frühzeitig bemerken und direkten Kontakt meiden. So wie in Peggy Berglers Fall: "Plötzlich war er weg." www.wolf.sachsen.de


Hunde lieber an die Leine

In Nähe des Naturschutzgebietes Großer Weidenteich wurde der mutmaßliche Wolf gesichtet. Die Pressestelle des Landratsamtes hat ein paar Verhaltensregeln für den Fall der Fälle parat - weil Bürger dort trotz Hinweisen und Kontrollen Hunde ohne Leine laufen lassen würden. Mit Strafen ist dabei zu rechnen.

Als Konkurrent um Nahrung oder Territorium werde ein freilaufender Hund von einem Wolf vermutlich gesehen und gegebenenfalls angegriffen. "In einem Wolfsrevier sind freilaufende Hunde als gefährdet zu betrachten", so das Landratsamt.

Der beste Schutz für einen Hund in einem von Wölfen besiedelten Gebiet sei der Mensch, der die Leine des Hundes hält, und vor dem der Wolf erst einmal Respekt habe und sich nicht nähere, heißt es weiter. Wölfe würden normalerweise sogar fliehen. (sasch)

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