"Zu jung, um schon aufzuhören": 80-Jährige stellt sich zur Wahl

Wahlen 2019 1939 erblickte Uda Hartmann in Auerbach das Licht der Welt, seit 1978 ist sie in der Kommunalpolitik aktiv. Jetzt kandidiert sie erneut für Stadtrat und Kreistag. Und ist nicht mal die älteste auf dem Stimmzettel.

Auerbach.

Gefeiert wird am Samstag im engsten Familienkreis in der Auerbacher Schlossgaststätte - wobei Uda Hartmanns Familienkreis bei drei Töchtern, fünf Enkeln und vier Urenkeln trotzdem sehr groß ist. "Dass ich 80 werde, kann ich selbst nicht glauben - ich fühle mich gar nicht so", sagt die zierliche Auerbacherin. Sie ist in der Stadt geboren und wohnt ihr ganzes Leben hier - mit einer kurzen Unterbrechung, weil ihr Mann, mit dem sie inzwischen 62 Jahre verheiratet ist, nach der Hochzeit partout in den Raum Leuna ziehen wollte. "Da hat es mir gar nicht gefallen, es ging schnell zurück", berichtet sie. 1973 zogen die Eheleute ins selbst gebaute Haus am Thrändorfweg, wo sie bis heute leben.

Im Haus dominiert lila in verschiedensten Facetten - dass dies ihre Lieblingsfarbe ist, verraten sogar Uda Hartmanns Haare. Politisch ist sie dagegen eindeutig "rot". Dies führt sie zurück auf ihren Opa, einen eingefleischten Sozialdemokraten. "Er hat mich stark geprägt, Gerechtigkeit war ihm sehr wichtig." Sie selbst engagierte sich zunächst im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD), einer DDR-Massenorganisation. Für diesen zog sie 1978 auch erstmals in die damalige Auerbacher Stadtverordnetenversammlung ein, in der sie bis 1990 blieb. In den letzten DDR-Jahren ging sie zusätzlich in die SED, aus der später die PDS wurde, die wiederum in der Linken aufging. Uda Hartmann blieb der Partei treu: "Ich stehe zu meiner Überzeugung."


Die Diplom-Betriebswirtin arbeitete bis zur Wende als Versandleiterin in den Vereinigten Wäschefabriken, danach noch zehn Jahre im Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (BSW). "1990 schwor ich mir: Nie wieder Politik! Und 1994 ließ ich mich für die PDS in den Stadtrat wählen", berichtet sie lächelnd. Dort sitzt sie seitdem ohne Unterbrechung, zudem 2010 bis 2014 im Kreistag. Und die 80-Jährige kandidiert zur aktuellen Kommunalwahl erneut für beide Gremien: Für den Stadtrat auf Platz 3 - hinter ihrem Enkel Patrick Müller. Für den Kreistag auf Platz 1 im Wahlkreis 7 (umfasst Rodewisch, Lengenfeld, Steinberg, Heinsdorfergrund, Neumark). Für den Kreistag gibt es mit Wolfgang Berger, ebenfalls aus Auerbach (DSU, Jahrgang 1936), sogar einen deutlich älteren Bewerber, Kandidat Wolfgang Diener (AfD, Rodewisch) ist der gleiche Jahrgang wie Uda Hartmann.

Warum tritt sie wieder an? "Ich stecke in der Materie und fühle mich zu jung, um aufzuhören", begründet sie. "Ich kann mir nicht vorstellen, zuhause zu sitzen und nichts zu machen." Wobei sie auch ohne Kommunalpolitik genug zu tun hätte: In der Leichtathletiksportgemeinschaft, wo sie im Vorstand sitzt und jede Woche Gymnastik treibt; im Museumsverein, wo sie gerade eine Ausstellung mit vorbereitet; im Familienverband, wo derzeit Stoffbeutel für Auerbach-Besucher gesteppt werden. Und in der Klöppelgruppe, wo sie mitmischt. Die hätte sie beinahe vergessen ...

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