GK Software schließt ihre Kindertagesstätte in Schöneck

Nach Angaben des Unternehmens lehnte das Landratsamt eine Aufnahme der Einrichtung in den Bedarfsplan des Vogtlandkreises ab. Vorstandschef Rainer Gläß zeigt sich persönlich enttäuscht.

Schöneck.

Die Firma GK Software schließt in Schöneck ihre erst in diesem Jahr eröffnete Kindertagesstätte Pixel aufgrund eines Beschlusses des Aufsichtsrates. Das teilte das Unternehmen am Montag in einer Presseerklärung mit. Die Entscheidung des Aufsichtsrates, so heißt es darin, sei notwendig geworden, nachdem das Landratsamt die Aufnahme der Kindertagesstätte in den Bedarfsplan des Vogtlandkreises abgelehnt habe. Begründung: Im Landkreis würden bereits Überkapazitäten bei Kindertagesstätten bestehen. Eine Antwort auf eine "Freie Presse"- Anfrage dazu steht seitens der Kreisbehörde noch aus.

Die Aufnahme in den Bedarfsplan wäre nötig gewesen, so Vorstandschef Rainer Gläß, um vom Freistaat die notwendigen Zuschüsse für den Betrieb der Einrichtung zu bekommen. Nach seinen Worten besuchen derzeit nicht nur Kinder von Mitarbeitern die Kindertagesstätte Pixel. "Für diese Kinder müssten wir ansonsten pro Jahr und Platz etwa 20.000 Euro aufbringen", macht er deutlich.

Die Schließungspläne sorgten am Wochenende für Aufregung unter den betroffenen Eltern, die sich auch an die "Freie Presse" wandten. Sie wollten sich am Montagabend zu einer Beratung treffen.

Laut Gläß hatte der Vorstand von GK Software bis zuletzt intensiv nach einer Lösung gesucht. Die Stadt Schöneck hat sich sofort bereit erklärt, über ihre Kindertagesstätte Sonnenwirbel einen nahtlosen Übergang bei der Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Das bestätigte Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU). "Es geht wahrscheinlich um 15 bis 18 Kinder. Wir haben die Kapazitäten, um das zu schultern", zeigte die Bürgermeisterin auf. Den betroffenen Eltern wird seitens GK Software dabei geholfen, den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten.

"Ich bin persönlich sehr unglücklich über die Schließung. Mir war dieses Projekt immer eine ganz besondere Herzensangelegenheit, weil das Wohl unserer Kinder mir sehr am Herzen liegt. Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht", sagte Rainer Gläß, der selbst Vater von vier Kindern ist: "Die Kolleginnen in der Kita haben eine tolle Arbeit geleistet, dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken."

Schöneck ist der Hauptsitz des Unternehmens, das an weiteren Standorten in Deutschland, der Tschechischen Republik, der Schweiz, Südafrika, Russland, Ukraine und den USA über 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gesellschaft ist seit dem Börsengang 2008 um mehr als das Siebenfache gewachsen und hat nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 106,2 Millionen Euro erreicht.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    1
    392713
    12.11.2019

    Wenn man diesen Artikel liest und keine weiteren Hintergrundinformationen hat, fragt man sich: Wie konnte das passieren?

    Ein sehr großes, wirtschaftlich erfolgreiches vogtländisches Unternehmen will seiner Verantwortung für Mitarbeiter, deren Familien und die Heimatregion gerecht werden und bietet einen attraktiven Service für Kleinkinder an. Eine Aufnahme in den Kita-Bedarfsplan ist zwar nicht zwingend notwendig. Der Wunsch nach Erlangung der staatlichen Förderung, den alle anderen Kindergärten auch erhalten, ist aber völlig nachvollziehbar, zumal auch Kinder betreut werden, deren Eltern nicht im Betrieb arbeiten.

    Warum wird von den Verantwortlichen nicht erkannt, dass die Entscheidung nicht nur den dort betreuten Kindern schadet, sondern damit auch ein Modellprojekt zerstört wird, welches man sich viel häufiger wünschen würde? Hat man versucht, sich vorzustellen, wie diese Entscheidung bei dem Unternehmen aufgefasst wird? Könnte man das als Affront gegen das einheimische Unternehmen werten? Ist die Kommunikation der politisch Verantwortlichen zur Unternehmensleitung derart gestört, dass nicht von Anfang an im Konsens eine Lösung geschaffen werden konnte?

    Der Kita-Bedarfsplan wird vom Landratsamt erarbeitet und dann vom Jugendhilfeausschuss des Kreistags beraten und beschlossen. An der Entscheidung waren also auch gewählte Kreisräte und Vertreter von Verbänden und Organisationen der Jugendhilfe beteiligt. Wenn dieser Beschluss dort mehrheitlich oder vielleicht sogar einstimmig getroffen wurde, muss der Frust auf GK ziemlich groß sein. Woran könnte das liegen?

    Zum Thema vorhandene Kapazitäten in kommunalen Kitas: Ca. 80 % der Betriebskosten in Kindertagesstätten machen die Personalkosten aus. Personal wird laut Gesetz nur soviel vorgehalten und bezahlt, wie Kinder betreut werden. Wenn Plätze im Kindergarten nicht belegt sind, ist das nicht so schlimm, weil sich der zusätzliche finanzielle Aufwand für den Träger dadurch in Grenzen hält. Außerdem kann es nicht schaden, wenn eine gewisse Aufnahmekapazität vorhanden ist, um bei Bedarf schnell Kinder aufnehmen zu können.



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