90-Jähriger düst mit Startnummer 90 los

Schönstes Sommerwetter gab es am Sonntag für die SR 2-Fans auf ihrer Traditionsrundfahrt rund um Kübitz. Es wurde ein besonderes Treffen - und das nicht nur, weil der bisherige Teilnehmerrekord geknackt wurde.

Kürbitz.

Es gab so einige Rekorde und eine Premiere beim SR 2-Treffen in Kürbitz: Andreas Puffe, den sie im Dorf den Veranstaltungschef nennen, verkündete zum Start der jüngsten Traditionsrundfahrt die Zahl 1325. "Das ist dieses Jahr ein neuer Teilnehmerrekord." Er selbst fuhr als Schlusslicht des Rennens mit der Startnummer 1325 und betonte: "Es ist alles Spaß und kein Rennen, das wir fahren."

Mit der 1000 durfte Sternquell-Geschäftsführer Jan Gerbeth an den Start gehen, die 1001 trug ein Ungar: Der am weitesten gereiste Teilnehmer war am Donnerstag schon losgefahren, um am Wochenende in Kürbitz beim Löwenspektakel und SR 2-Treffen dabei zu sein. Nicht vergeben wurde die Startnummer 1. Die hatte immer der inzwischen verstorbene "Professor" inne, wie die Kürbitzer Egon Seifert heute noch nennen. Ihm zur Ehre, da er sich besonders um das SR 2-Treffen verdient gemacht hatte, wurde die Startnummer nicht vergeben.


Die 90 indes war schon lange vorher weg, die hatten sich Ulli Lein aus Schwand und seine Traktorenfreunde gesichert. Nicht für sich, sondern für Rudolf Gerisch aus Tobertitz, der vor etlichen Wochen seinen 90. Geburtstag feierte. "Ich bin noch nie mitgefahren", berichtete Rudolf Gerisch, der von Ehefrau Ingrid nach Kürbitz begleitet wurde. "Ich war aber jedes Jahr als Besucher da." Ob er eine SR 2 hat? "Nein, aber mein Sohn, der fährt jedes Jahr mit. Er hat mir eine geliehen." Mit seiner zweiten fuhr Sohn René Gerisch selbst. "Ich habe eine S 50 und einen Star zu Hause", berichtet der Senior. "Meine Motorradprüfung hatte ich 1948 gemacht, später dann die fürs Auto. Damals hatte ich auch eine SR 2."

Vor ein, zwei Jahren hatte er mal gesagt, dass er schon mal mitfahren würde in Kürbitz, erinnert sich Ulli Lein aus Schwand. Und dass er gern die 90 hätte. Da war die Idee für das besondere Geburtstagsgeschenk bei den Schwander Traktorenfreunden geboren. Schließlich sind die Schwander seit vielen Jahren mit ihren SR 2 dabei. Was Ehefrau Ingrid ihm mit auf den Weg gab? "Fahre ja vorsichtig, hat sie gesagt", meinte Rudolf Gerisch. Begleitet wurde der Tobertitzer auch von Hartmut Richter aus Plauen, der mit seinem blauen DKW F5 der Autounion nach Kürbitz kam. Beide verbindet eine jahrelange Freundschaft. Der Plauener war als Fuhrpark-Abteilungsleiter im einstigen Schlachthof in Plauen tätig. Rudolf Gerisch war Berufskraftfahrer und Lehrausbilder im Kraftverkehr Plauen und wurde oftmals für den Fleischtransport im Schlachthof eingesetzt. Aufgeregt vor seiner Premierenfahrt sei er nicht, sagte Rudolf Gerisch. Zumal dem 90-Jährigen von vielen eine gute Fahrt gewünscht wurde. Wie etwa von Lukas Strunz, der mit 18 Jahren der jüngste SR 2-Fahrer aus Tobertitz gewesen sein dürfte.

In der Boxengasse und rund um den "Goldenen Löwen" herrschte vor der Rundfahrt viel Betrieb, Musik und Fachsimpeleien waren zu hören. Emsig zu tun hatte Dietmar Wetzig aus Adorf. Er half beim Radwechsel. "Ich hatte einen Platten", sagte Dieter Gottsmann, der aus Friebus bei Markneukirchen mit seiner SR 2 nach Kürbitz gekommen war. Zum Glück sei es erst am Ziel passiert, sodass Zeit für den Radwechsel blieb. Knallbunt bekleidet und mit Vokuhila-Frisur (vorn kurz, hinten lang) der 1980er-Jahre fielen Elke und Horst Rössel im Starterfeld auf. "Wir wollen alte Zeiten auffrischen", meinte er. Schließlich sei es ihre Jugendzeit gewesen. "Er sieht jetzt so aus, wie er früher gern ausgesehen hätte", witzelte Elke Rössel. So wie die Weischlitzerin zeigten sich alle SR 2-Fahrer und Besucher gut gelaunt. Es wurde gewunken, was das Zeug hielt. Und gestaunt, etwa wenn ein Hund - mit Motorradbrille ausgerüstet - mitfuhr, oder Fuchs und Elster, Pittiplatsch und Schnatterinchen im Anhänger die Rundfahrt mit absolvierten. Auch der Weihnachtsmann fehlte nicht. Die Kröstauer begrüßten die SR 2-Fahrer nicht nur mit einem Transparent in ihrem Ort, sondern sogar mit einer selbst gebauten Radarfalle. Damit ja keiner zu schnell fuhr ...

Allerding gab es auch einen Schwerverletzten zu beklagen.

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