Abschied von Ehrenbürger und Wegbegleiter der Wende

Thomas Küttler ist tot. Der ehemalige Plauener Superintendent starb im Alter von 82 Jahren. Ein Nachruf.

Plauen/Leipzig.

Er wird vermisst. Als Plauen vor wenigen Wochen der ersten Massenkundgebung am 7. Oktober vor 30 Jahren gedenkt, erinnern viele an Thomas Küttler. Er hat mit besonnenem Auftreten und Verhandlungsgeschick großen Anteil, dass jene Demonstration friedlich bleibt, die Staatsmacht Wasserwerfer und Hubschrauber zurückzieht und ein erstes Gespräch zustande kommt. Viele hätten sich gefreut, Küttler wiederzusehen. Doch schwer an Parkinson erkrankt, lässt es seine Gesundheit nicht zu, dass er nochmals nach Plauen findet.

Am Mittwoch ist Thomas Küttler in Leipzig im Alter von 82 Jahren gestorben. Als Superintendent stand er von 1979 bis 2002 dem Kirchenbezirk Plauen vor. Ulrike Weyer, seine Nach-Nachfolgerin im Amt, würdigt Küttler: "Im Vertrauen auf Gott hat er mutig und entschlossen dafür Sorge getragen, dass das Volk seinem Willen zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft friedlich Ausdruck verliehen hat. Zugleich wusste er, dass der Aufbau einer neuen gesellschaftlichen Ordnung des Engagements und den Willen Vieler bedarf. Offenheit und Respekt vor der Meinung anderer haben sein Wirken geprägt."

Küttler stammte aus Schwarzbach (Sachsen) und wuchs in Hannover auf. Nach Studium und Vikariat siedelte er 1965 in die DDR über, wo er nach beruflichen Stationen in Marbach und Leipzig 1979 nach Plauen wechselte.

Plauen und seine Menschen haben Thomas Küttler viel zu verdanken. Mit seiner klugen Besonnenheit, seiner Bescheidenheit und dem mitunter verschmitzten Lächeln ist er bis heute bei vielen unvergessen. Er wird in Erinnerung bleiben - unabhängig davon, ob Jean-Curt Röders Idee aufgegriffen wird, den Punkt am Rathausportal zu markieren, an dem Küttler damals seine Rede zu den Massen hielt. Denn ob sichtbar oder nicht: Von dort aus veränderte er unsere Welt. (mit epd)

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