Alten Eichen droht die Fällung: Erster Protest formiert sich

Mißlareuth soll 2021 zur Großbaustelle werden. Geplant ist neben einer Straßensanierung auch die Neugestaltung des Dorfzentrums. Für das Vorhaben sollen große Bäume geopfert werden. Das gefällt nicht jedem im Ort.

Mißlareuth.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Dresden plant, die Ortsdurchgangsstraße in Mißlareuth grundhaft auszubauen. Es geht dabei um die Staatsstraße S 287. Als der Ortschaftsrat von diesen Plänen erfuhr, wurde zugleich die Neugestaltung des Dorfzentrums ins Gespräch gebracht. "Wir sehen den Straßenbau als Chance, das Ortsbild von Mißlareuth neu zu machen", sagt Ortsvorsteher Steffen Oheim. "Der Kirchplatz soll neu gepflastert werden. Einen Fußweg wollen wir bauen."

Bisher gab es am Dorfplatz vorbei bis zum Gasthof nur einen "Trampelpfad", wie Oheim es nennt. Das Denkmal soll auch neu hergerichtet werden. Bis dato sind darauf nur die Namen der Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges zu lesen. "Die Namen der Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg stehen bisher an einer Tafel auf dem Friedhof", so der Ortsvorsteher. Sie sollen zukünftig mit am Denkmal zu lesen sein, eventuell an einer Tafel. Bleiben soll der Springbrunnen in dem kleinen Park in der Ortsmitte.

Doch es formiert sich Widerstand. Denn einigen Mißlareuther Bürgern missfällt, dass auch Bäume, die die Ortsmitte prägen, geopfert werden sollen. Zwar werde die Straße nicht verbreitert. Allerdings verändere sich das Erscheinungsbild, da die Fahrbahn geringfügig abgesenkt und beidseits mit Bordsteinen abgegrenzt wird, erklärt Franz Grossmann vom Landesamt. Durch die Tieferlegung der Fahrbahn und den angrenzenden Gehwegbau sei die Fällung zweier Bäume nötig. Die beiden Eichen gelten als gesund. Ersatzpflanzungen und deren Anzahl sollen mit der Gemeinde abgestimmt werden.

Dem nicht genug, wird im Dorf über weitere Fällungen in der Ortsmitte nachgedacht. Neben den beiden Eichen stehen zwei Eschen. "In die eine hatte der Blitz eingeschlagen", so Oheim. Wenn die wegkomme, würde es nicht gut aussehen, wenn eine einzelne stehen bleibe. "Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas Neues zu machen." Neue, durchaus größere Bäume als Ersatz wären denkbar. "Man muss es abwägen, ob man jetzt oder später die alten Bäume ersetzt." Es sei noch keine Entscheidung dazu getroffen, so Daniel Hellfritzsch von der Bauverwaltung im Weischlitzer Rathaus. Er weist ebenfalls darauf hin, dass in einen Baum der Blitz eingeschlagen hatte und ein weiterer, nämlich der einzeln stehende am Kirchplatz, kränkelt. Von Totholz im oberen Bereich sei die Rede, so Hellfritzsch. Er könne sich vorstellen, dass ein Gutachter die Bäume anschaut. Die Fällung müsse dann abgewogen werden. Und die Rotdorn-Bäume, die an der Straße in Mißlareuth hin zum Ortsausgang in Richtung Grobau stehen, seien mickrig. Dieser Teil der Kreisstraße soll auch gebaut werden. Genauso wie die kommunale Straße in Richtung Rothenacker instand gesetzt werden soll. Bei den Bauarbeiten würden zugleich Leitungen für Wasser, Abwasser und Telefon verlegt. Baumwurzeln stören dann und können die neuen Leitungen beschädigen, hieß es.

Christine Hofmann und Sohn Daniel, die in Mißlareuth wohnen, wollen es nicht hinnehmen, dass alle alten, mächtigen Bäume im Ortskern gefällt werden, und haben sich deshalb Rat bei Naturschützern gesucht. Thomas Hohl und Kathrin Bianga von den Grünen sowie Volkmar Ihle, Vorsitzender der BUND Regionalgruppe Vogtland, schauten sich jetzt vor Ort um. "Die Bäume sind kerngesund. Sie prägen das Ortsbild", so Thomas Hohl. Es wäre schade, sie zu fällen. Er habe kein Verständnis dafür. So sieht es auch Kathrin Bianga, die großen Bäume würden im Ortsbild fehlen. Er freue sich, wenn es Leute gibt, die sich für diese überhaupt interessieren, so Ihle. Ersatzpflanzungen würden erst in 30 bis 40 Jahren die Größe der jetzigen Bäume erreichen. Man könne aber erst etwas gegen geplante Baumfällungen unternehmen, wenn die Planung steht.

Wann der Straßenbau, bei welchem voraussichtlich der Zweckverband Wasser und Abwasser einbezogen wird, vorgesehen ist? "Angestrebt wird eine Einordnung in das Bauprogramm 2021", informiert Grossmann. "Der Abschnitt der zu erneuernden Staatsstraße verläuft durch den gesamten Ort auf einer Länge von rund 400 Metern." Inwieweit wird die Straße während der Bauarbeiten gesperrt? "Vollsperrungen lassen sich hier leider nicht vermeiden. Es werden Bauabschnitte gebildet, sodass nicht alle Straßen gleichzeitig gesperrt werden." Großräumige Umleitungen sollen ausgeschildert, der Anliegerverkehr soll soweit wie möglich gewährleistet werden. Mit der Gemeindeverwaltung, so ist es geplant, wird noch über Möglichkeiten provisorischer innerörtlicher Verkehrsführungen gesprochen.

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