Auf den Spuren der Hopfenkaltschale im Bierdorf

Im Vogtland existieren Orte, über die Bemerkenswertes erzählt wird. Die "Freie Presse" nimmt ihre Leser mit auf Tour. Heute: Brauereiführung in Wernesgrün.

Wernesgrün.

Welchen Unterschied macht es, ob Bier in braunen oder grünen Flaschen landet? Gibt es überhaupt einen? Ja, sagt Gerd Heyn. Und welchen? Die Gäste eines Busses, der sie aus ganz Deutschland in die Wernesgrüner Brauerei gebracht hat, wollen mehr von dem Fachmann wissen. Er teilt sein Wissen gerne. Egal, wie oft ihm die Frage gestellt wird. Und sie wird so oft gestellt, dass sie quasi bei keinem Rundgang fehlt.

50.000 Flaschen werden in der Wernesgrüner Brauerei gefüllt - pro Stunde. Einigen können die Gäste bei diesem Prozess zusehen. Dann geht es weiter. Während der Reise durch den Betriebsteil an der Bergstraße sollen die Besucher so viel wie möglich sehen und hören. Nach der Bierherstellung, die in einem zweiten Komplex an der Hauptstraße stattfindet, wird das Hopfengetränk dort abgefüllt und für den Versand vorbereitet.

Bis auf einige Bereiche, die aus Sicherheitsgründen tabu sein müssen, können die 33 Frauen und Männer in Gelb - vor Ort ausgehändigte Schutzwesten sind Pflicht - den Weg des Bieres beschreiten. Start ist nach der obligatorischen Theorie in der Filtrationsanlage. Die arbeitet ziemlich geräuschintensiv, sodass Gerd Heyn manchmal Mühe hat, tatsächlich von allen Gästen gehört zu werden. 400 Hektoliter kämmt die Vorrichtung stündlich durch.

Dann ist das Bier bereit für die Flaschen. Im Nachbarraum erwischt es die Besucher eiskalt. Die Drucktankabteilung verrichtet bei sechs bis sieben Grad Celsius ihre Arbeit. Noch mehr Eindruck machen die sechs mächtigen Stehtanks. Gerd Heyns Ausführungen zufolge dienen sie als Zwischenstation für das filtrierte Bier. Dann lässt er Besucher raten. Einer liegt in puncto Füllmenge pro Tank mit 2000 Hektolitern richtig. Bei der Fassabfüllung nebenan geht es indes noch lauter zu als beim Filtrieren.

Den Gästen entgeht nicht, dass sich zwei hölzerne unter die Edelstahlfässer "gemogelt" haben. "Da will ein Bürgermeister mal wieder einen Fassanstich machen", erklärt der Rentner den Umstand. Er nennt die Zahl 180. So viele Fässer sind in 60 Minuten randvoll.

Das Interesse an Betriebsbesichtigungen bei Wernesgrüner ist groß. 5000 bis 6000 Besucher - vornehmlich aus Deutschland, der Niederlande und der Schweiz, aber auch aus Übersee und Asien - sind pro Jahr dabei; Tendenz steigend.

Gerd Heyn ist einer von fünf Gästeführern. Sein "Zuhause" war der Betriebsteil an der Bergstraße. "Hier habe ich fast mein gesamtes Berufsleben verbracht", sagt der 66-jährige Rodewischer. Davon war er viele Jahre als Leiter Filtration, Abfüllung und Logistik beschäftigt.

An seine Fersen heften sich übrigens nicht nur Laien. "Otto Normalverbraucher" erkundigt sich außer nach der Flaschenfarbe indes meistens auch danach, wie sich die bisweilen riesigen Anlagen reinigen lassen. Und manchmal nach der Kilokalorienzahl im Bier. Etwa 420 enthalte ein Liter Pilsner, entgegnet Gerd Heyn dann. Auf geschätzte 160 bringt es die alkoholfreie Variante. Fünf Sorten werden in Wernesgrün hergestellt.

Seit 1436 wird in dem vogtländischen Dorf Bier gebraut. Einst existierten dort zwei Betriebe. Ihr Nachfolger: die Wernesgrüner Brauerei. Bis zum Jahr 2002 war sie selbstständig, seitdem gehört sie der Bitburger Braugruppe an. Im zentralen Gutshof finden ganzjährig Kulturveranstaltungen statt. Mit der Wernesgrüner Musikantenschenke hatte eine im Fernsehprogramm des Mitteldeutschen Rundfunks bis vor wenigen Jahren ihren festen Platz.

Was grüne und braune Flaschen betrifft: Die Farbe bestimme die Haltbarkeit des Inhalts, erklärt Heyn. Grünes Glas sei lichtdurchlässiger und darin aufbewahrtes Bier kurzlebiger als in braunem. Über die Wernesgrüner Förderbänder huschen braune Flaschen im Akkord. Allerdings sei die Farbe der Flaschen inzwischen kein wirkliches Qualitätskriterium mehr, gibt der Gästeführer zu verstehen. "Biere sind heute wärmebehandelt."


Das müssen Brauerei-Besucher wissen

Führungen: Touren mit Verkostung sind täglich möglich. Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr, an Sonntagen von 10 bis 16 Uhr. Dienstags werden auch Führungen am frühen Abend (17 und 18 Uhr) angeboten.

Gruppenstärke: Pro Besichtigung sollten wenigstens acht Besucher zusammenkommen. Obwohl das Mindestalter bei 16 Jahren liegt, werden bei Familien Ausnahmen gemacht. An Minderjährige wird jedoch kein Alkohol ausgeschenkt.

Preise: Teilnehmer zahlen 8 Euro für die etwa zweistündige Tagesführung, 10 Euro für die dreieinhalbstündige Abendrunde (Imbiss, Präsent und Gutschein inklusive).

Bekleidung: Weil längere Wege und Stufen zu bewältigen sind, sollten Gäste festes Schuhwerk tragen.

Anmeldung: Interessenten können sich unter Telefon 037462 617264 oder im Internet anmelden. (dien)

www.wernesgruener.de

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