Die Migranten und der Alltag

Was bedeutet es, die Gesellschaft interkulturell zu öffnen? Wo steht man dabei? Wie kann es gelingen? Über diese Fragen wurde am Mittwoch im Malzhaus mit Sachsens Integrationsministerin diskutiert.

Plauen.

Öffnung der Gesellschaft gegenüber fremden Kulturen und anderen Lebensweisen - das kann nicht "von oben herab" verordnet werden. Das hat Petra Köpping (SPD), Sachsens Ministerin für Gleichstellung und Integration, am Mittwochabend in einer Podiumsdiskussion im Plauener Malzhaus, eingeräumt. Köpping: "Wir sind alle in der Pflicht, diesen Anspruch im Alltag zu leben."

Ihr sei bewusst, dass die Gesellschaft dabei einiges an Arbeit vor sich habe. Zugleich sei ihr wichtig, den Zusammenhalt zu erhalten. "Das heißt für mich konkret: weiter mit den Menschen im Gespräch bleiben und genau hinhören, woran sich Hemmnisse, Ängste und Befürchtungen festmachen." Sie sei sich sicher, dass es Stück für Stück gelingen werde, "Vielfalt als etwas Selbstverständliches anzusehen".

Die Veranstaltung der Akademie für interkulturelle und spezialisierte Kommunikation (ISC) Chemnitz fand vor rund 80 Gästen statt. Die Einrichtung bildet unter anderem sogenannte Integrationshelfer aus. In der Veranstaltung erhielten 17 Schulungsteilnehmer ihre Zertifikate als Integrationshelfer.

Das Interesse an Schulungen der Akademie nehme im Vogtland zu, sagte Veronika Glitzner, Integrationsbeauftragte des Landkreises, am Rande der Veranstaltung. Im nächsten Jahr sei eine Neuauflage und die Fortsetzung der Lehrgänge für Integrationshelfer vorgesehen.

Zu Teilnehmern der Schulungen hatten auch Schüler des Lessinggymnasiums Plauen gehört. "Das geht in alle Bereiche", sagte Glitzner und nannte auch Kindergärten, Unternehmen, Behörden und Institutionen. Ziel sei es, die Helfer besser auf den Umgang mit Migranten, auf deren schwierige Lebenslagen sowie andere Verhaltens- und Denkweisen vorzubereiten. Kanwaljit Singh Sethi, Vorsitzender des Migrantenbeirates Leipzig, machte unterdessen während der Diskussion darauf aufmerksam: "Meine Frau kommt immer eine halbe Stunde später. Mein engster Geschäftspartner, mit dem ich arbeite, kommt immer eine halbe Stunde später. Ich komme immer eine halbe Stunde eher. Migranten sind eine heterogene Gruppe. Das muss man immer beachten." Jeder Mensch sei anders.


"Wo Bürgermeister gute Politik machen, funktioniert es auch"

Integrationsbeauftragte Veronika Glitzner: "Ich hatte dieses Jahr Schulanfang meines Enkelkindes. Als der Schulanfang eine Stunde lief, mit dem besten Programm, ging die Türe auf, eine ausländische Familie kam herein, mit der Zuckertüte in der Hand. Ja, die waren halt eine Stunde später. Aber sie wurden sofort einbezogen. Man kann doch aufeinander zugehen. Man muss doch nicht gleich wieder denken, dass jetzt Deutschland untergeht, weil mal jemand eine Stunde später ist."

Kanwaljit Singh Sethi, Vorsitzender des Migrantenbeirates Leipzig: "Die Leute denken, wenn sie von Menschen mit Migrationshintergrund reden, sie reden von Flüchtlingen. In Leipzig haben wir 14,7 Prozent Menschen mit Migrationsgeschichte. Davon sind nur ein ganz kleiner Teil Flüchtlinge."

Diana Zierold, Außenstelle Halle des Deutschen Jugendinstitutes: "Man erwartet sich mehr von Oberbürgermeistern, vom Landrat, dass sie das Ehrenamt mehr beachten und auch zu einer Versachlichung der Debatte beitragen. Wir alle lassen uns viel zu sehr durch diese Emotionen treiben."

Integrationsministerin Petra Köpping (SPD): "Wir haben ja gerade von Bürgermeistern und Landräten gesprochen. Die politischen Köpfe müssen sich an diese Bewegung vorne dran stellen. Dort, wo Bürgermeister und Landräte eine gute Integrationspolitik und interkulturelle Politik machen, funktioniert es auch sehr gut."

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